Rundbrief der KJB Deutschland im August

Liebe KJBler,

wer im Neuen Testament den Jakobusbrief aufschlägt, stolpert schnell über einen Abschnitt, in dem der Apostel in drastischen Worten über die Zunge schreibt, zum Beispiel: „Auch die Zunge ist ein Feuer. Als eine Welt von Unrecht stellt sich die Zunge dar unter unseren Gliedern; sie befleckt den ganzen Leib und bringt unser Lebensrad in Brand, indes sie selbst von der Hölle in Brand gesetzt ist“ (Jak 3, 6). Jakobus will damit nicht sagen, dass die Zunge ein in sich schlechter Körperteil sei, im Gegenteil, aber dass sie sehr häufig zur Ursache vieler Sünden werde. Aber können wir mit unseren Worten wirklich so viel sündigen? Als ich etwas tiefer grub, war ich überrascht, wie oft in der Heiligen Schrift davon die Rede ist. In demselben Brief schreibt Jakobus etwas früher: „Wenn einer meint, gottesfürchtig zu sein, seine Zunge aber nicht im Zaume hält, sondern sein eigenes Herz betrügt, dessen Frommsein ist wertlos“ (Jak 1, 26). Oder zwei von vielen Beispielen aus dem Alten Testament: „Gleich einem Schwertstich wirkt das Reden mancher, doch Heilung bringt der Weisen Zunge“ (Sprüche 12, 18). „Bewahre vor Bösen deine Zunge und deine Lippen vor falscher Rede“ (Psalm 34, 14). Selbst Christus warnt uns: „Über jedes unnütze Wort, das die Menschen reden, haben sie Rechenschaft zu geben am Tag des Gerichtes“ (Matthäus 12, 36).

Wir sehen, wie wichtig es ist, was wir sagen und wie wir es sagen. Mit unseren Worten können wir offensichtlich viel Gutes und viel Schlechtes tun. Aber da wir in der Regel über den Tag hinweg sehr viel reden und oft, ohne vorher über unsere Worte nachzudenken, so sind uns die Folgen unserer Worte oft nicht bewusst. Häufig und schnell verlieren wir uns in sinnlosem Geschwätz und Tratsch oder sogar Lästereien oder Verleumdungen.

Wie wir mit unseren Worten umgehen müssen, ist ein großes und schwieriges Thema, das im achten Gebot („Du sollst kein falsches Zeugnis geben wider deinen Nächsten“) zusammengefasst wird, aber für die konkrete Anwendung erklärt werden muss. Dazu finden wir in den Katechismen viele Informationen, die hier nicht alle wiedergegeben werden können, aber sich für die eigene Lektüre empfehlen, zum Beispiel im Römischen Katechismus (S. 335–344) oder im Katechismus vom heiligen Thomas von Aquin (S. 246–252). Letzterer untersucht zudem ausführlich die schlechten verbalen Gewohnheiten wie etwa Verspottung oder Verleumdung (Summa Theologiae II–II, 72–76). Der Basler Katechismus (Nr. 396–399) weist darauf hin, dass Gott von uns im achten Gebot nicht nur fordert, die Wahrheit zu sagen, sondern auch, unseren Nächsten zu ehren, weil dieser als Gottes Ebenbild ein Recht darauf hat. Gegen die Ehre des Nächsten sündigen wir, wenn wir

  • ohne Grund von ihm Böses vermuten („Falscher Argwohn“),
  • ohne Grund über ihn schlecht urteilen („Freventliches Urteil“),
  • ohne Grund dessen tatsächliche Fehler weitersagen („Ehrabschneidung“),
  • Fehler behaupten, die er nicht begangen hat („Verleumdung“),
  • etwas über ihn erzählen, um Zwietracht zwischen ihm und seinen Freunden zu säen („Ohrenbläserei“).

Im Basler Katechismus wird zudem betont, dass man den verursachten Schaden wiedergutmachen muss und dass auch die Bewahrung von Geheimnissen zum achten Gebot gehört. Er enthält auch eine Liste an Fragen zur Erforschung des eigenen Gewissens.

Warum schreibe ich eigentlich über dieses Thema? In jeder Gruppe oder Organisation kommt es vor, dass gegen das achte Gebot verstoßen wird. Auch in der KJB. Aber gerade wir, die die Ideale der christlichen Persönlichkeit und der tätigen Nächstenliebe anstreben, müssen uns darum bemühen, in einer tugendhaften Weise mit- und übereinander zu sprechen. Aber auch wenn uns diese Laster nicht betreffen sollten, müssen wir uns überlegen, wie wir mit unseren Worten umgehen. Ist das, was wir reden, immer sinnvoll oder hilfreich? Denn es reicht nicht aus, unserem Nächsten mit unseren Worten nicht zu schaden.

Im Sinne der Nächstenliebe sollen wir mit unseren Worten Gutes tun: „Kein böses Wort komme aus eurem Mund, sondern nur ein gutes, das erbaut, wo es nottut, damit es denen, die es hören, Segen bringe“ (Eph 4, 29). Dazu kann eben auch gehören, jemanden im persönlichen Gespräch auf seine Fehler aufmerksam zu machen. Nicht umsonst ist es ein Werk der Barmherzigkeit, die Sünder zurechtzuweisen. Wenn es der Person hilft, sich zu bessern oder andere vor Schaden bewahrt, kann es auch nötig sein, tatsächliche Fehler öffentlich zu machen. Um allerdings genau diese konkreten Situationen und einzelne Aspekte richtig einschätzen und beurteilen zu können, müssen wir die Prinzipien unseres Sprechens kennenlernen, die wir in den Katechismen finden, und uns darin üben, sie auf unsere alltäglichen Worte anzuwenden. Beten wir zudem nicht nur vor wichtigen Gesprächen, sondern auch am Morgen zum Heiligen Geist und zur Gottesmutter, dass sie uns die richtigen Worte in all unseren alltäglichen Gesprächen eingeben werden. Machen wir auch unsere Zunge zu einem Werkzeug echter Freundschaft und christlicher Nächstenliebe!

Es lebe Christus, der König!

Im Gebet verbunden,

Moritz