Briefe an die Jugend – Fünfter Stern der Krone Mariens

Maria Königin

Liebe Jungendliche!
Im Jahre 1207 kommt in Ungarn auf der Burg Sárospatak ein kleines Mädchen zur Welt. Ihr Name ist Elisabeth. Sie ist die Tochter Königs Andreas II. und seiner Gemahlin Gertrud aus dem Haus Andechs-Meranien. Im selben Jahr verzichtet der reiche junge Franziskus von Assisi auf alle weltlichen Güter und zieht in vollkommener Armut als Prediger durch die Lande. Dieses kleine Mädchen wird den großen Heiligen aus Assisi einige Jahre später nachahmen. Sie verzichtete auf die Königskrone, verteilt ihre Güter unter den Armen und geht als Elisabeth von Thüringen in die Geschichte der Heiligen ein. Dabei wurde sie dem Wort Christi treu, der im Evangelium zu dem reichen Jüngling sprach: „“Wenn du vollkommen sein willst, geh hin, verkaufe was du hast, und gib den Erlös den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben. Dann komm und folge mir nach!“ Mt 19,21

Eine Krone der Liebe

Die Heilige Elisabeth verzichtete aus Liebe zu Christus auf weltliche Ehren und Reichtum. Sie liebte die Armen und Kranken, erbaute in den letzten Jahren ihres kurzen Lebens in Marburg ein Hospital, wo die Notleidenden aufgenommen wurden. Das war ihre direkte Christusnachfolge und Christusliebe, nach dem Wort des Herrn: „Wahrlich, ich sage euch: Was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ Mt 25,40. Man kann sich die Frage stellen, wie es einer Königstochter möglich ist, auf Geld und Ansehen zu verzichten? Anstelle von Gastmählern und Vergnügungen küsste sie die Wunden der Kranken und trug die Obdachlosen in die Wärme. Sie verzichtete auf eine Krone aus Gold, um sich eine geistige Dornenkrone aufzusetzen. Aber war dieser Kronenwechsel nicht die geheime Kraftquelle ihres Lebens? Hat sie durch den Dienst am Nächsten nicht eine viel herrlichere Krone erlangt? Die Menschen liebten sie und bis heute gilt die hl. Elisabeth als die Personifizierung von Mildtätigkeit und Nächstenliebe. So hat Elisabeth die irdische Krone aus Gold mit einer himmlischen Krone der Liebe vertauscht. Wir beten daher in der Oration an ihrem Festtag am 19. November: „O Du Gott der Erbarmung, erleuchte die Herzen Deiner Gläubigen und lass uns auf die glorreichen Fürbitten der hl. Elisabeth das Glück der Welt verachten und uns allezeit himmlischen Trostes erfreuen. Durch Christus unseren Herrn.“

Die Krone Mariens

Liebe Jugendliche! An diesem Beispiel aus der Geschichte der Heiligen verstehen wir, wie die Mutter Gottes zu ihrer Himmlischen Krone gekommen ist. Auch sie verzichtete in ihrem Leben auf Anerkennung und Ruhm. Das große Geheimnis der Gottesmutterschaft hielt sie verborgen. Ja, sie nannte sich selbst eine Magd des Herrn. In bescheidener Christusnachfolge treffen wir die Mutter Gottes unter dem Kreuz, wo sie sich mit dem grausamen Leiden ihres Sohnes verbindet. Seine Dornenkrone wird zu der ihren. Die Schmerzen des Sohnes, sind die Schmerzen der Mutter. Das Leben der Armut und des Verzichts hat in Bethlehem begonnen und auf Kalvaria den Gipfelpunkt erreicht. Dieses neue Menschenpaar, nämlich der neue Adam und die neue Eva, erscheint auf dem Berg von Golgotha so armselig und verlierend. Doch in Wirklichkeit ist es der Moment der höchsten Liebe, der Erlösung des ganzen Menschengeschlechtes.
Auch Maria verzichtete hier auf Erden auf eine „Krone aus Gold“. Umso mehr erhielt sie bei ihrer seligen Aufnahme in den Himmel eine himmlische Krone der Liebe. Ihre Verdemütigung und ihr Dienst an den Armen Sündern, wurden in der Glückseligkeit reichlich belohnt.

Unsere Krone?

Nicht nur Maria, sondern wir alle sind zur Christusnachfolge und zu einer Belohnung im Himmel auserwählt. So ruft uns der Heiland zu: „Seid also vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.“ Mt 5,48. Diese Vollkommenheit ist unsere Berufung. Es ist die gelebte Nachfolge unseres Herrn und seiner hochheiligen Mutter. Sehr passend dazu stehen wir am Anfang der Fastenzeit. Die Kirche mahnt uns zur Buße und Christusnachfolge. Dabei sind es drei Mittel, die uns besonders angeraten werden: Gebet, Fasten und Almosen. Erklären wir diese ein wenig.
Unter dem Gebet versteht die Kirche alle frommen Übungen, mit denen sich die Seele an Gott wendet. Die Teilnahme am Sühneopfer der heiligen Messe, das Lesen eines frommen Buches, das Betrachten des bitteren Leiden unseres Herrn Jesus Christus, der Besuch der Kreuzwegandachten und vor allem der Empfang der heiligen Sakramente der Beichte und der Kommunion.
Das Fasten besteht in der Enthaltung von Speise und Trank, aber auch im geistigen Fasten. Es ist der aufrichtige Wille zur Lebensbesserung in der Übung guter Werke.
Schlussendlich umfasst das Almosen alle Werke der Barmherzigkeit gegen den Nächsten. Es sind unsere Besuche von Kranken, ein gutes Wort für einen traurigen Menschen, die Hilfe in der eigenen Familie oder etwa das Engagement in der KJB.

Diese Mittel werden uns helfen den alten Menschen abzulegen, damit verbunden sind die Werke des Fleisches, von denen der hl. Paulus im Galaterbrief spricht: „…Feindschaft, Streit, Eifersucht, Zorn, Selbstsucht, Spaltungen, Parteiungen, Neid, Trunksucht, …“ Gal 5,20. Das heißt, dass wir nach und nach die „irdische Krone aus vergänglichem Gold“ ablegen, um eine andere Krone zu erwerben. Das Osterfest soll nicht nur eine schöne Erinnerung an die Auferstehung Christi sein, sondern auch eine persönliche Auferstehung in der Gnade. Damit verbunden sind die Früchte des Geistes: „…Liebe, Freude, Friede, Geduld, Milde, Güte, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit.“ Gal 5,22. Versuchen wir es doch erneut! Gehen wir voller Tatendrang ans Werk, um einen Schatz zu sammeln, wo weder Rost noch Motten Zugang haben. Es geht um eine Siegeskrone, die unvergänglich ist.

Maria Königin

Maria hat diese Siegeskrone erhalten. Wenn sie im Himmel gekrönt wurde, dann ist das jedoch nicht nur ein passender Lohn für ein heiliges Leben. Es ist noch dazu der Ausdruck einer erhabenen Wahrheit. Maria ist Königin. Da sie Mutter Gottes ist, ist sie aufs engste mit dem Königtum Jesu Christi verbunden. Jesus will Maria bei seiner Herrschaft an seiner Seite wissen. Macht und Gewalt des Gottessohnes gelten so in gewisser Weise auch seiner heiligen Mutter. In der Lauretanischen Litanei rufen wir sie als Königin des Himmels und der Erde an. Sie herrscht über Könige und Propheten. Ja, sogar die Engel dienen unter ihrem Regiment. Dabei besteht ihre besondere Macht in der Gewalt über die Reichtümer des Herzens Jesu. Das sind die Gnaden der Erlösung zum Heil unserer Seelen. Zu diesen Gnadenschätzen hat sie einen Zugang ohne Grenzen. Es ist gerade so, also könnte sie Millionen von Goldbarren ausgeben. Wer wollte sie nicht abholen?
So sollen wir uns nicht scheuen, Maria, unsere Königin in Anliegen anzurufen. Sie ist die Gnadenvermittlerin. Bitten wir sie besonders in dieser Fastenzeit, um die Gnade einer wahren inneren Erneuerung, um den Geist der Buße und des Verzichtes. Sie wird geben, was uns nötig ist.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine fruchtbare Fastenzeit! Mit priesterlichem Segensgruss,

 

Stossgebet:

  • “Verherrlicht seist Du, O Maria, die Du bist die Königin der Welt; laß uns mit Dir genießen die Freuden des Paradieses.“ (Hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort)

Vorsatz des Monates:

  • Wähle einen guten Fastenvorsatz!
  • Gehe regelmässig zur hl. Beichte!
  • Empfange immer wieder voller Andacht die hl. Kommunion!

Lesetipp:

  • Kapitel 9, 17 und 36 aus dem Buch : “Aufruf der Botschaft von Fatima“ von Schwester Luzia.