Bekehren oder „bekehrt“ werden

Wir Priester leiden darunter, dass wir nicht alle Jugendlichen „durchbringen“. Was meine ich damit? Zahlreiche Jugendliche, die als Kinder den Katechismusunterricht oder sogar unsere Schulen besucht haben, geben mit 18, 20 Jahren die religiöse Praxis auf. Die Ursachen können verschieden sein. Das ist aber nicht das Thema dieses Artikels. Ich möchte vielmehr der Frage nachgehen: Wie können wir unseren Jugendlichen helfen, damit sie treu bleiben? Oder noch besser: Was können die Jugendlichen tun, damit sie diese wichtigen Jahre überstehen, ohne Federn zu lassen?

Abbé Georges Bellanger, ein französischer Priester, der von 1861 bis 1902 lebte, und dessen Seligsprechungsprozess im Gange ist, ging dieser Frage ebenfalls nach. Als Militärseelsorger bemerkte er, dass viele Soldaten glaubens- und sittenlos lebten. Dieses Umfeld war eine grosse Gefahr für jene Soldaten, die neu in die Kaserne kamen, ebenfalls den Glauben zu verlieren.

Abbé Bellanger lenkte die praktizierenden Soldaten zuerst zur Andacht zur allerseligsten Jungfrau Maria und ermunterte sie zum Rosenkranzgebet. Maria führte die jungen Männer zu ihrem Sohne Jesus, dem die Soldaten in den Sakramenten der Beichte und Kommunion begegneten.

 

Um die Soldaten zum Gebet zu motivieren, liess Abbé Bellanger sie für die Bekehrung ihrer Kameraden beten. Die Männer wollten nicht mehr nur treu bleiben, sondern auch die anderen bekehren. „Der Soldat muss ein Apostel sein, um treu zu bleiben“, sagte der Militärseelsorger. Die Armeeangehörigen setzten den Wunsch von Abbé Bellanger in die Tat um. So lautete die Devise eines Soldaten: „Wir säen Ave Marias und ernten Soldatenseelen.“ Besonders eindrucksvoll sind die Berichte der Männer, wenn sie Wache hielten. Der eine schrieb: „Seit ich meinen Rosenkranz liebe, sind die Stunden der Wache – im Gegensatz zu früher – die schönsten. In der einen Hand halte ich das Gewehr, in der anderen den Rosenkranz. Die Stunden gehen viel zu schnell vorbei.“ Ein anderer Soldat berichtet, wie er auf der Wache 24 Rosenkränze gebetet habe.

Das Gebetsapostolat der Soldaten zeigte grossartige Früchte. Man spricht von 350 Bekehrungen. 30 Männer machten in der Kaserne ihre Erstkommunion!

Die Grundsätze von Abbé Georges Bellanger besitzen auch heute noch ihre Geltung. Ich lege unseren Jugendlichen besonders zwei Dinge ans Herz:

  1. Übt euch möglichst früh, am besten noch während der Schulzeit, im inneren, persönlichen Gebet. In der heutigen bewegten und lärmenden Welt braucht der gläubige Mensch diese Innerlichkeit. Das Gebet ist etwas Persönliches, das Sprechen mit dem dreifaltigen Gott. Wer eine innige, tiefe Beziehung zu Jesus hat, wird kaum die religiöse Praxis aufgeben.
  2. Versucht, die anderen zu bekehren. Das ist das beste Mittel, selber treu zu bleiben. Bekehren oder „bekehrt“ werden, es gibt kaum einen Mittelweg. Wenn es euch nicht liegen sollte, andere mit Worten zu Jesus zu führen, so könnt Ihr doch mit eurem Gebet und eurem Beispiel viel bewirken. – Was gibt es Schöneres als Seelen für Gott zu gewinnen? Wenn wir den Wert einer einzigen Seele erfasst haben, können wir dann lau in den Tag hineinleben?

Vorwort aus dem Mitteilungsblatt Juli 2017