Ein Hilfseinsatz im Irak

Der folgende Text wurde uns von Ora Duffley, einer in Australien lebenden Irin, zugesandt. Ora Duffley reiste nach Erbil im Nordirak, um dort als freiwillige Helferin die Organisation  ‚SOS Chrétien d‘Orient‘ zu unterstützen. Die Organisation hilft den vertriebenen Christen, in ihre Heimatstädte zurückzukehren und dort wieder ein geregeltes Leben aufzubauen.
Gerade weil ich Katholik bin und diese leidenden Menschen meine Brüder und Schwestern in Christus sind, habe ich beschlossen, etwas für sie zu tun. Als der IS am 6. August 2014 ihre Städte und Dörfer überrannte, organisierte ich eine Novene an meiner Schule, an der jedes einzelne Kind teilnahm.
Nach unserer Novene begannen wir einen Rosenkranzkreuzzug. An Weihnachten schrieben wir  
Karten und Briefe und mithilfe eines Projekts, das ich gemeinsam mit ‚Hilfe für die Kirche in Not‘ begann, ließen wir unsere Karten den Flüchtlingskindern in Erbil zukommen.
Ich hatte ehrlicherweise vor diesem Zeitpunkt noch nie von Erbil gehört. Im Jahr 2015 lebten diese Familien immer noch im Exil und sie sollten wissen, dass wir immer noch für sie beteten und immer noch an sie dachten. So nähte jedes Kind an meiner Schule liebevoll ein Herz, die wir zu einer riesigen Fahne der Liebe für die Kinder aus dem Irak zusammen
fügten. Wir nannten unser Projekt ‚Liebe zur Kirche in Not‘. Sie antworteten uns darauf mit einem Video-Song, schickten ihre Liebe zurück.
Die Kinder in meiner Schule hatten nie etwas vom Irak gehört oder ein Wort Arabisch und hatten keine Ahnung, dass es in diesem Teil der Welt Christen gab. Gemeinsam lernten wir ihre Geschichte kennen. 
Während wir hier in Australien unseren kleinen Teil erfüllten, wurden junge französische Katholiken aktiv.
Zu Beginn des Krieges in Syrien kam 2013 eine Gruppe katholischer Freunde zusammen, um Syrien zu helfen. Sie sahen die Notwendigkeit, und sie zogen selbstlos und mutig los. Sie gingen mit Gott in eine Kriegszone, um Weihnachten mit den Christen von Syrien zu verbringen. Die einzigen Menschen, die zu dieser Zeit nach Syrien reisten, waren eine handvoll Journalisten und IS-Rekruten. Aber inspiriert von ihrem Glauben, reiste auch diese Freundesgruppe nach Maaloola, in ein Dorf, in dem Aramäisch, Jesus eigene Sprache, noch gesprochen wird. Kirchen wurden niedergebrannt, Christen wurden massakriert, ins Exil getrieben und verloren alles. Diese kleine Freundesgruppe organisierte den ersten humanitären Hilfskonvoi, vier Tonnen Spielzeug, Decken, Lebensmittel und reisten selbst nach Syrien.
Das war der Beginn von ‚SOS Chrétien d’Orient‘. Die jungen Katholiken haben diese Verbrechen gegen Christen bezeugt. Sie vertrauten auf Gott und haben Maßnahmen ergriffen. Seit dem Beginn vor vier Jahren hat SOS ständig Missionen in fünf Ländern im Nahen Osten, im Irak, in Syrien, im Libanon, in Jordanien und in Ägypten eingerichtet.
Es war ein Treffen von Köpfen und Herzen, eine wunderbare Mission des christlichen Glaubens, der Solidarität, der brüderliche Liebe und der humanitären Hilfe. Wie konnte ich der Mission nicht beitreten?
Also bin ich in diesem Jahr in den Irak geflogen. Mein Ziel: Erbil!
Der erste ‚Australier‘ in der Gruppe. Gottes Vorsehung ist kein Zufall. Sie erfüllte mich mit Erstaunen. Ich nahm 120 Osterkarten mit, die von den Kindern meiner Schule gebastelt wurden.
Ich vermag nicht auszudrücken, welchen Glauben man in diesem durch Krieg und Verfolgung verwüsteten Land, in der Wiege der Christenheit, finden kann. Die irakischen Christen werden für immer einen Platz in meinem Herzen haben, sie sind das Licht des Mittleren Ostens. Sie sind unsere Familie und wir sind ihre. Ihr Glaube hat meinen Glauben wiederbelebt. Es gibt trotz der Verfolgung und des Leidens keine Atheisten in Irak.
SOS arbeitet, um die Identität und das Erbe der Christen im Mittleren Osten zu beschützen und ihnen eine Chance zu geben, in den Ländern ihrer Vorfahren weiterzuleben.  Wir bauen ihre Kirchen wieder auf; wir bewahren ihre Jugend vor Gewalt und Krieg und helfen ihnen, ihre Zukunft zu sichern, indem wir Grundlegendes tun, wie sie zu ernähren oder ihnen medizinische Versorgung zu gewährleisten. Wir verbringen viel Zeit damit, mit den Kindern zu spielen, ihnen moralische Unterstützung anzubieten, was ihnen hilft zu überleben und ihre Würde zu bewahren. Die Iraker sagten mir, dass Zeit und einfach nur die Tatsache, dass wir dort seien, ihnen Hoffnung bringe, nicht vergessen zu sein und dass sie katholische Brüder und Schwester auf der ganzen Welt haben, die ihnen beistehen.
Ich stand in ihren zerbombten Kirchen, ich hielt ihre Hände und weinte und betete mit ihnen. Durch das gemeinsames Band unseres Glaubens gaben wir uns gegenseitig Kraft.

Während meiner Zeit im Irak hörte ich wiederholt: „Erzähl Australien unsere Geschichte, bitte die Leute für uns zu beten!” Eine Nonne beschrieb, wie ihnen ein Telefonanruf in ihrem Kloster in Qaraqosch um elf Uhr abends mitteilte, dass die ISIS kommen würde. Sie mussten das Kloster um Mitternacht verlassen und dachten, es sei nur für einige Nächte. Sie sagten uns: „Wir ahnten nicht, dass wir für weitere zwei Jahre nicht zurückkommen würden!” Weiter erzählte sie: „Die Kirche ist wie eine Mutter für uns; die Welt muss wissen, was ISIS uns angetan hat.” Wieder einmal ist es der Glaube dieser wunderbaren, tapferen, mutigen und belastbaren Leute, der meinen Glauben gestärkt hat. Durch das heroische Beispiel von Tapferkeit können wir im Westen inspiriert werden. Und während wir für sie beten, beten sie für uns. Das ist die katholische Kirche!
Und während wir helfen, Leben und Hoffnung zurück in diese christlichen Dörfer zu bringen, erneuert und belebt uns die dortige Erfahrung. Der junge chaldäische Priester, Pater Salar of Alqosh sagte über unsere freiwilligen Helfer: „Diese jungen Leute vom SOS geben uns ein gutes Beispiel, wie wir uns gegenseitig in Krisenzeiten helfen können.” Und seine Leute geben uns ebenfalls ein großartiges Beispiel.
Ich bin erneuert; ich bin von den Leuten, die ich getroffen habe, inspiriert. Dort gibt es so viel Leid und Ungerechtigkeit, aber es gibt auch viel Gutes, Hoffnung und Glauben. Gewöhnliche Leute tun wundervolle Dinge für Gott, für die Kirche, für die Wahrheit und es ist ein großartige Sache, Teil davon zu sein. Du kannst auch dazugehören. Welche Rolle willst du bei der Erneuerung der Kirche spielen? Die Kirche muss erneuert und gestärkt werden, wer wird das tun? Wer, wenn nicht du? Das ist deine Mission und das ist großartig.
Ich habe gelernt, dass Gott uns kontinuierlich herausfordert. Er möchte sehen, aus welchem Holz wir geschnitzt sind. Vertrauen wir ihm wirklich? Wir sollten keine Angst haben. Katharina von Siena sagt: „Sei, wer Gott möchte, dass du bist und du wirst die Welt entflammen” und ich habe so viele einfache Leute getroffen, die die Welt entflammt haben. Egal wie gewöhnlich wir alle sein mögen, Gott hat uns gemacht, um eine Veränderung zu erreichen. Er hat uns für ein Leben voller guter Taten geschaffen und diese guten Taten sind unser Dienst für die Welt.
Also, wofür verwenden wir unsere Talente? Verwenden wir sie, um der Kirche zu nützen? Dieses Werk der Wiederherstellung kann nicht einfach unseren Priestern und Bischöfen überlassen werden. Es liegt an jedem von uns, an dieser Arbeit teilzunehmen. WIR sind die Kirche!
Die Worte von Papst Benedikt inspirieren mich: „Liebe Jugendliche, die Kirche hängt von Euch ab! Sie braucht euren lebendigen Glauben, eure kreative Nächstenliebe und die Energie eurer Hoffnung. Eure Gegenwart erneuert, verjüngt und schenkt der Kirche neue Kraft.”
Geht mit Gott! Seine Vorsehung umfasst alle Ereignisse eures Lebens und er hat alles geplant! Die Leute, die wir treffen, die Orte, die wir bereisen, die Arbeit, die wir tun: alles war von Ewigkeit her Teil seiner Gedanken. Was führte mich nach Indien, nach Irak… nach Syrien? Ohne Zweifel war es Gottes Fügung und ich bin für die unglaubliche Reise, auf die er mich geschickt hat, so dankbar. Als freiwilliger Helfer denkst du zu Beginn, dass du das Leben armer Leute, denen du hilfst, verändern wirst, aber dann stellst du fest, dass sie dich verändern. 
Heutzutage Katholik zu sein, bedeutet, was es immer schon bedeutet hat: Morgengebet verrichten, zur Hl. Messe gehen, Gott und seine Engel und Heiligen lieben, sein Gewissen erforschen, seine Sünden beichten, für die armen Seelen beten und unsere Seele auf unseren Herrn vorbereiten und ihm eine akzeptable Rechenschaft über unseren Aufenthalt auf Erden abzulegen.
Keiner von uns weiß genau, wohin die Reise führt, aber ich weiß, dass wir sogar in unserer Einfachheit zur Heiligkeit berufen sind. Und diese besteht darin, dass unsere Herzen im Einklang mit dem heiligsten Herzen Jesu schlagen. Und in der Liebe, der Liebe des Gebens, so wie auch Jesus gab und in der Fähigkeit, ihn in allen Dingen zu sehen, finden wir Perfektion und Erneuerung.
Ich möchte mit einem Zitat der hl. Theresia enden:  „Heiligkeit besteht einfach darin Gottes Willen zu erfüllen und einfach zu sein, wie Gott uns haben möchte.”
Er möchte, dass wir seine Instrumente sind, dass wir seiner Fügung folgen und unsere Talente einsetzen, um nicht nur unseren eigenen, sondern auch den Glauben der Kirche um uns herum, zu erneuern.
Übersetzung: DGW-Redaktion