Gruppenbrief der KJB-Wil im Mai

Liebe KJB‘ler

Sind wir bereit für den Aufbau?

In Europa gibt es wunderschöne Bauwerke von beeindruckender Grösse und Schönheit. Es gibt sie zu Tausenden auf unserem ganzen Kontinent verstreut. Genau, hier ist die Rede von Kirchen. Von Kirchen, die schon zum Teil Jahrhunderte alt sind, die aber noch immer stehen. Die unsere Vorfahren mit viel Mühe und Anstrengung erbaut haben. Es gibt grosse, kleine, einfache und prunkvolle. Und doch haben alle etwas gemeinsam: Sie sind alle nach dem gleichen Prinzip erbaut: sie haben ein Fundament, sie haben den Kirchenraum und sie sind normalerweise ausgeschmückt.

Stellt euch vor, unser Leben gleicht einem Kirchenbau. In unserer Kindheit wird das Fundament für das Leben gelegt. Die Grundsteinlegung war also vor ca. fünf bis zehn Jahren und nun sind wir noch immer bei der Entstehung der Kirche. Unsere Eltern, die Priester, die Schwestern, die Erzieher usw. haben uns alle in unserer Kindheit geprägt und haben uns geholfen, den Grundstein und das Fundament zu legen. Wir haben ein grossartiges Glück, unser Fundament ist gelegt, besonders tief, dass darauf eine Kathedrale, ein Dom sicher stehen kann.

Wir sind jetzt in unserer Jugendzeit am Errichten der Kirche. Wir sollen gross und hoch bauen. Denn wenn die Kuppel geschlossen ist, das heisst wenn wir unsere Jugendzeit hinter uns gelassen haben, ist es schwierig bis unmöglich, noch etwas an der Grösse und Höhe unsere Kirche zu ändern. Wir haben jetzt die Möglichkeit, an unseren Talenten, unserem Wissen und vor allem an unserem Glauben zu „bauen“.

Wenn wir diese wichtige Zeit, in der wir uns jetzt gerade befinden, nutzlos verstreichen lassen, machen wir es wie ein Architekt, der mit seiner wunderschönen Kapelle prahlt, aber nicht sieht, dass sie auf einem Fundament steht, das eine Kathedrale tragen würde, und dass sich daneben das Baumaterial nur so stapelt. Jeder würde diesen Mann belächeln. Doch das Gleiche machen wir in unserem Leben, wenn wir alles auf später verschieben. „Später habe ich dann Zeit, um noch das und das zu lernen, um noch jenes Buch oder diese Exerzitien zu besuchen.“ Belügen wir uns nicht selber. Wer wird noch zwischen Windeln wechseln, schlaflosen Nächten, schreienden Babys, streitenden Kindern noch Zeit finden, um ein Buch zu lesen oder um sich neues Wissen anzueignen? – Kaum jemand!

Machen wir es nicht so wie dieser Architekt. Jeder von uns ist gerufen, etwas Grosses aus seinem Leben zu machen. Wenn wir das Beste geben und gleichzeitig völlig auf Gott vertrauen, werden wir für Gott eine grosse Kathedrale bauen können.

Es wurde noch nie eine Kirche über Nacht gebaut. So werden wir schrittweise den Bau vollenden. Dies alles verlangt Beständigkeit und Treue zum Glauben. Es liegt an uns, die Zeit auszunützen und in die Höhe zu bauen mit den Sakramenten, besonders mit dem häufigen Empfang der hl. Beichte und der hl. Kommunion. Auch sollen wir unser Leben selber in die Hand nehmen und gestalten. Wir sind nicht lauter Kopien eines anderen. Stellt euch vor, auf der ganzen Erde würden alle Kirchen gleich aussehen. Das wäre langweilig, oder? Darum soll jede Kirche andersartig, aber auf ihre Weise ein Meisterwerk werden.

Nach unserer Jugendzeit, wenn wir unseren Platz im Leben gefunden haben, wird ein jeder auf seine Art und Weise – ob als Verheirateter, Priester, Schwester oder Bruder – seine Kirche ausschmücken und damit bis zu seinem Tod nicht aufhören.

Das alles soll uns ein Bild geben für unser Leben für die Verantwortung, die Gott uns gibt, mitzuwirken an seinem Heilsplan. Wir sind wichtig, jedes Leben ist einmalig und genial. Machen wir mit der Gnade Gottes was Einzigartiges, Gigantisches! Und vergessen wir bei allem, was wir machen, nicht die Liebe! Sie hält alles zusammen, wie Paulus schon schreibt: „Die Liebe ist das Band der Vollkommenheit“ (Kol 3,14).

Denken wir wieder daran, wie der Heiland uns liebt. Wir müssen unsere Arme nur weit genug ausbreiten, das Jesuskind auf unseren Arm nehmen. Vielleicht gibt es aber Sachen in unserem Leben, die für uns wichtiger sind. Mit was beschäftigen wir uns am meisten? Doch wenn wir Jesus auch vergessen haben; wir können jederzeit zurückgehen zum Jesuskind und es um Verzeihung bitten.

In diesem Glauben sollen wir wieder wie Kinder werden: einfach und voller Vertrauen.

Machen wir unser Herz weit auf für die Stimme Gottes, denn Gott liebt uns unendlich!

Liebe Grüsse

Eure Michaela