Insel Reichenau

Kleiner Führer für alle die nicht hingekommen sind…

Die größte Insel im Bodensee – d.h. seit sie im 19.Jhr. mithilfe eines 20m breiten Damms mit dem Festland verbunden wurde, ist sie eigentlich nur noch eine Halbinsel – liegt zwischen Radolfzell und Konstanz und somit in Südbaden. Insgesamt ist sie 4,5 km lang und max. 1,5 km breit. Einwohner zählt sie 3.300, das Festland nicht mitgerechnet. (Die Gemeinde Reichenau geht auf dem Festland noch weiter.) Diese “Insulaner“ verteilen sich auf Oberzell, Mittelzell und Niederzell. Zentrum ist Mittelzell mit dem Münster, der uralten Linde und dem Rathaus. (Welches in dem ehemaligen Klostergebäude untergebracht wurde.) Haupteinnahmequellen sind vor allem Gemüseanbau und der Tourismus. Klimatisch sehr günstig gelegen ist hier auch das am südlichst gelegene Weinbaugebiet Deutschlands.

Seit dem Jahr 2000 ist die Reichenau UNESCO Weltkulturerbe.

Zur Geschichte:

Im Jahre 724 n. Chr. kam der hl. Wanderbischof Pirmin mit 40 Mönchen hier auf die Insel, damals hieß sie noch Sintlasau, und gründete in Mittelzell ein Benediktinerkloster. Sie rodeten den Wald, pflanzten Reben, Gemüse ect. an und nahmen sich der Menschen vom Festland an. Nicht nur religiös, sondern da z.B. Allensbach (direkt gegenüber), Ermatingen und andere Dörfer dem Kloster “gehörten“  und somit abgabepflichtig waren, kümmerte sich Pirmin zuerst auch mal darum, dass die Menschen “menschlicher“ leben konnten. Er half ihnen ihre Hütten zu flicken, senkte die Abgaben und nahm ihnen die Angst vor der gefürchteten Sintlasau (dann umbenannt auf „Augia“), was zur Folge hatte, dass immer mehr Leute auf die Insel zogen. So beliebt Pirmin bei dem Landvolk war, den Konstanzer Bischof konnte er nicht versöhnlich stimmen. Hier spielte wohl der Neid aber auch politische Interessen eine Rolle. Schließlich musste er sogar um des Friedens willen die Insel verlassen und zog weiter ins Elsass, zur nächsten Klostergründung.  Eine Statue bei der Auffahrt zur Insel erinnert noch an ihn. Das Kloster bestand aber unter anderen Äbten weiter, darunter beispielsweise Abt Walafried Strabo (838-849), welcher den berühmten “Hortulus“ verfasste. Es gilt als erstes Handbuch über Gartenbau in Deutschland. Zu erwähnen ist auch noch Abt Hatto III (888-913), welcher politisch sehr einflussreich, von einer Kaiserkrönung in Rom das Haupt des hl. Georg mit auf die Insel brachte. Überhaupt war das Kloster Reichsabtei, und somit stark vom jeweiligen Herrscher abhängig. Als Abt Immo (1006-1008) allerdings die Abtei innerhalb von zwei Jahren durch seine übertriebene Strenge beinahe zugrunde richtete, war es gar nicht mal so schlecht, dass der Kaiser sich einmischte. Er berief einen Mönch aus der Eifel zum neuen Abt und unter diesem wurde aus der “Augia deserta“ wieder die “Augia dives“. Abt Berno (1008-1048) dürfte all denen, welche die Jahreslektüre bereits gelesen haben, ein Begriff sein. Für die Mönche war er durch seine väterliche Güte aber auch notwendige Festigkeit ein wahrer Segen des Himmels, nachdem sie unter Abt Immo teilweise sogar geflüchtet waren… Sein Grab befindet sich übrigens im Münster, die Bodenplatte ist nicht zu übersehen. Zu seiner Zeit

kam auch Hermann der Lahme auf die Insel. Dieser war ein Sohn des Grafen von Altshausen und wurde wegen plötzlicher Lähmung im Kindesalter hierher “abgeschoben“. Trotz seiner körperlichen Einschränkungen und oft großen Schmerzen wurde er einer der Gelehrtesten seiner Zeit. Er verfasste unter anderem die Weltchronik, teilte die Zeitrechnung in

vor und nach Christi Geburt ein und gilt als Verfasser des “Salve Regina“.

Die Zahl der Mönche lag in der Blütezeit des Klosters bei ca. 130 Ordensbrüdern bzw. Priestern.

Nach dem Tod von Hermann dem Lahmen im Jahre 1054 ging es mit der Abtei immer mehr bergab bis sie dann 1540 an den Konstanzer Bischofssitz verkauft wurde. Sie fungierte dann nur noch als Priorat und wurde 1757 schließlich ganz aufgelöst.

Seit 2004 gibt es nun wieder ein paar wenige Benediktiner auf der Insel, welche der Erzabtei Beuron unterstehen, und im Pfarrhaus von Niederzell einquartiert sind.

Die drei Kirchen:

  • Münster St. Maria und Markus – ehem. Holzbau wurde noch vom hl. Pirmin errichtet und somit vom Ursprung her die Älteste der drei; danach oftmaliger Umbau und Erweiterung; heutiges Westwerk stammt aber noch von Abt Berno; Schatzkammer mit hl. Blutreliquie und mehreren Goldschreinen mit Heiligenreliquien
  • Kirche St. Peter und Paul in Niederzell – Erstbau von 799; im 18. Jhr. in den Rokoko Stiel umgebaut; Wandmalereien ca. 1000 Jahre alt
  • Georg – Ende des 9 Jhr. erbaut; 2 m hohe Wandbilder; in der Krypta Haupt des hl. Georg; außerhalb der Führungszeit gesperrt

Und dann noch was ganz besonders:  An den drei Inselfeiertagen (25.4/1.7/15.8) ruht auf der ganzen Insel die Arbeit, die Kinder haben schulfrei und nach der hl. Messe werden in einer großen Prozession, welche von der traditionellen Bürgerwehr begleitet wird, die Reliquienschreine über die Insel getragen.

Andere Sehenswürdigkeiten sind:

  • Die Hochwart (höchster Punkt der Insel), Aussichtspunkt
  • Ruine Schopflen (auf dem Damm), Beobachtungsplattform für Wasservögel im Ermatinger Becken
  • Wollmatinger Ried, Naturschutzgebiet von über 750 ha, nur mit Führer zu betreten
  • Außerdem gibt es ein Museum, und diesen Sommer noch eine Sonderausstellung “1200 Reichenauer Münster“