Briefe an die Jugend – Elfter Stern der Krone Mariens

Sonne und Mond ausknipsen!

Liebe Jugendliche!

Marc O’Neill dreht sich gemütlich auf seinem Bürostuhl. Schon 18 Jahre lang leitet er den gigantischen Ölkonzern Woodside Petroleum und freut sich über die laufend steigenden Aktien. Von seinem Büro aus hat er einen bezaubernden Ausblick auf die Großstadt, in der das Unternehmen seinen Hauptsitz hat. Doch an dieses atemberaubende Feeling hat er sich schon gewöhnt. Sein Arbeitsplatz liegt ja schon seit 18 Jahren im 265. Stockwerk des High-Towers. Für einen Moment gehen seine Gedanken zu seiner lieben Frau nach Hause. Diese mag schon sehnsüchtig auf ihn warten. Letzte Woche hatten sie sich einen neuen Swimmingpool gegönnt. Mit einer Länge von 25 Meter war er auch nicht billig gewesen. Aber schließlich musste man das Geld ja investieren, bevor es auf der Bank das Opfer von irgendwelchen Abgaben würde. Das Geld soll ja nicht ruhen! Da kam Marc der unangenehme Gedanke, dass er heute ja noch einen Arzttermin hatte. Verdacht auf Krebs ergaben die letzten Untersuchungen. Oh, bitte nicht! Ging es ihm durch den Kopf. Aber wo waren da die Gedanken. Zurück zum Geschäft. Da gab es noch so viele Dinge zu erledigen und es war noch nicht an Feierabend zu denken.

Zwei Monate später: Es ist ein warmer Spätsommerabend, als Beatrice O’Neill ihren Mann in der Krebsklinik besucht. Wie hatte sich das Leben der beiden verändert. Vorher noch glücklich und von des Lebens Freuden erfüllt, kämpft ihr Mann nun ums bittere Überleben. Untersuchungen und verschiedene Anwendungen sind an der Tagesordnung. Das Atmen wird ihm immer schmerzhafter. Der Lungenkrebs lässt nicht auf sich warten. Geradezu rasend breitet er sich aus. Mit dieser Stimmung empfängt Marc seine Frau. „Was bringen mir die Millionen?“ seufzt er verächtlich, als sie eintritt. „Ach Liebling, denk doch nicht so negativ! Es wird alles gut! Du bist in guten Händen!“ versucht sie ihn zu trösten. In ihrem Inneren glaubt sie aber selber nicht an eine Besserung. Die Ärzte haben ihr das Schlimmste angedeutet. Metastasen im höchsten Grad. Es ist nur noch eine Frage der Zeit!

Ein Leben ohne Grenzen und Leid?

Ist es möglich hier auf Erden an ein Leben ohne Grenzen und ohne Leid zu denken? Hat Christus uns das Paradies nicht für die Ewigkeit versprochen? Diese fiktive Geschichte zeigt uns, wie es so oft im Leben ausgeht. Der Mensch hängt sich an Reichtum, Macht und Lebensglück und wird schlussendlich doch eines Tages von der Wirklichkeit des vergänglichen Lebens eingeholt. Die Vergänglichkeit ist aus unserem Leben nicht wegzudenken. Es ist eine Strafe der Erbsünde, denn so sprach Gott nach dem Sündenfall zu Adam: „Staub bist Du und zu Staub wirst Du zurückkehren!“ Der hl. Thomas von Aquin erklärt uns, dass alle irdischen Dinge begrenzt und vergänglich sind und daher den Menschen niemals ewig glücklich machen können. So kommt es, dass selbst der reichste Mann der Welt wegen seines Reichtums nicht wahrhaft glücklich werden kann. Er gewöhnt sich an sein Geld und schon bald ist es ihm zu wenig. Er will mehr und mehr! Warum? Weil ihm sein Kapital schon wieder zu wenig erscheint. „Zu wenig“ ist gerade ein Zeichen von Begrenztheit. „Zu wenig“ heißt, es reicht nicht aus!

Die Vergänglichkeit verbirgt sich sogar in unserer Gesundheit. Wie schnell kann sie abnehmen. Wir nennen dies Krankheit, ebenfalls eine Folge der Erbsünde. So werden viele Menschen von Krankheiten heimgesucht. Sie müssen bitteres Leid erfahren und spüren so die Realität der Vergänglichkeit an ihrem eigenen Leib. Vorher waren sie noch gesund und sportlich, haben die schönsten Ausflüge und Events erleben können und nun sind sie ans Krankenlager gebunden. „Gebunden“ ist wiederum ein Ausdruck der Begrenztheit. Nicht nur meine Umwelt ist begrenzt, sondern ich selber bin begrenzt!

Wenn Sonne und Mond nicht mehr leuchten müssen

Auf Erden brauchen wir das ewige Glück also nicht zu suchen. Und wenn wir es dennoch tun, so werden wir eines Tages feststellen, dass wir es nicht finden können. Vielmehr erwartet uns in der Ewigkeit ein unauslöschliches Glück, von dem der hl. Paulus gesprochen hat: „Kein Auge hat es geschaut, kein Ohr gehört und in keines Menschenherz ist es je gedrungen, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.“ Diese Realität nennen wir den Himmel. Die Freude der Gerechten! Es ist im Gegensatz zu den irdischen Freuden eine nie aufhörende, immer beseligende Freude. Eine Freude ohne Grenzen, ohne den leichtesten Schatten. Es ist eben eine Freude, die wir uns nicht vorstellen können. Kein Auge hat es je gesehen! In keines Menschen Herz ist es je gedrungen.

Wir sind Menschen mit Phantasie und deshalb wollen wir uns die Dinge vorstellen. So ist es auch in Bezug auf den Himmel. Selbst wenn wir wissen, dass noch nie ein Sterblicher die Glückseligkeit des Himmels geschaut hat, so sind wir doch daran interessiert, irgendwie davon zu erfahren. Tatsächlich gibt es in der hl. Schrift Stellen, wo uns von der himmlischen Glückseligkeit berichtet wird. Zum Beispiel im vorletzten Buch der geheimen Offenbarung des hl. Johannes. Dort lesen wir: „Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde. Denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die Heilige Stadt, das neue Jerusalem, aus dem Himmel von Gott herabkommen, bereitet wie eine Braut, die für ihren Bräutigam geschmückt ist.“ Der hl. Johannes sieht das himmlische Jerusalem, die Kirche, die für ihren Bräutigam Christus geschmückt ist. Er beschreibt dabei die Schönheit dieser Stadt: „Die Mauer war aus Jaspis erbaut und die Stadt aus reinem Gold, gleich reinem Glas. Die Grundsteine der Stadtmauer waren mit allerlei Edelsteinen geschmückt. Der erste Grundstein war ein Jaspis, der zweite ein Saphir, der dritte ein Chalzedon, der vierte ein Smaragd, der fünfte ein Sardonyx, der sechste ein Karneol, der siebte ein Chrysolith, der achte ein Beryll, der neunte ein Topas, der zehnte ein Chrysopras, der elfte ein Hyazinth, der zwölfte ein Amethyst. Die zwölf Tore waren zwölf Perlen, jedes einzelne Tor war aus einer Perle. Die Straße der Stadt war reines Gold, wie durchsichtiges Glas. Einen Tempel sah ich nicht in ihr; denn der Herr, Gott, der Allmächtige, ist ihr Tempel, und das Lamm.“ Dank dieser Bilder können wir uns die Herrlichkeit des Himmels ein wenig vorstellen. Es ist ein Glanz und eine Schönheit ohnegleichen. Die Straßen aus reinem Gold und doch so licht, dass sie wie reines Glas erscheinen. Und es heißt weiter: „Die Stadt bedarf nicht der Sonne und nicht des Mondes, damit sie ihr scheinen; denn die Herrlichkeit Gottes erhellt sie, und ihre Lampe ist das Lamm. Die Völker werden wandeln in ihrem Licht, und die Könige der Erde werden ihre Herrlichkeit in sie hineinbringen.“ Die Sonne und der Mond werden nicht mehr scheinen. Denn der Glanz und das Licht des himmlischen Jerusalems ist das Lamm! Christus wird als der verklärte Sieger leuchten wie die Sonne. Erinnert uns das nicht an die Verklärungsszene auf dem Berge Tabor? Sein Gewand war weiß wie der Schnee und sein Gesicht leuchtete wie die Sonne. Von diesem Licht werden auch wir durchdrungen und ergriffen werden!

Maria im Lichte Gottes – die Freude der Gerechten

In diesem Glanz wird auch die Frau erscheinen, mit zwölf Sternen bekränzt. Sie, die allzeit makellose Jungfrau, das Kunstwerk Gottes, die Arche des neuen Bundes. Der Wille Mariens war stets auf den Willen Gottes ausgerichtet. So gibt es in Maria kein Egoismus, keine Selbstsucht und keinen Weltgeist. Gott hat in ihr vollkommen Platz gefunden. Sie ist durchdrungen vom Lichte Gottes. Sie ist wie ein leuchtendes Prisma, das die Strahlen ohne Rückhalt weiterleitet. Sie ist die vollkommenste Braut des Lammes, unser großes Vorbild. Wir feiern Idole! Das wird im Himmel mit Maria geschehen. Sie wird neben Gott die große Freude unserer Seligkeit sein. Ihre Tugenden werden uns in Staunen versetzen. Ihre Reinheit und Heiligkeit werden glänzen wie schönster Kristall im Licht des Lammes.

Liebe Jugendliche! Auf diese Weise könnt ihr Euch bereits eine kleine Vorstellung von den Freuden des Himmels machen. Lassen wir uns nicht vom Welt-Pessimismus anstecken. Wie aussichtslos ist das Leben, wenn es nur auf das Diesseits gerichtet ist. Ganz im Gegenteil können wir uns auf die unaussprechlichen Freuden des Himmels vorbereiten. Wir können die Leiden dieser Zeit als reinigendes Feuer betrachten, um Christus der Sonne der Ewigkeit ein wenig ähnlich zu werden! Von seinem Licht werden wir durchdrungen werden, sodass kein Schatten irgendeiner Begrenzung unsere Ewigkeit trüben würde.
In diesem Sinne wünsche ich euch eine große Vorfreude des Himmels! Mit priesterlichem Segensgruß, euer

 

Stossgebet:

O Mutter der Gnade, der Christen Hort! /
Du Zuflucht der Sünder, des Heiles Pfort’! /
Du Hoffnung der Erde, des Himmels Zier! /
Du Trost der Betrübten, ihr Schutzpanier!

Vorsatz des Monates: Ich werde diesen Monat 2 Betrachtungen verrichten:

  1. Ich stelle mich eine Stunde vor meinem Tod vor. Was bereue ich? Was hätte Gott von mir erwartet?
  2. Ich stelle mir die Freude des Himmels vor: was fehlt mir noch, um dieses Glück zu erlangen?

Lesetipp:

Kapitel 11, 19 und 33 aus dem Buch: “Aufruf der Botschaft von Fatima“ von Schwester Luzia.