Gruppenbrief der KJB-Wil im Januar

Liebe KJBler

Priester4Ich möchte euch auf eine Reise mitnehmen, die ich selber vor knapp einem Jahr gemacht habe.

Unsere Koffer sind gepackt, wir sitzen im Flugzeug und haben einen gut zehnstündigen Flug vor uns. Wir fliegen über das Mittelmeer, weiter über die nie endendwollende Sahara, über den Äquator und sehen wie die Sonne langsam im Meer versinkt. Als unsere Maschine zur Landung ansetzt, herrscht schon eine ungewohnte Dunkelheit.

Unser Ziel ist Namibia, ein Land das 27-mal so gross ist wie die Schweiz, aber nur gut 2,2 Millionen Einwohner hat. In diesem Land leben Ureinwohner wie die San, Herero, Nama und auch noch ehemalige, eingewanderte Deutsche, Holländer und Engländer.

Wir fahren auf Strassen die sich schnurgerade durch die Landschaft ziehen, vorbei an Wüsten, Steppen und hinein in endlose Weiten. Immer weiter in den Norden in die Nähe von Otavi zu Gläubigen der Priesterbruderschaft St. Pius X. auf eine Rinderfarm, die mit knapp 70 km² gut dreimal so gross ist wie die Stadt Wil.

Priester2Die Menschen leben zum Teil wie vor hundert Jahren. Wasser haben sie aus der eigenen Quelle, Strom gewinnen sie mit Windrädern und gekocht wird auf einem Herd, der noch mit Holz geheizt werden muss. Alle Arbeiten sind mühsamer als bei uns und brauchen mehr Zeit.

Momentan ist hier Sommer und Regenzeit, was aber nicht heisst, dass es die ganze Zeit regnet!

Sondern es regnet mal kurz über den Mittag – und dann war es das aber auch schon wieder. Für die Menschen hier ist es eine Zeit der Hoffnung, Hoffnung auf genug Regen für die Wasserreservoirs, da bis zur nächsten Regenperiode (ein ganzes Jahr) kein einziger Wassertropfen mehr fallen wird!

Streift man durch dieses Land, wird man auch manchem Tier über den Weg laufen. Die Tierwelt hier ist einzigartig, und doch muss man sich in Acht nehmen. Im Unterholz lauern giftige Schlangen wie die Schwarze Mamba oder die Zebraschlange. Eine Begegnung mit diesen zwei könnte böse ausgehen, bei einem Biss der Schwarzen Mamba hätte man noch eine Lebenszeit von ca. 20 Minuten. Ansonsten gibt es natürlich auch noch weniger gefährlichere Tiere wie Giraffen, Elefanten, Zebras, Kudus und Schimpansen, obwohl man vor denen aufpassen sollte!

Obwohl hier alles farbenfroh und perfekt aussieht fehlt was ganz Entscheidendes: Der Priester!!!

Und somit auch die hl. Messe.

Die drei Familien, aus der die ganze Gemeinde besteht, treffen sich alle anderthalb bis zwei Monate in Omaruru, campieren auf dem Kirchengelände und wohnen für ein Wochenende in Zelten.

Priester3Der Priester, der aus Südafrika eingeflogen wird, spricht leider nur Französisch oder Englisch. Das heisst, gebeichtet wird mit einem Wörterbuch und die Predigten und Vorträge sind auf Englisch, was sich als sehr schwierig erweist, da die meisten nur Deutsch sprechen.

Nach einem Monat verabschieden wir uns und machen uns auf den Weg in Namibias Hauptstadt Windhouk. Das Land ist schon lange wieder in Dunkelheit versunken, da sich die Sonne hier immer pünktlich um 7 Uhr an- und um 19 Uhr abmeldet.

Der Rückflug geht wieder über den Äquator, über die Alpen und schneller, als wir denken, sind wir zurück und werden als erstes von einem satten Grün empfangen, einem Grün das man einen Monat lang vermisst hat, ohne es zu bemerken. Nicht nur das ist anders, sondern plötzlich finden wir uns in einem absoluten Luxus wieder.

Dreimal am Tag die hl. Messe. Für die Fahrt zur hl. Messe brauchen wir höchstens eine halbe statt der sechs Stunden. Den Priester verstehen wir auch einfacher, die Predigten sind kein grosser Denksport mehr und – kaum zu glauben – jeden Dienstag ist KJB-Stunde: welch ein Luxus!!!

Sind wir uns dessen eigentlich bewusst? Schätzen wir es oder ist es uns oft einfach egal?

Sind wir dankbar???

Dankbar unseren Eltern und Grosseltern gegenüber, die das uns oft hart erkämpft haben. Lernen wir, das „Selbstverständliche“ nicht als solches anzusehen.

Sind wir dankbar!!!

Gehen wir häufiger zur hl. Messe und zur Beichte, benützen wir die Heilsmittel zum Himmel, die uns so einfach zugänglich sind.

Das wollte ich euch ans Herz legen. Denken wir an alle Menschen in den Missionen: Hätten sie so einen Reichtum vor der Haustüre, wie würden sie handeln?

Einen hoffentlich kalten und schneereichen Monat Januar wünscht euch

Michaela