Pädagogik-Wochenende 2019

„Papa Papa, schau nur, wie gut ich Fahrradfahren kann!“ Und schon lag das Kind auf der Nase, weinend und wütend über sich selbst. Der Vater kommt dazu: „Siehst du, schon wieder hast du nicht richtig getreten, auf geht’s, nochmal!“ Doch das Kind wird nur noch wütender und möchte es nicht nochmal versuchen.

Was ist passiert? Was geht in dem Kind vor?  Wie erreichen wir das Kind, wenn es mit seinen Schwächen konfrontiert wird und uns als feindliche Person wahrnimmt?

Genau das hat uns Herr Markus Hoffmann ein Wochenende lang versucht näherzubringen. Zuerst müssen wir Verständnis für die Situation des Kindes zeigen, mit ihm mitleiden. Dann bestärken wir das Kind in dem, was es gut gemacht hat und schildern ihm das ganz genau. Zuletzt fordern wir das Kind heraus, geben ihm das Signal, dass es noch nicht alles kann, dass es noch nicht perfekt ist, aber geben ihm konkrete Verbesserungsmöglichkeiten. Besonders gut gelingen diese Schritte mit vielen Fragen, denn dadurch findet das Kind selber zu seiner Lösung.

Um zurück zum Beispiel zu kommen. In der Situation mit dem Fahrrad könnte der Vater sein Verständnis zeigen und etwas von sich dem Kind geben durch Sätze wie: „Ich weiß wie sich das anfühlt.“, „Als ich vom Fahrrad gefallen bin, war ich auch so enttäuscht.“ und „Ich bin hier an deiner Seite und ich glaube an dich.“ Im ersten Schritt wird der Frust abgebaut und das Kind beruhigt sich, das macht es offen für alles Weitere, auch wird die Person von außen nicht mehr als Feind wahrgenommen.

Im Guten bestärken: „Ich habe gesehen, wie du aufgestiegen bist. Da warst du noch ganz im Gleichgewicht und hast dich dann auch gut am Lenker festgehalten. Hast du das gemerkt? Also ich habe es deutlich gesehen.“ Der Blick des Kindes wird wieder auf seine Stärke gelenkt.

Mit dem dritten Schritt, der Herausforderung, gibt man dem Kind ein realitätsnahes Bild. „Wie könntest du dich verbessern?“, „Soll ich dir helfen?“, „Komm, wir üben zusammen, damit es besser klappt.“

Bei all diesen Bemühungen steht im Vordergrund eine Kohärenz zwischen Stärken und Schwächen und zwischen der Wahrnehmung der Außenwelt als Freund und Feind.

Das bis jetzt Beschriebene war ein winziger und doch so praktisch anwendbarer Bruchteil von dem, was wir gelernt haben. Weitere Themen wie gesunde Vaterschaft, Grenzen setzen, Selbstwert und Konfliktverhalten wurden auch ausführlich behandelt. Wenn euch das noch tiefer Interessiert, dann kommt doch nächstes Mal auch vorbei.

Besonders für die Betreuer in Ferienlagern und alle im pädagogischen Bereich arbeitenden, aber auch für alle Väter und Priester, war dieses Wochenende wertvoll.

Über all unseren Überlegungen stand das Bewusstsein, dass Kinder kindlich denken und wir uns, wenn wir mit ihnen arbeiten, auf ihre Welt einlassen müssen.