Rundbrief der KJB Deutschland im Februar

Liebe KJBler,

die Krisen unserer Zeit sind in vielerlei Hinsicht einzigartig. Ein historischer Vergleich ist wertvoll, um Inspirationen und Vorbilder zu sammeln. Es zeigt sich aber auch die Besonderheit der heutigen Zeit. In diesem Sinne möchte ich trotz allen Ungenügens einen Vergleich mit dem Europa des Frühmittelalters ziehen. Der Untergang des Römischen Reiches, die Zerstörung römischer Städte, ein sittlicher Niedergang, die Wirren der Völkerwanderung, ein Zerfall der staatlichen Strukturen bei gleichzeitiger zunehmender Bürokratisierung und weitere Probleme prägten Europa in den Jahren 600 bis 800.

In der Enzyklika „Fulgens radiatur“ schreibt Papst Pius XII. über diesen Zeitraum: „Und gerade wenn die Feinde heftiger gegen das Christentum anstürmen, wenn das geheimnisvolle Schifflein Petri von gewaltigeren Wogen geschüttelt wird, wenn schließlich alles zu wanken scheint und keine Hoffnung auf menschliche Hilfe mehr in Aussicht steht, dann zeigt sich Christus als Bürge, als Tröster und als Kraftspender von oben; dann ruft er neue Kämpfer auf den Plan, um die katholische Sache zu schützen, wiederherzustellen und ihr mit huldvoller Hilfe der göttlichen Gnade sogar zu größerem Gedeihen zu verhelfen.“ Einer der wichtigsten neuen Kämpfer dieser Zeit war der heilige Benedikt von Nursia, den Pius XII. aufgrund seiner zahlreichen Klostergründungen und seiner einflussreichen Ordensregel als „Vater des abendländischen Mönchtums“ und „leuchtenden Stern im Umbruch der Zeiten“ bezeichnet. Die Klöster bildeten in den darauffolgenden Jahrhunderten ein dichtes Netz aus Orten, an denen das soziale Christkönigtum im Kleinen, inmitten einer unchristlichen Welt, verwirklicht wurde. Die Klöster waren Orte des Gebetes, der Liturgie, der Kunst und Musik, der Philosophie, Theologie und Literatur. Die Mönche gründeten Schulen und Universitäten, betrieben naturwissenschaftliche Forschungen und waren handwerklich und landwirtschaftlich tätig.

Noch einmal Pius XII.: „Während ringsumher Unwissenheit und Laster alles verdunkelten und verschütteten, strahlte von jener Bergeshöhe ein neues Licht aus, das nicht nur durch die Weisheit der alten Kultur und Zivilisation, sondern auch durch die christliche Lehre genährt wurde, die irregeleiteten Völker und Stämme erleuchtete und sie wieder zur Wahrheit und auf den rechten Weg zurückführte.“

Was können wir vom heiligen Benedikt, dem Patron Europas, und seinen Mönchen für unseren Kampf lernen? Sie haben nach vorne geschaut und konstruktiv an der Zukunft gebaut. Sie haben sich nicht der falschen Illusion hingegeben, die vom Unglauben zersetzten gesellschaftlichen Institutionen zurückgewinnen zu können. Stattdessen haben sie mutig und entschlossen begonnen, eine Gegenkultur aufzubauen. Eine Christenheit, die ausgeht von kleinen, organisch und langsam wachsenden lokalen Zentren. Ein katholisches Abendland, das seinen Anfang nimmt in Klöstern und Kirchengemeinden, in Schulen und Unternehmen, in Studienkreisen, Gesangsrunden, Ateliers, Werkstätten und apostolischen Gruppen. Veränderung beginnt im Kleinen, aber nur dort, wo auch der Wille zur Veränderung vorhanden ist. Und das beinhaltet auch den Willen, sich nicht vom liberalen Zeitgeist anstecken zu lassen und sich vom gottlosen Mainstream abzugrenzen. Es beinhaltet auch den Willen, zeitliche und finanzielle Opfer zu bringen, ein verstärktes Gebetsleben zu pflegen, die katholische Soziallehre und die Kirchengeschichte zu studieren und nicht darauf zu warten, bis irgendjemand irgendein Projekt auf die Beine stellt, sondern es selbst zu tun.

In „Sie haben Ihn entthront“ schreibt Erzbischof Marcel Lefebvre: „Es gilt zu bauen, während die anderen einreißen. Es gilt die eingestürzten Festungen wieder aufzubauen, die Bastionen des Glaubens neu aufzumauern.“ Diese Haltung ist kein Rückzug ins Ghetto, kein „Kopf in den Sand stecken“, kein „Nach mir die Sintflut“ – im Gegenteil. Es ist die realistische Einschätzung, dass wir den derzeitigen Kulturkampf verloren haben. Und anstatt immer in der Defensive zu verharren und Rückzugsgefechte zu führen, müssen wir aktiv und zielgerichtet vor Ort als „Salz der Erde“ und „Licht der Welt“ (Matthäus 5,13f) wirken, so wie es Benedikt, seine Mönche und so viele Heilige mit und nach ihnen uns vorgelebt haben.

Und wer glaubt, mit den bisherigen Gemeinden der Tradition und den KJB-Gruppen sei schon alles getan, der hat sich schwer getäuscht. Viel zu sehr haben wir uns bereits vom weltlichen, liberalen Denken anstecken lassen und viel zu wenig haben wir uns bisher mit unseren Fähigkeiten und Talenten in den Aufbau einer katholischen Gegenkultur eingebracht. Viel zu häufig sind wir alle nur Konsumenten anstatt Produzenten. Wenn wir glauben, das Kreuz dieser antichristlichen Gesellschaft sei gar nicht so schwer, sind wir von dieser bereits zu sehr beeinflusst. Was wir angesichts dieses Kreuzes brauchen, ist die Hoffnung auf eine neue Christenheit und den Willen, uns tatkräftig an diesem Neuaufbau zu beteiligen. Wenn wir wollen, können wir als KJB der Nährboden für diesen Neuaufbau sein. Mit Gottes Hilfe und durch Benedikts Fürsprache.

Es lebe Christus, der König!

Im Gebet verbunden,

Moritz