Gruppenbrief der KJB-Wil im Juli

Liebe KJB-ler

In unserem Alltag sind wir ständig mit irgendwelchen Entscheidungen konfrontiert. Überall muss man sich für dieses oder jenes entscheiden, auch wenn man das manchmal nicht einmal merkt. Beim Frühstück fängt es an, welches Brot, welche Marmelade usw. man essen möchte, bei der Arbeit, was zuerst erledigt werden soll usw. …

Immer muss man diese oder jene Wahl treffen. Aber nach welchen Kriterien trifft man diese? Welche Wahl ist die Bessere? Wie kann man herausfinden, welches die Bessere ist?

Es ist wichtig, dass man nicht einfach vor sich hinlebt und seine Entscheidungen jeweils aus dem Bauch heraus trifft, ohne sich auch nur einen Gedanken dazu zu machen. Man sollte sich bei möglichst allem was man tut kurz überlegen, ob es entscheidend ist, welche Wahl man trifft. Wenn es eine Sache ist, bei der es eine bessere Variante gibt, sollte man sich natürlich die bessere Variante aussuchen. Diese zu finden ist aber nicht immer ganz so einfach.

Es gibt verschiedene Kriterien, nach welchen man sich entscheiden kann. Zum einen können diese wirtschaftlicher Art sein, also ob es mehr oder weniger Gewinn bringt, was den kleineren Aufwand bedeutet, oder ähnliches. Es kann sich auch um soziale Dinge handeln. Wie wirkt es auf die anderen, wenn ich dieses oder jenes tue? Was für Konsequenzen hat es für die anderen? Nervt es, macht es sie fröhlich oder sind sie gelangweilt?

Alles hat einen Einfluss auf die handelnde Person oder andere Menschen. Deshalb sollten wir als Katholiken versuchen, alles was wir tun auch unter dem Blickwinkel zu betrachten, ob es moralisch und aus katholischer Sicht gut, schlecht oder gleichwertig ist, ob es mich oder andere im religiösen Leben beeinflusst, und welchen Einfluss es hat. Zu einem gewissen Teil sind wir aufgrund unserer Entscheidungen mitverantwortlich, was die anderen erleben, welche Eindrücke sie aufnehmen und sich aufgrund dieser Tatsachen in eine bestimmte Richtung verändern. Sie können zu Gott hin oder von Gott weggeführt werden.

Es sollte daher von echtem Interesse sein möglichst gut zu handeln. Was ist aber gut?

Im alltäglichen Leben ist es meist nicht so schwer die bessere Lösung zu finden. Aus Erfahrung weiss man, was besser ist und muss sich daher nichts mehr überlegen, weil man das früher schon gemacht hat und es jetzt nur noch wiederholt wird.

Manchmal gibt es Situationen, in welchen man eigentlich weiss, was besser wäre, es aber der unangenehmere Weg ist. In diesem Fall sollte man natürlich trotz der Umstände nicht die weniger gute oder schlechtere Wahl treffen.

In eher seltenen Fällen kommt es vor, dass man nicht weiss, wie man entscheiden soll. In diesen Fällen lohnt es sich, nichts zu überstürzen und nachzudenken, Rat zu holen und auf «die innere Stimme» zu hören. Wenn es um Entscheidungen geht, die einen grossen Einfluss auf unser zukünftiges religiöses Leben haben, kann die innere Stimme oftmals verraten, wie man entscheiden sollte. Man nennt es die Unterscheidung der Geister. Wenn man das Gefühl hat, die richtige Entscheidung gefunden zu haben, und man dabei innerlich aufgewühlt und rastlos ist, kann man davon ausgehen, dass es nicht gut wäre diese Wahl zu treffen. Wenn man dabei aber innerlich ruhig, zufrieden und zuversichtlich ist, ist es wahrscheinlich die richtige. Für diese Unterscheidung braucht es allerdings Zeit und Ruhe.

Im Allgemeinen weiss man meistens instinktiv, welche Entscheidung man treffen sollte. Das schwierigste ist meist deren Umsetzung. Gerade in Situationen, in denen es um religiöse Werte geht ist es oft schwer, den besseren Weg zu gehen. Wichtig ist also nicht nur, dass man richtig entscheidet, sondern vor allem die Umsetzung. «Erkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung.» Aber auch nur der erste. Alle Intelligenz der Welt, um immer die richtige Wahl zu treffen, nützt nichts, wenn man diese dann nicht umsetzt. Man nennt das Konsequenz oder eben Inkonsequenz. Wenn man erkannt hat, was zu tun ist, muss man auch noch konsequent genug sein, es umzusetzen.

Ein Mensch, der bewusst seine Entscheidungen trifft, sich Gedanken macht, nach bestem Wissen und Gewissen entscheidet und dies dann auch umsetzt, wird mit Sicherheit Fortschritte erzielen. Egal wie gut oder schlecht der Mensch ist, Potenzial nach oben gibt es ja immer.

Es liegt in jedermanns eigener Hand, wie der weitere Verlauf seines Lebens aussieht und man sollte es in die Hand nehmen und beeinflussen. Besonders in jungen Jahren, in denen die Weichen fürs Leben gestellt werden entscheidet sich viel.

Natürlich weiss das bereits jeder. Aber welche Konsequenz ziehe ich daraus?

Liebe Grüsse

David