Apologetik Teil 2

Apologetikt2Antworten auf Einwände zwei bis vier gegen die Einzigkeit des wahren Glauben.

Der erste Einwand beinhaltet eine logische Verwirrung. Er geht von der innerlichen Überzeugung der einzelnen Vertreter aus, um daraus einen Einwand gegen den Glauben zu konstruieren.

Er lautet:

Einwand 2:

„Es gibt so viele Religionen. Auch die Buddhisten, Moslems und Juden usw. behaupten, die Wahrheit zu haben. Alle Vertreter der Religionen glauben, sie seien auf dem richtigen Weg. Also gilt: Die katholische Kirche ist nur eine von vielen Religionen und Weltanschauungen, die behauptet, die wahre zu sein.“

Viele machen jetzt den Fehler und versuchen, den Einwand zu widerlegen. Dabei muss er nicht widerlegt werden. Er bedarf der Bestätigung. So lautet die Antwort:

Ganz genau. Und das gut und logisch.

Die Begründung ist ebenso einfach wie logisch: Glauben darf ein vernünftiger Mensch nur das, was er für wahr hält. Man würde sich lächerlich machen, wenn man sagte: „Ich glaube den Berichten von Marco Polo über China, aber ob sie wahr sind, weiß ich nicht.“ Wann immer es um den Glauben geht, geht es automatisch um die Wahrheitsfrage.

Wenn also eine Jude, ein Moslem oder ein Hindu etwas glaubt, muss er auch davon überzeugt sein, dass es wahr ist. Denn sonst dürfte er es gar nicht glauben.

Somit ist logisch, dass jeder Gläubige sagt: „Das, was ich glaube, ist wahr.“

Wenn er sagen würde: „Ich weiß nicht, ob das, was ich glaube, die Wahrheit ist.“, dann kann man ihn zu Recht mit der einfachen Frage Schach-Matt setzen: „Warum glaubst du es dann?“

Diese Schachmatt-Frage kann sich als besonders nützlich erweisen in der Diskussion mit liberalen Katholiken bzw. Modernisten. Sie lieben es, von sich selbst zu behaupten, christlich zu sein, aber keinen Anspruch darauf zu erheben, dass die christliche Religion die wahre sei. Dann kann man ihn zu Recht fragen, warum er sie dann glaube.

Insofern ist ein Moslem oder ein Jude, der von der Richtigkeit seines Glaubens überzeugt ist, in sich logischer als ein Modernist, der verkündet, dass er zwar etwas glaube, aber dabei nicht sagen könne, ob es auch wirklich die Wahrheit sei.

Der dritte Einwand könnte auch die Bezeichnung „Einwand der Existenzialisten“ tragen. Der Existenzialismus basiert auf der These, dass es in der Philosophie vor allem um den Menschen in seiner Existenz gehe. Damit steht der Mensch über der Wahrheit und über Gott. Die Formulierung des Einwandes kennt zwei Versionen, je nach Ziel und lautet wie folgt:

3. Einwand:

Version A: Religion als „nützlich für den Menschen“:

Es geht gar nicht darum, die Wahrheitsfrage zu stellen, sondern die Frage nach dem Menschen: Wenn ihm die Religion etwas bedeutet, er dabei etwas fühlt, dann ist sie für ihn auch richtig und gut für ihn. Religiöse Wahrheit ist dann gegeben, wenn sie DEM MENSCHEN nützt.

Falls dieser Nutzen sich auf das „Fühlen“ reduziert, ist dieser Einwand auch Teil des Modernismus, den Pius X. verurteilt hat. Dessen These ist: Glaube ist innerlich gefühlt.

Verson B: Religion als „Zeichen des guten Willens“:

Man muss es nicht so genau nehmen mit den Begriffen um Gott. Im Grunde zählt am meisten die religiöse Tendenz, das Wollen. Alle wollen Gott verehren, und das ist das Wichtigste. Sich um die Begriffe streiten hat in früheren Jahrhunderten so oft zu Glaubenskriegen geführt. Damit soll Schluss sein. Es hat keinen Sinn, die anderen Religionen an Vorstellungen zu messen, die man selbst aus seinem eigenen Glauben kennt. Wichtig ist die religiöse Tat.

Der logische Fehler, der diesem Einwand zugrunde liegt, ist die Aushebelung der Wahrheit durch eine unerlaubte Verknüpfung mit der Persönlichkeitsstruktur des Menschen. Seinem persönlichen Wollen oder Nutzen oder Gefühl (Modernismus).

Am besten wird der Fehlschluss sichtbar, wenn man ihn auf ein Wissensgebiet anwendet, das nicht religiös ist. Dort führt dieser Fehlschluss zu den lächerlichsten Ergebnissen. Drei Beispiele sollen das verdeutlichen:

Erstes Beispiel: Die Eins in Mathe!

Kevin ist nicht gerade ein Mathe-Ass. Für die Hausaufgabe rechnet er zwei Tage lang, doch das Ergebnis ist grottenfalsch. Die Lehrerin aber ist voll Einfühlungsvermögen und sagt: „Lieber Kevin. Du hast dich so bemüht. Du hast ein so guten Willen gezeigt. Dein Einsatz war so großartig. Ich sage dir: Es spielt gar keine Rolle, ob du es richtig oder falsch gelöst hast. Wichtig war deine Hingabe. Du bekommst eine eins von mir.“

Was würde der Rektor dieser Lehrerin wohl erklären?

Zweites Beispiel: Die Apotheker-Ausbildung:

Anna wird Apothekerin. Mit Oma Hempel spricht sie eine Stunde an der Theke und verkauft ihr schließlich statt der gewünschten Augentropfen ein Fläschchen Warzentinktur. Als ihre Ausbildnerin schimpft, antwortet sie: „Muss man immer so genau unterscheiden? Immer dieses Herumreiten auf diesem und jenem Medikamenten, noch dazu in Milligramm. Es geht darum, dass wir für die Menschen da sind. Ihnen etwas geben. Was, ist doch letztendlich egal. Die Hauptsache ist die gute Tat!“

Das Ende der Geschichte: Oma Hempel musste drei Wochen im Krankenhaus behandelt werden. Sie ist nur deswegen nicht erblindet, weil die Schmerzen durch das ätzende Warzenmittel sie davon abhielten, es auch noch ins rechte Auge zu träufeln.

Drittes Beispiel: Der arme Bankierslehrling

Gereon Geldmann macht eine Ausbildung bei der Bank. Jeder Überweisung zieht er 50 Cent für sich ab. Als der Direktor ihm mit dem Rauswurf droht, erklärt er: „Aber was soll das? Immer denkt ihr in so engstirnigen Kategorien. Genau das hat uns zu Kriegen geführt. 50 Cent, sind doch nur Zahlen. Wichtig ist, dass mir mein neuer Ausbildungsplatz etwas nützt. Dass ich zufrieden bin damit. Dass ich mich wohlfühle dabei!“

Man kann nun alle Gebiete des menschlichen Wissens heranziehen, von der Weltraumforschung bis zur Atomphysik, vom Autobau bis hin zur Pflanzenbestimmung: Es ist noch nie gehört worden, dass der gute Wille eines Forschers, sein persönlicher Nutzen oder sein Gefühl bei der Sache eine Wahrheit erzeugt hätte.

Somit gilt das Prinzip:

Satz 1: Der gute Wille oder der persönliche Nutzen oder das Gefühl können aus falschen Aussagen keine wahren machen.

Satz 2: Dieses Prinzip gilt für die Begriffe und Sätze aus allen Wissensgebieten der Menschen, einschließlich des Wissens über Gott und die Religion.

Warum dieses Prinzip auf für Gott gilt, ist leicht ersichtlich:

Wenn es schon wichtig ist, Zahlen auf einer Bank und Käferarten richtig zu definieren, um wieviel wichtiger ist es, GOTT recht zu erkennen. Wenn auch der Begriff „Gott“ nicht direkt eingesehen werden kann, so ist er doch das größte, was der menschliche Verstand ansatzweise zu begreifen im Stande ist.

Zugleich ist der Begriff Gottes auch der wichtigste, denn die Zielsetzung des ganzen Lebens hängt davon ab. Somit kommen hier noch zwei Sätze hinzu:

Satz 3: Die richtige Auffassung von Gott ist die wichtigste Erkenntnis im Leben eines Menschen. Oder wie es Davilà meisterhaft formuliert: „Außer Gott gibt es nichts, worüber klugerweise ernsthaft gesprochen werden muss.“

Satz 4: Wer keine richtige Auffassung von Gott hat, verehrt Gott überhaupt nicht, weil das, was er für Gott hält, gar nicht Gott ist.

Der vierte Einwand ist ein logischer Irrtum aus einem falsch verstandenen Toleranzbegriff. Tolerieren wird hier verwechselt mit „gleichmachen“. Daraus resultiert der folgende unlogische Einwand:

4. Einwand: Es ist intolerant zu behaupten, dass nur meine Religion wahr ist.

Dieser Einwand ist sehr verbreitet. Eine andere Formulierung lautet: „Das ist meine feste Überzeugung, und wenn du dich dagegenstellst, bist du intolerant!“

Das ist ebenfalls ein Widerspruch in sich, der sich aber sehr leicht auflösen lässt.

Tolerant sein heißt, dass sich zwei Menschen, die unterschiedlicher Ansicht sind, gegenseitig achten und schätzen, ohne den anderen ob seiner Auffassung in irgendeiner Weise zu bedrängen.

Ein Beispiel von zwei Biologen soll diesen Sachverhalt verdeutlichen. Der eine Biologe geht davon aus, dass die Tierarten jeweils von Gott erschaffen sind. Der andere glaubt, es gebe einen Artensprung aus Zufall. Beide sind gut bekannt miteinander, gehen manchmal gemeinsam essen und debattieren über ihre Auffassung in aller Ruhe.

Jedem, der dieses Beispiel liest, springt die Toleranz sogleich ins Auge. Was die meisten jedoch übersehen ist eigentlich genau so wichtig: Der Widerspruch. Sie widersprechen sich in einem wichtigen Punkt ihres Berufes. Beide sind unterschiedlicher Ansicht und noch dazu von der Wahrheit ihres Systems (Erschaffung versus Evolutionismus) überzeugt.

Damit können wir den obigen Einwand auflösen: Der Gegensatz in den Ansichten ist keine Hindernis für Toleranz. Im Gegenteil: Er ist die Voraussetzung dafür!

Wenn beide Biologen die gleiche These vertreten würden, dann bräuchten sie sich gar nicht tolerieren! Das heißt es gilt folgender Satz:

Satz 5: Erst wenn zwei sich widersprechende Meinungen auftreten, wird Toleranz erst möglich.

Auf den Einwand Nr. 4 angewandt lautet demnach die Antwort: Gerade weil zwei Religionen aufeinandertreffen, die sich widersprechen, und jeder von seiner Wahrheit überzeugt ist, wird Toleranz möglich.

Also lautet die Antwort: Weil ich NICHT mit Dir einer Meinung bin, kann ich dich als Person und genauso deine Meinung tolerieren.

Intoleranz würde dann beginnen, wenn einer der beiden anfängt, sein Gegenüber zu bedrängen, ihn zu mobben, ihn zu verachten, ihm vielleicht sogar mit Gewalt zu drohen, ihn wegen seiner Religion zu benachteiligen.

Sollte man in der Diskussion an diese Stellen gelangen, dann kommt mit 99%tiger Sicherheit eine Schlagwortlüge aus der Kirchengeschichte. Sie lautet: „Ja, aber gerade die Kirche hat ihre Religion mit Gewalt ausgebreitet! Siehe die Kreuzzüge!“

Da die Schlagwortlügen in einem eigenen Kapitel entlarvt werden, soll hier nur so viel gesagt sein: Die Kreuzzüge sind der beste Beweis dafür, dass die Kirche die Gewalt in der Missionierung immer verboten hat. Denn es gab nur einen einzigen von der Kirche gutgeheißenen Kriegszug in ein Land der Ungläubigen, und der hatte nicht zum Ziel die Zwangsbekehrung, sondern die Befreiung der heiligen Stätten für die Pilger. Anlass war der größte Terroranschlag des Mittelalters, die Schändung der Grabeskirche.

Das Gegenteil ist richtig: Die Kirche hat Gewalt als Mittel der Missionierung stets abgelehnt. Das ist nicht erst seit dem II. Vatikanum so, wie uns dies viele aufgeklärte Religionslehrer eintrichtern möchten, sondern seit dem Hochmittelalter und dieses wiederum hat die Freiwilligkeit der Bekehrung übernommen aus der frühchristlichen Zeit, weil es beständige Lehre der katholischen Kirche war und ist.

So schreibt Thomas von Aquin in seiner Summa theologica im Hochmittelalter – in antikirchlicher Propaganda stets als vermeintlich „finstere Zeit“ bezeichnet – „Infideles nullo modo ad fidem compellendi sunt“ – „Ungläubige dürfen unter keinen Umständen zum Glauben gezwungen werden“. (Sth II-II, q10 a 8 c) Die Begründung ist denkbar einfach und wurde ebenfalls von einem katholischen Theologen ausgesprochen, allerdings bereits tausend Jahre vorher: „Credere non nisi volens“ – „Der Glaubensakt ist schlichtweg unmöglich, außer er ist freiwillig“ (Augustinus, In Io. tr. 26 super 6,44).

Ein Christ wird demnach versuchen, den Nächsten mit Liebe und guten Argumenten zu überzeugen, dass sein Weg ihn nicht ans Ziel führen kann. Das ist auch seine Pflicht, denn man darf dem anderen das höchste Gut, Gott, nicht vorenthalten.

Autor: Pater Andreas Steiner