Briefe an die Jugend – Zehnter Stern der Krone Mariens

Sei ein Kind und kein Roboter!

Liebe Jugendliche!

„Wenn du nicht an Jesus Christus glaubst, wirst du von den Robotern entführt!“ Mit dieser deutlichen Aussage versuchte ein sehr kleines Mädchen seine beste Freundin, die Jüdin war, vom wahren Glauben zu überzeugen. Die kleine Jüdin hörte durch diese klare Aussage zum ersten Mal von Jesus und bekam bei dieser Gelegenheit ein kleines Kruzifix geschenkt. Für sie war diese Aussage und das Kruzifix der Beginn eines langen Prozesses, welcher im Jahre 2012, als sie 40 Jahre alt war, mit der Taufe endete.
Die knallharte Aufforderung des kleinen Mädchens mit dem Robotervergleich war bestimmt nicht ganz durchdacht, dennoch ist sie von prophetischem Charakter. Besonders heute kann man leicht erkennen, wie Menschen, die ihr Leben ohne Gott gestalten, zu Robotern werden. Was macht das Wesen eines Roboters aus? Zwei Merkmale scheinen besonders charakteristisch:

  • Erstens kennt ein Roboter keine Vergangenheit und keine Zukunft. Ihm ist es völlig egal, wann er zusammengebaut wurde, oder dass er in ein paar Jahren auf eine Müllhalde geworfen wird. Der Roboter kennt weder Hoffnung noch Ideale.
  • Zweitens führt ein Roboter sein Leben allein. Er kümmert sich nicht um den Arbeiter, der ihn ölen oder flicken wird. Ein Roboter ist das Modell eines vollkommenen Egoisten. Seine eigene kleine Welt genügt ihm vollends.

Leider haben sich viele unserer Zeitgenossen in Robotersklaven verwandelt. Es lassen sich heute viele Menschen von den Medien und ihrer eingehämmerten Botschaft täuschen:

Du bist schlichtweg ein Zufallsprodukt aus einer Atomansammlung, welche den Ursprung im „Nichts“ hat. Deine Zukunft ist das „Nichts“. Alles wird mit dem Tod beendet und nach deinem Sterben wird es nicht mehr weitergehen. Es zählt nur wie viel du in deinem kurzen Leben geniessen kannst. Profitiere also jetzt!

Die Konsumgesellschaft schafft viele Roboter: Menschen ohne Hoffnung und Anbeter des eigenen Bauchnabels. Ja, das kleine Mädchen aus unserer Geschichte hatte recht: Wenn Gott keinen Platz im Leben hat, wird man zu einem Robotersklaven: Ohne Vergangenheit, ohne Zukunft und mit dem Lebensideal „Friede, Freude, Eierkuchen“.
Glauben wir nicht, dass diese Gefahr uns nicht betrifft! Befindet man sich nicht ständig in einem Wirbel, der sich nur auf einen irdischen Horizont beschränkt? Wie schnell lassen wir uns von Sorgen, Bildschirmen, Blicken der anderen auffressen! Das grosse Problem ist, dass man in diesem Trubel rasch den Himmel aus den Augen verliert. Die Stille des Gebets erscheint unerträglich, die Innerlichkeit überflüssig, die Bildung eines festen Glaubens durch Bücher und Vorträge uninteressant. Selbst unter unseren Jugendlichen ist es nicht eine Seltenheit, halbe Roboter anzutreffen, welche vom Strudel aus Sorgen, Arbeit, zerstreuenden Freizeitangeboten verschlungen werden. Dies passiert, wenn wir den liebenden Blick des himmlischen Vaters nicht mehr anerkennen und die Beziehung zu Gott nicht leben. So kommt es, dass man zu einem Waisenkind jenseits von Gott wird und somit die Rolle eines selbstsüchtigen Robotersklaven übernommen hat.

In diesem Brief geht es nicht darum, diese liebende Vaterschaft Gottes zu erläutern, dies wird dann das Ziel im nächsten Jahr sein. Vielmehr wollen wir nun vertiefen, wie Maria uns in Fatima half, die Bedeutung unserer Berufung als Kind Gottes zu erkennen und nach dieser zu leben. In Fatima erinnerte uns unsere Mutter Maria an den Satz des heiligen Paulus: „Daher bist du also nicht mehr Sklave, sondern Sohn; bist du aber Sohn, dann auch Erbe, Erbe durch Gott.“ Durch die Anerkennung Gottes als Vater entkommt man der „Roboterisierung“ und erreicht dadurch die wahre „Freiheit der Kinder Gottes“ (Röm 8, 21). Wenn wir Maria als unsere Mutter anerkennen, nehmen wir Gott auch als unseren Vater an. Diese Aussage untermauert auch der heilige Ludwig Maria: „Wer Maria nicht zur Mutter hat, kann auch Gott nicht zum Vater haben.“
Auch drei Merkmale aus der Botschaft von Fatima verdeutlichen diesen Gedanken: Erstens gibt Maria uns den Sinn für Gott wieder, sie lehrt uns zweitens das grosse Hilfsmittel des Gebets und zuletzt erweckt sie in uns das Bedürfnis nach Bekehrung.

  1. In einer Radio-Botschaft aus dem Jahre 1946 verurteilte Papst Pius XII. als Hauptquelle des heutigen Übels die Tatsache, dass Gott keinen Platz im menschlichen Leben findet. Millionen von Menschen leben aufgrund ihrer vielen irdischen Beschäftigungen total absorbiert. Die politischen Mächte verbannen Gott mehr und mehr aus der Gesellschaft durch lästerliche Gesetze. Die Rede des Papstes schloss mit dem Hinweis auf das einzige Heilmittel:
    „Die Menschen müssen dazu angeleitet werden, dass sie von der Tatsache der Existenz Gottes, von ihrer totalen Abhängigkeit gegenüber seiner Allmacht, seiner Liebe, seiner Barmherzigkeit unterrichtet sind und dass sie verpflichtet sind, ihr Leben nach seinem Willen zu gestalten.“
    Auch für den Triumph dieser Wahrheit ist Maria in Fatima erschienen. „Am Ende der ersten Erscheinung“, so beschreibt Luzia, „öffnete Maria ihre Hände, aus diesen ging ein solch starkes Licht hervor, dass es bis in unsere innerste Seele drang und wir uns selbst in Gott, der dieses Licht war, schauen konnten. Durch eine innere Anregung, die uns ebenfalls mitgeteilt wurde, fielen wir nun auf die Knie und beteten Gott an.“
    Maria unterwies die Kinder in einer wahren Beziehung zu Gott. Nach diesem Moment wurden die Kinder vom Bewusstsein erfüllt, dass sie von dem Blick eines mächtigen und liebenden Wesens umsorgt sind: Gott dem Vater. Sie verstanden nun mehr, dass sie nicht als Waisenkinder geboren waren.
    Die Kinder von Fatima haben diese Beziehung zu Gott immer intensiver ausgebaut. Jacinta beschreibt dies wie folgt: „Ich liebe es so sehr, dem Heiland zu sagen, dass ich ihn liebe. Wenn ich es ihm oft sage, scheint es mir, als ob ich eine brennende Flamme im Herzen trage, aber eine Flamme, die nicht brennt.“ Bitten wir unsere Mutter, dass sie uns den Glanz ihres Lichtes verleihen möge, damit wir die Bedeutung für Gott wieder erkennen, d.h. die Bewusstseinsbildung der Existenz Gottes, seiner Exzellenz, seiner Rechte und die für uns daraus entstehenden Pflichten der Anbetung, der Unterwerfung, des Respekts und der Hingabe. So entkommt man der “Roboterisierung“.
  2. Mitten im ersten Weltkrieg, in einer Zeit in der die Menschen nach militärischen, politischen und wirtschaftlichen Lösungen suchten, um diesem Krieg ein Ende zu setzen, gab Maria eine einfache aber wirksame Lösung vor: „Betet täglich den Rosenkranz, um den Frieden der Welt und das Ende des Krieges zu erlangen!“ Maria zeigte dadurch die Bedeutsamkeit der Innerlichkeit auf, indem sie uns zur Betrachtung der Geheimnisse des Rosenkranzes und zum würdigen Empfang der Kommunion […] aufgerufen hat. Genau in diesem Sinne garantiert uns Maria in Fatima mit dem Rosenkranzgebet, der viertelstündigen Betrachtung der Geheimnisse und den wiederholten Anrufen zu den beiden Herzen Jesu und Mariä grosse Versprechen. Maria lädt uns alle ein, das grosse Mittel des Gebetes, besonders des Rosenkranzes, anzuwenden. In Fatima wurde dem Gebet eine weitere Wirksamkeit zuteil: der Friede der Menschen untereinander und die Erfüllung der Menschen in der wahren Beziehung mit Gott.
    Nur wer ein wahres und ernstes innerliches Leben unterhält, ist stark genug, um der Versuchung des Geizes, dem Reiz des Materialismus und Sensualismus zu widerstehen. Die innere Vereinigung mit Gott gibt uns den nötigen Halt, um nicht zum Spielball der heutigen Gesellschaft zu werden. Nur durch eine aktive Beziehung mit Gott können wir der “Roboterisierung“, der modernen Sklaverei in einer hoffnungslosen Welt, entkommen.
  3. In der bereits erwähnten Radio-Botschaft sagte Papst Pius XII. weiter: „Vielleicht ist die grösste Sünde der heutigen Welt die Tatsache, dass die Menschen den Sinn für die Sünde verloren haben.“ Heute wird die Sünde oft als eine Forderung der menschlichen Natur angesehen. Maria teilt diese Sichtweise keineswegs, denn die Sünde hat keinen Anteil an Maria. Gott bewahrte sie von allen Makeln rein. Auf jegliche Spur Satans reagiert Maria unwiderruflich bis sie das Böse vernichtet hat. Sie erkennt die Sünde in ihrem ganzen Ausmass: eine Entfernung, eine Trennung von Gott. Gerade unsere Fehler lassen uns Gott vergessen und unser eigenes Wohl seinem Wohl vorziehen. Durch diese Haltung wird man immer mehr zu einem egoistischen Roboter.
    Entgegen dieser Lebensweise rief Maria zur aufrichtigen Reue, zur Beichte und Umkehr auf. Maria will, dass wir die Sünde als eine Beleidigung der Vollkommenheit Gottes einordnen. Maria ist von der Ehre Gottes und seiner Würde durchdrungen. So zeigt sie uns die Dringlichkeit einer Beziehung mit Gott auf, indem sie uns die Auswirkungen der Sünde verstehen lässt.

Dies sind die drei vergessenen Wahrheiten von Fatima. Sie zeigen uns die Fürsorge Mariens und ihre mütterliche Liebe für alle Menschen auf. Genau wie am Kreuz spricht Gott in Fatima zu uns: „Siehe da deine Mutter“. Setzen wir diese drei Wahrheiten in unserem Leben um: Sie helfen dir die Rolle des Roboters zu überwinden und ein echtes Kind Gottes zu werden.
Genau diese Erfahrung machte auch die Jüdin aus unserer Anfangsgeschichte. Erst nachdem sie Gott als ihren Vater anerkannte, realisierte sie ihre frühere innere Haltung, welche einem Waisenkind glich, das auf der Suche nach Liebe und Zuneigung war. Die Möglichkeit dieses Bedürfnis in der Welt zu stillen, ist schlichtweg unmöglich. Diese Aussage bestätigt sich auch in dem Bericht der Jüdin nach der heiligen Taufe: „Meine Weltanschauung hat sich tief verändert. Ich bin nicht mehr allein. Ich habe die Sicherheit bedingungslos geliebt zu sein.“
Mögen wir alle durch die Fürsprache Mariä diese Wahrheit erkennen. Die Liebe Frau von Fatima möge uns als Mutter aller verlassenen Waisenkinder beistehen, damit wir unsere „verwaiste Roboterhaltung“ überwinden und uns höheren Idealen zuwenden können.

Mit meinem priesterlichen Segensgruss

 

Stossgebet:

  • Maria, du weisst wie oft ich meine Berufung vergesse, hilf mir als treuer Sohn und Erbe Gottes zu leben.

Vorsatz des Monates:

  • Ich will alle meine Kommunionen besonders als Sühne für die armen Sünder aufopfern.

Lesetipp:

  • Kapitel 2, 7 und 30 aus dem Buch: “Aufruf der Botschaft von Fatima“ von Schwester Luzia.