Gruppenbrief der KJB-Wil im Januar

Gedanken-zum-Glueckfinsteres mittelalter

wie finster war doch das mittelalter
als man sich zwar noch verspekulierte über das „wie?“ der schöpfung
aber um das „woher?“ und „warum?“ wusste

wie finster war doch das mittelalter
als man zwar sagte die erde sei eine scheibe
aber damit sorgsamer umging als wir mit unserer kugel

wie finster war doch das mittelalter
als man zwar im religiösen eifer kriege führte
aber sich noch seiner religiösen identität bewusst war

wie finster war doch das mittelalter
als man sich zwar selbst geisselte und schlug
aber noch ein gefühl für sünde hatte

wie finster war doch das mittelalter
als der vater zwar das absolute oberhaupt war
aber kinder noch geschenke Gottes

wie finster war das mittelalter
als es zwar eine dunkelziffer an abtreibungen gab
aber keine staatlich legitimierte

wie hell ist dagegen das heute
wenn wir uns von physikern und biologen den sinn des lebens erklären lassen
wenn wir zum skifahren nach dubai fliegen
wenn wir kriege anzetteln wegen ein bisschen erdöl
wenn wir anwälte brauchen die uns die strafe weglügen
wenn wir mehrere stiefväter aber wenige kinder haben
wenn wir menschen im reagenzglas zeugen und babys in die mülltonne werfen

wie gut dass wir längst drüber weg sind
über das mittelalter
das finstere.

(von Rudolf Gehrig)

Rudolf Gehrig ist ein junger, motivierter und praktizierender Katholik und hat mit 18 Jahren dieses Gedicht geschrieben. Der Inhalt dieses Gedichtes ist sehr tiefgreifend und stimmt traurig, auch wenn man zwischendurch ein Schmunzeln nicht verkneifen kann. O finstere, o sehr finstere postmoderne Zeit in der wir leben, wann wirst Du das Licht, das in Bethlehem aufgegangen ist, wieder finden?

Mit dem Gedicht möchte ich eine leichte Lektüre in diesem ersten Gruppenbrief des neuen Jahres geben und zugleich aufrufen, gegen den Strom zu schwimmen. Die gottfremden Menschen benützen so viele Schlagwörter und Begriffe, die total inhaltslos und oft unglaublich oberflächlich, wenn nicht gar dumm sind. Dieser Dummheit darf man gerne auch ein ebenso klingendes Schlagwort entgegenschleudern. Wenn wir homophobe, diskriminierende, weltfremde, verstockte und ultrakonservative Katholiken sind, warum sind dann die anderen nicht kathophobe, bibelfeindliche, diskriminierende und minderheitsverachtende Identitätslose? Wenn wir unbarmherzige, unverständige und harte Abtreibungsgegner sind, warum sind dann die anderen nicht grausame, egoistische und oberflächliche Abtreibungsbefürworter? Wenn wir prüde, verklemmte und engstirnige Enthaltsame sind, warum sind die anderen dann nicht sexistische, triebgesteuerte und eigennützige Flittchen?

Wenn wir seit der Aufklärung endlich den grossen Zwang der Kirche überwunden und nun selbstdenkende Wesen sind, warum gab es dann zwei Weltkriege mit Millionen von Todesopfern? Wenn die Sklaverei ein himmelschreiendes Übel war, dass die Kirche angeblich zugelassen hat, warum gibt es dann heute immer noch so viel Menschenhandel? Wenn früher so viele unterdrückt wurden und die Kirche angeblich weggeschaut hat, warum ist dann heute die Christenverfolgung grösser denn je? Wenn früher die bösen christlichen Herrscher mit den Kolonien die Völker ausgebeutet haben, warum gibt es dann heute so viele Flüchtlinge, die kein Hab und Gut haben? Wenn früher angeblich so viele diktatorische Machthaber den Untertanen den Glauben aufgezwungen haben, warum werden dann heute die Länder von Brüssel aus durch Gesetz und Bildungsrichtlinien „zwangsgegendert“ und zwangssexualisiert?

Nun will ich aufhören, denn ich glaube, dass Ihr meine Nachricht verstanden habt. Lasst Euch nicht gleich von Schlagworten einschüchtern und entgegnet mutig. Auch wenn Euch die Knie zittern und das Herz rast, wenn Ihr vor Nervosität oder Angst fast nicht mehr sprechen könnt, vertraut auf den Herrn und tut das Gute!

In diesem Sinne wünsche ich Euch Gottes reichsten Segen im neuen Jahr

Manuel