KJB Wanderlager 2014 durch Katalonien – aus der ehrlichen Sicht eines Teilnehmers

Lieber Leser,

Wanderlager2014man hört ja immer so einiges rund um die Pribru. Pribru, wie es so schön im Neudeutschen heißt, ist die Abkürzung für die Priesterbruderschaft St. Pius X. Wenn man sich, wie jeder anständige Bürger heutzutage, erst mal brav bei Wikipedia mit wertvollem Wissen über diese Organisation versorgt, kommt einiges zusammen, dass einen erstmal schlucken lässt. Aber Papier beziehungsweise der Bildschirm ist ja bekanntlich geduldig. Trotzdem war ich dann doch neugierig und dachte mir, wieso eigentlich nicht mal probieren? Und da ich keine halben Sachen machen wollte, fing ich meine Kennlerntour mit einem drei-wöchigen Erlebnis beim „Sahnehäubchen“ der Organisation an, der Jugend der Priesterbruderschaft.

Mit dem Rat von Matthäus 7,16 im Hinterkopf − „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“ – nahm ich mir dann im Frühling diesen Jahres den Terminkalender der katholischen Jugendbewegung der Pribru vor. In meinem Kopf spielte sich beim Betrachten des Angebotes dann ungefähr folgender Monolog ab: „Interessant, was da so alles angeboten wird. Treffen, Bildungswochen, Lager etcetera. Das klingt doch nach einer durchdachten Sache. Moment, für wann war nochmal das Lager vorgesehen? Im August? Und was macht man da? Ein Wanderlager? Katalonien? Also knapp drei Wochen − ist aber schon echt lang. Wer will denn schon so viel von seinen Ferien für ein Lager opfern? Was macht man da überhaupt so alles? Mit solchen Spießern… was die wohl sagen werden? Die haben sicher immer was auszusetzen. Zwischen 16 bis 27 Jahre alt soll man sein. Joa, das wäre ja auch meine Altersklasse. Und vielleicht sind ja auch ein paar gescheite Mädels dabei, mit denen man was anfangen kann. Hihi, wahrscheinlich nur so welche in Röcken aus dem Stoff von Omas Gardienen, den man unten nur noch wie einen Sack zuziehen muss. Oje, und dann auch noch sicherlich den ganzen Tag beten. Beten und entspannen macht doch irgendwie gar keinen Sinn. Die tun sicherlich nach außen nur so scheinheilig. Bekanntlich sind ja die Katholiken die schlimmsten. Wir wissen ja, was aus Sängern wie Madonna oder „Künstlern“ wie Marilyn Manson wurde, die eine christliche Erziehung genossen haben… Aber wieso nicht, wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“ Gesagt, getan!

Um noch weitere Informationen zu diesem Lager zu bekommen, kontaktierte ich den Verantwortlichen des Lagers und fragte bei ihm nach weiteren Auskünften: Das Sommerlager wird von Jugendlichen für Jugendliche organisiert und gibt uns die Möglichkeit, angenehme und schöne Ferien in christlicher Gemeinschaft zu verbringen. Es soll keine Veranstaltung wie die sonst üblichen Ferien sein. Vielmehr geht es um eine Fahrt, die sowohl kulturelle, menschliche, religiöse und freizeitliche Interessen fördert.“ So heißt es in der Einleitung über das angepriesene Wanderlager. „Von Jugendliche für Jugendliche − klingt ja schon mal nicht schlecht“, dachte ich mir, weil die ja selber aus eigener Erfahrung wissen, was Jugendliche so gerne machen. Weiter heißt es bezüglich des Ablaufs: „Barcelona, Kloster Montserrat, Tarragona, Girona, und Lleida …eben quer durch Katalonien! An den beiden Wochenenden werden wir ab Freitagabend ein festes Quartier haben. Unter der Woche, wenn die Gruppen unterschiedliche Routen einschlagen, übernachten wir entweder bei Einheimischen, in Pfarrhäusern, in Klöstern, … oder manchmal auch unter freiem Himmel (1000-Sterne-Hotel☺). Ziel ist es nicht, irgendwelche Hochleistungsrekorde zu brechen, sondern die Strecken sind so bemessen, dass sie von jedem bewältigt werden können (ca.10-12 km zu Fuß).“ Das klingt ja wie aus einem netten Reiseführer. Ich selber habe mal für drei Monate in Barcelona gelebt und kenne ein wenig Land und Leute. Daher würde ich sofort unterschreiben, da es sich lohnt, dorthin zu gehen. Aber können die auch einhalten, was sie versprechen war mein nächster Gedanke? Das mit dem 1000-Sterne-Hotel klang echt verlockend und Smileys scheinen sie ja immerhin zu kennen. Und wenn man angemeldet ist, dann solle man doch bitte ein paar Tage vorher mit einer Novene anfangen. Wieder entfaltete sich in meinem Kopf ein Selbstgespräch: „Eine Novene? Was ist das und wofür ist das gut? Für ein gutes Gelingen und die Hilfe von oben. Aha. Und eine Checkliste mit den Dingen, die man für das Lager braucht, ist auch angehängt. Schon verrückt, was man alles mitnehmen muss und dann ja auch noch den ganzen Tag mit sich im Rucksack herumschleppen. Und das sollen Ferien sein?“

Preislich schien es soweit in Ordnung zu sein und trotz einiger Ungewissheiten und „ungewohnten“ Lagerregeln, hatte es einen gewissen Charme und ich hatte ehrlicherweise Abenteuer-Blut geleckt. Ich meine, ausruhen konnte ich mich noch lange genug, wenn ich im Sarg liege. Und überhaupt: wer nicht wagt, der nicht gewinnt! So schaufelte ich mir in meinen Ferien drei Wochen im August 2014 frei und meldete mich an. Tja, meistens weiß man nicht, was einem die Zukunft bringt. Aber in diesem Fall hatte sie etwas ganz besonderes mit mir vor.

Erstaunt bemerkte ich, dass ich relativ schnell nach der Anmeldung wollte, dass es endlich losgeht. Leider blieben noch knapp drei Monate. Trotz Vorfreude (die ja bekanntlich die schönste Freude ist) machten sich doch so einige Gedanken breit: Man läuft also jeden Tag so lange und da weiß nicht mal mit wem man in die Gruppe kommt? Nicht gerade das beruhigendste Gefühl… Und weiter dann, was wirklich einpacken? Klar, auf der Liste stand ja alles drauf was man braucht. Aber brauche ich das auch wirklich alles für mich selber oder doch lieber was mehr, da man ja nie weiß? Wenn es ums verreisen geht habe ich manchmal den Eindruck, dass meine weiblichen Chromosomen völlig durchdrehen. Als ich dann auch auf dem Regelwerk bemerkte, dass keine Handy erlaubt seien, sprang unvermittelt wieder meine Gedankenmaschine an: „KEIN Handy? Is klar, ne. Wie soll man das denn bitte überleben? Kein normaler Mensch kommt doch heute mehr ohne Handy und „sozialen“ Kontakte aus! Aber will ich denn wie alle normalen Menschen sein? Ich meine, von denen gibt es ja schon genug. Auf den Bildern scheinen die ja immer gut drauf und glücklich zu sein. Aber innerlich? Wie sieht es denn eigentlich bei mir aus? Weiß ich denn überhaupt wo ich hinsteuere und was ich will? Soll ich mal Siri fragen? Neee, die kann mir da auch keine Antwort geben…“ Aber, werter Leser, ich will sie nicht weiter mit meiner sentimentalen Gedanken-Dudelei auf die Folter spannen und wir springen ein paar Monate nach vorne.

Zuuuuup, der Rucksack war gepackt, der Kalender in Omas Küche zeigte den 10. August 2014 an: Der Tag des Aufbruchs ins Ungewisse war da. Von der Organisation des Lagers hatte ich erfahren, dass wenn man eine längere Anreise hätte, man sich auch in der Nähe von Köln/Bonn in einer Mädchenschule in Schönenberg treffen und übernachten könnte. Da aber Ferien waren und ich es auch nicht allzu weit zum Flughafen hatte, lohnte es sich also nicht wirklich für mich und ich bestellte das sehr kostengünstige „Taxi Eltern“ zum Flughafen.

Am Flughafen in Köln/Bonn angetroffen dirigierte ich mich in die Abflughalle und hielt schon mal Ausschau nach anderen, eher jüngeren Gestalten zwischen 16 bis 27 Jahren, die sich nach ein paar Metern mit Rucksack schon gar kein Leben mehr ohne vorstellen wollten. Meine Eltern haben mich schon mein ganzes Leben lang als ihre Herausforderung mit sich getragen und ich würde nur für die nächsten drei Wochen schlappe 15kg auf dem Rücken tragen müssen – wer darf sich da beschweren?

So schön wie Fliegen in der Werbung auch sein kann: ich glaube am Tag der Abreise hatte die Fluggesellschaft Germanwings ein Bündnis mit der Deutschen Bahn geschlossen, denn erst nach zwei Stunden Verspätung konnte es endlich in den Flieger gehen (Und nein, es hatte sich keiner auf die Landebahn gelegt!). Um die Wartezeit zu überbrücken, hatte ich mir eines dieser unfassbar preiswerten Getränke am Flughafen gegönnt. Bei 4,95€ für 0,75l Wasser war ich beim Kauf an der Kasse nicht sicher, ob ich nicht auch das ganze Regal mit dazugekauft hatte aber leider war dem nicht so − was bringt man im Urlaub nicht manchmal für Opfer für ein kühles Getränk…

Aber dann war die Wartezeit auch schon zu Ende und es ging in den Flieger. Mit der Hostess im Flieger war ich gut ein Jahr lang zur selben Akademie gefahren und neben mir saß dann auch gleich eine von den katholischen Mädels, die auch beim Wanderlager teilnahm. Sie machte nicht nur gleich einen guten Eindruck auf mich, weil sie mir einen Teil ihres Flugspeisepakets abdrückte, sondern weil sie lustig und charmant war. Und ihre Kleidung, ein schöner Rock, tat der Sache auch keinen Abbruch. Nein im Gegenteil, es machte sie noch hübscher, weiblicher halt. Und so ging es neben ihr und den anderen knapp 34 Leuten für das Wanderlager mit dem Flieger in den Sonnenuntergang, hinein ins Abenteuer. Der erste Eindruck von der Truppe war also geglückt und die Verspätung war schon wieder vergessen.

Glücklich in dieser tollen Stadt Barcelona angekommen, war ich noch glücklicher als ich meinen Rucksack auf dem Fließband erspähte. Aber leider fehlte der Schlafsack! Das konnte ja heiter werden ohne Schlafsack, fuhr es mir durch meinen Kopf… Aber puhhh, drei Gepäckstücke weiter hinten trudelte gemütlich dann auch mein Schlafsack ein. Glücklicherweise ging bei den anderen auch nichts verloren und 35 junge Menschen zogen ins Nachtleben von Barcelona. Das muss ja ein Bild für die Götter gewesen sein! Vor allem, weil keiner einen Plan hatte und wir schlussendlich – „open air“ auf einem Kreisverkehr etwas außerhalb unsere Bleibe uns zusammen gefunden hatten. Vier unserer Fahrer sind etwas später dann mit ihren Autos zu uns gestoßen und so hatten wir für die nächsten Wochen auch immer ein Fahrzeug zur Seite, wenn Not am Mann war. Und so sollte also das angepriesene 1000 Sterne Hotel aussehen… Schlussendlich war man nur noch froh sich irgendwie, irgendwo hin zu legen. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Es konnte ja nur noch besser werden. Und das wurde es!

Was soll ich sagen. Ich könnte mich an so vielen kleinen und vor allem tollen Ereignissen festhalten, aber dann müsste man, glaube ich, eine ganze DGW-Ausgabe opfern. Daher werde ich versuchen mir nur die wichtigsten Dinge vor die Brust zu nehmen. Und da gehört sicherlich dazu, dass wir am nächsten Morgen aufgestanden sind, irgendwie und irgendwo halt. Zur Stärkung für Leib und Seele gab es erst mal eine heilige Messe, natürlich auf Latein so wie es sich gehört und anschließend Frühstück. Für zwischendurch kam noch die Polizei. Zur Messe wollten sie scheinbar nicht und zum Frühstück hatten wir sie auch nicht eingeladen. Naja, sie meinten halt, dass wir da keine Wurzeln schlagen sollten. Das hatten wir eh nicht vor. Das Wochenendziel, die drei Gruppen und das Fahrerteam standen fest und los ging es. Ich war nicht nur für die Gruppenkasse, sondern auch für Verständigung der Gruppe mit der spanischen Außenwelt zuständig. Vielleicht sollte die EU mal in Sprachkurse für Spanier investieren, weil gerade auf dem Land kam man mit „Ingles“ (Englisch) gar nicht weit. Vor allem weil die Katalanen ja Spanisch schon als eine Art Fremdsprache ansehen.

In der ersten Woche ging es hauptsächlich darum, sich an die neue Umgebung, die jeden Tag wechselte, und die neue „Familie“ zu gewöhnen. Für die unter den werten Lesern, die vielleicht Vorbehalte hätten, mit solchen Personen rumzulaufen: das ist einem schlussendlich so was von wurscht, weil man in jeder Person einen attraktiven und liebenswerten Zug findet, wofür es sich lohnt, mit der Person Zeit zu verbringen. Und wenn nicht, dann muss man vielleicht einfach schauen, ob man nicht vielleicht auch bei sich vor der Tür etwas kehren möchte. Und lieber Leser, glauben Sie mir, ich habe mich durch den ersten Eindruck sehr oft täuschen lassen!

Von Barcelona zogen wir Richtung Tarragona, was unser erstes Wochenendziel war. Schon interessant zu sehen, wie alle aus den verschiedenen Gruppen am Wochenende zusammen kamen und von ihren Erfahrungen erzählten: wen sie alles Tolles getroffen hatten, wo sie herumgelaufen waren und wo sie geschlafen haben. Und das Essen kam auch selten zu kurz (Not macht ja bekanntlich erfinderisch).

Nicht aber so am Wochenende. Da durfte man den Luxus einer festen Unterkunft genießen. Okay, die erste Wochenendunterkunft, ein zweistöckiger Wohnkomplex zu einer Kirche gehörig, hatte schon länger keine Putzkolonne mehr gesehen. Aber ich hatte den Eindruck, dass man als Reinigungskraft auch nicht gewusst hätte wo anfangen… Den dortigen Pfadfindern, die dort sonst lebten, schien es auf jeden Fall zu gefallen. Letztendlich hatten wir alles was wir brauchten: Plätze zum schlafen, das Meer um zu baden und ganz viel Spaß. Und auch das Klamottenwaschen wurde zu einer Wohltat, weil man seine stinkenden Kleider nicht mehr weiter mit sich im Rucksack mitschleppen möchte. Also waschen reichte meistens − verbrennen nur in ganz schlimmen Fällen und das würde ja nur wieder im sehr einseitigen Kontakt mit der „Policía“ enden. Aber die waren auch recht vielseitig in ihrer Auslegung des Gesetzes: von strengem Maß nach Vorschrift, dass man ja kein Lagerfeuer draußen machen durfte, bis ganz entspannt, dass sie einem einen Hinterhof aufschließen und man ein überdachtes Plätzchen zum Schlafen hatte, war alles dabei. Das zweite war im Laufe unsere Wanderschaft notwendig, da es teilweise in Katalonien auch mal regnen kann − ja, richtig gehört. Auch dort weinen die Engel ab und an, obwohl sie bei uns ja nicht viel Grund hatten (zumindest hatten wir immer alles aufgegessen )

Und das Gebet… Das war ja echt mal eine interessante Sache. So im Alltagsleben gar nicht so einfach, gebe ich gerne zu. Aber so in einer Gruppe, wo alle am gleichen Strang ziehen, das bringt’s echt! Im Verlaufe des gesamten Wanderlagers kam es glaube ich an zwei Tagen vor, dass wir vor lautem Erlebten verschwitzt hatten den Rosenkranz zu beten. Da hat sich der liebe Gott dann gedacht, dass er es uns so leicht nun auch nicht machen würde. An diesen beiden Tagen durften wir dann draußen schlafen und wir haben keine Unterkunft gefunden. Ich war meistens für die Herbergssuche zuständig und am Anfang tat ich mir echt schwer, daran zu glauben, dass man einfach bei Kirchen oder sozialen Einrichtungen nachfragen könnte. Aber tatsächlich waren eigentlich alle Leute, die wir getroffen haben, hilfsbereit und so konnten wir bei den verschiedensten Einrichtungen unterkommen, eine schöner als die andere. Lieber Gott, danke noch mal für Deine Unterstützung!

Was für uns in der Gruppe als selbstverständlich wahrgenommen wurde, das wurde von anderen Personen ganz anders wahrgenommen. Der gelebte Glaube, das gemeinsame Ziel, wenn wir in der Kirche den Rosenkranz gebetet und gesungen haben und die Ausstrahlung der ganzen Gruppe hatte eine solche Wirkung, dass wir öfters liebe Worte von den Einheimischen zu hören bekamen. Auch gesanglich gesehen waren wir wirklich eine gute Gruppe, sodass wir aus dem Stegreif musikalisch immer was zum Besten geben konnten. Da bekam man manchmal echt Gänsehaut und dachte sich, etwas Schöneres kann es gerade einfach nicht geben. Der Gassenhauer war natürlich immer „Möge die Straße“, wenn wir uns bei unseren guten Seelen für die Übernachtung bedanken wollten. Denn teilweise war es sogar mehr als nur die Übernachtung. In Creixell hat uns die Dame von der Kirche über Nacht so gar Croissants zum Frühstück gebacken. Wenn das kein Service ist, oder?

Das Wochenendziel für die zweite Woche war das Kloster Montserrat. Klar, da hatte ich schon von gehört. Aber als wir da mit der Seilbahn hochgefahren sind, das war schon echt eindrucksvoll, diese Aussicht. Und wer oben nur ein kleines Klösterchen in den Bergen vermutet hatte, der wurde positiv überrascht. Dort wartete eine ganze Stadt sogar mit einem Supermarkt auf uns. Die anderen beiden Gruppen hatten sogar das Glück, in einer Kapelle mit Sicht auf die Rückseite der schwarzen Madonna der Messe beizuwohnen. Und da wir alles zur Verfügung hatten, gab es oft volles Programm: Hochamt mit Schola, Mädelschor und geleiteter Danksagung. In dieser Zeit hatte ich dann auch das Gefühl, dass ich mein Gnadenkonto wieder etwas aufbessern konnte. Tja, manchmal sind es die kleinen Dinge, die für uns schon zur Gewohnheit geworden sind, die den Unterschied machen. Naja, nur blöd, dass es einem oft erst im Nachhinein einfällt, was man hatte. Vielleicht sollte ich öfters den Moment genießen und dankbar sein.

Zwischendurch gab es kleine Wettbewerbe, die zwischen den drei Gruppen ausgetragen wurden. Angefangen beim Beantworten von Fragen, der Komposition eines Gruppenliedes, dem Bekochen des Fahrerteams, der Organisation eines sogenannten „bunten Abend“ und der Besorgung eines Souvenirs mit der ganzen Gruppen. Manchmal war das gar nicht so einfach. Vor allem der Kochwettbewerb war eine Herausforderung, die wir dann trotzdem als Team ganz gut gemeistert haben. Nachdem wir eine schöne Location gefunden hatten − das Restaurant von einem Deutschen − konnten wir von dem alle Kochutensilien borgen und sogar in der Hausküche die anderen bekochen. Das schwierigste war aber dann tatsächlich das Einkaufen, da wir um 16 Uhr die Einkäufe machen wollten, die Spanier aber von 14.30 Uhr bis 17 Uhr Siesta machen. Joa, nochmal alles besser durchgeplant und dann konnten wir die fehlende Stunde auch wieder aufholen. Hier sei ein großes Dankeschön noch an alle Beteiligten gesagt: Wenn man euch brauchte, wart ihr immer da. Und ich hatte es Euch ja gesagt − wir werden gewinnen. Und ich sollte Recht behalten, auch wenn es knapp war.

Bevor ich zum Ende kommen muss − obwohl ich Labertasche noch einiges mehr erzählen könnte, möchte ich noch über die Vorträge im Laufe der drei Wochen berichten: Nicht einfach nur vom Pater, sondern es hatten sich auch Einzelne Jugendliche bereiterklärt, zu recherchieren. Ganz interessant, was die über das Wesen des Mannes und der Frau zu berichten hatten. Diese Vorträge müssten echt noch mehr Jugendliche mitbekommen. Obwohl ich glaube, ob Jung oder Alt, jeder könnte da noch etwas mitnehmen.

Ach, und wenn ich jetzt zurückdenke, da vermisse ich schon die schöne und vielfältige Zeit für Leib und Seele. Was man so mit seinen Leuten erlebt und durchgemacht hat, da muss man keinen Teambuilding-Kurs mehr besuchen. Statt die Zeit unnötig im Internet zu verschwenden, kann man sich auch mit seinen richtigen Freunden treffen, reden und sich austauschen − das bringt einen echt weiter. Klar kann man zu Hause auf der Couch bleiben und eine „ruhige Kugel“ schieben, aber ich habe verstanden, dass ich lieber etwas mit ganz besonderen Menschen erleben möchte, egal ob Junge oder Mädchen, die im Leben ein Ziel haben und deswegen zusammen an einem Strang ziehen! Es bleiben Erinnerungen, die einem keiner mehr wegnehmen kann. Auch bilden sich Freundschaften, also richtige Freundschaften und nicht nur Facebook-Bekanntschaften, die einen weiterbringen.

So, wie man das Wanderlager ersehnt hatte, so schnell war es dann doch schließlich vorbei. Ach ja, mit dem Rückflug lief alles reibungslos und „Taxi Eltern“ stand auch schon liebenswerterweise am Flughafen.

Lieber Leser, so war das also in diesem Jahr für mich mit dem Wanderlager. Oh ja, ich könnte noch so viel mehr erzählen. Klar, das mache ich dann sehr gerne, wenn wir im nächsten Sommer gemeinsam ein neues Abenteuer ansteuern. Außerdem bin ich ja nur einer von vielen, die schon mal das Glück hatten, bei einem Wanderlager dabei zu sein. Immer wieder schön, glauben Sie mir. Und ich muss sagen, wer nicht wagt, der nicht gewinnt − das ging bei mir ja sehr gut auf. Meine Erfahrungen waren trotz Vorbehalten wirklich herausragend und ich denke, dass mit diesen Jugendlichen, die ich kennenlernen durfte, die Zukunft der Pribru wirklich gut aussieht! Ich sage „Danke“ und freue mich Sie lieben Leser das nächste Mal an meiner Seite beim nächsten Wanderlager begrüßen zu dürfen.

Euer Michael