Rundbrief der KJB Deutschland im Juli

Liebe KJBler,

zwei Dinge sind in der heutigen Zeit besonders selten zu finden: Prinzipien und deren Kommunikation durch eine klare, eindeutige Sprache. Prinzipien sind Ursprünge und Grundlagen von Ideen, Konzepten, Strategien, Handlungen etc. Die unveränderliche Lehre der römisch-katholischen Kirche, wie man sie in den vorkonziliaren Katechismen zusammengefasst findet, beruht auf den zwei Quellen der göttlichen Offenbarung: Die Heilige Schrift und die mündliche Überlieferung. Auf der Lehre der Kirche wiederum beruht alles, was uns im „katholischen Alltag“ begegnet: Die Liturgie, Gebete, Gesänge, Kunstwerke, Bräuche etc. Diese Dinge sind also kein Selbstzweck, sondern sind ein Ausdruck der katholischen Lehre. Fußen sie nicht auf den Prinzipien der Wahrheit, verlieren sie ihren Wert. Kardinal Pie (1815 – 1880) schrieb treffend, dass unser heutiger Kampf vor allem ein Kampf um die Lehre ist und dass unser Widerstand gegen den Irrtum vor allem darin besteht, uns in der wahren Lehre zu bilden (Heilige Schrift, Katechismus, Enzykliken). Nur so können wir den Versuchungen durch falsche Lehren widerstehen.

UnbenanntMoment – Irrtum? Ja, Irrtum! Wenn es etwas gibt, das objektiv wahr ist, dann gibt es auch etwas, dass objektiv nicht wahr, also falsch ist. Wenn es Wahrheit gibt, gibt es Irrtum. Wie das Böse ein Mangel am Guten ist, so ist der Irrtum ein Mangel an Wahrheit. Wir benötigen also absolute Treue zu den Prinzipien, um nicht dem Irrtum zu verfallen. Zudem benötigen wir den Mut, diese unbequemen Tatsachen auszusprechen. Allzu oft ist heute das Gegenteil der Fall: Im persönlichen Alltag sowie in Gesellschaft und Kirche findet man viel Zögern, Unentschlossenheit und mehrdeutige, wachsweiche Aussagen. Es gibt nur noch Meinungen. Die „Generation Maybe“ will keine Kante zeigen und kann keine Konflikte austragen.

Dieser Relativismus führt nicht nur dazu, dass es keine reifen Persönlichkeiten und Autoritäten mehr gibt, sondern hat tiefgreifende Folgen für das Heil vieler Seelen. Der Mangel an Prinzipien hat überhaupt erst zum großen Glaubensabfall der Völker und zur Krise der Kirche geführt. Wenn Christus heute nicht mehr König sein darf, dann vor allem, weil so viele entscheidende Personen in Kirche und Welt ihre Prinzipien aufgegeben haben. Und: Weil diejenigen, die die Wahrheit erkannt haben, sich nicht trauen, sie ohne Kompromisse und Abstriche zu verkünden. Doch gerade von diesen fordert Christus absolute Klarheit: „Euer Jawort sei vielmehr ein Ja, euer Nein ein Nein. Was darüber ist, das ist vom Bösen.“ (Mt 5, 37)

Auch in der katholischen Tradition sind viele der falschen Auffassung, das Apostolat müsse besonders „soft“ gestaltet werden, um erfolgreich zu sein. Das führt meistens dazu, dass man wichtige, aber unbequeme Punkte der Wahrheit verschweigt oder überhaupt keine Kritik am Irrtum übt, weil dies zu sehr anecken könnte. Aber wie bereits der hl. Papst Felix III. (6. Jh.) betonte: Den Irrtum nicht zu bekämpfen, heißt, ihn zu akzeptieren und die Wahrheit nicht zu verteidigen, heißt, sie zu unterdrücken. Wenn wir also treue und mutige Streiter des Christkönigs sein wollen, führt kein Weg daran vorbei, die Wahrheit voll und ganz zu verkünden und den Irrtum voll und ganz zu bekämpfen. Es gibt keine andere Möglichkeit. Das wird provozieren, das wird Widerspruch und sogar Feindseligkeit hervorrufen. Aber nichts anderes hat uns Christus vorhergesagt (Joh 15, 18 – 21). Der Weg der Wahrheit ist der Weg des Kreuzes und somit ein harter Weg, aber nur dieser Weg führt zur Heiligkeit.

Außerdem wird erst dann das Apostolat erfolgreich sein: Niemand braucht noch weitere harmoniesüchtige „Softies“, prinzipienlose Langweiler oder bürgerliche Opportunisten! Wer hingegen selbstbewusst und konsequent die oft unangenehme Wahrheit verkündet und lebt, wird Interesse wecken und Faszination ausüben. Anders zu sein, ist kein Selbstzweck. Aber vor allem in heutiger Zeit ist es für einen glaubenstreuen Katholiken notwendig, sich von der grauen Masse zielloser Mitläufer abzuheben, um sich selbst nicht anzustecken und andere als Vorbild zur Wahrheit zu führen.

Doch genau dieses Verhalten fehlt uns! Wir müssen also aufhören, über die vermeintliche Stärke der Gegner zu jammern, sondern anfangen, unsere eigene Schwachheit zu bekämpfen. Schon Pius XI. kritisierte in „Quas Primas“ die „Gleichgültigkeit und Furchtsamkeit der Guten […], die des Kampfes sich enthalten oder nur schwachen Widerstand leisten.“ Die Wurzel dieses Problems ist eben das fehlende Verständnis der Prinzipien und der fehlende Mut, sie klar und deutlich in die Welt zu rufen! Unsere Aufgabe ist somit eindeutig: Unsere Prinzipien, also die Wahrheit der katholischen Lehre, kennen und lieben lernen, sie ohne Kompromisse zur Sprache bringen und dadurch den Irrtum bekämpfen! Jeder Einzelne, der sich dazu entschließt, setzt einen weiteren Grundstein für das Christkönigtum!

Es lebe Christus, der König!

Im Gebet verbunden,
Moritz