Rundbrief der KJB-Deutschland im Juni

Liebe KJBler,

mit 24 Jahren führte Don Juan de Austria die Flotte der Heiligen Liga zum Sieg in der Seeschlacht von Lepanto. Mit 22 Jahren überzeugte der heilige Bernhard etwa 30 Verwandte und Freunde, mit ihm den Zisterziensern beizutreten und bereits drei Jahre später gründete und leitete er das Kloster Clairvaux. Mit nur 13 Jahren durfte José Sánchez del Río in den Kämpfen der Cristeros das Banner tragen und erlitt zwei Jahre später das Martyrium. Bevor sie mit nur 24 Jahren verstarb, hatte die heilige Thérèse von Lisieux in der Zurückgezogenheit des Karmels einen herausragenden Grad der Gottes- und Nächstenliebe erreicht.

Diese Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Wir finden in der Geschichte viele bekannte Helden und Heilige, die bereits in jungen Jahren viele gute Taten vollbracht oder einen hohen Tugendgrad erreicht hatten. Auf ihre Jugendzeit kann man die Worte des katholischen Schriftstellers Paul Claudel anwenden: „Ne croyez pas ceux qui vous diront que la jeunesse n’est point faite pour le plaisir, elle est faite pour l’héroïsme. Ne croyez pas que vous serez diminué, vous serez au contraire, merveilleusement augmenté. C’est par la vertu que l’on est un homme.“ Die Jugend ist die Zeit des Heldentums und der Tugend! Sicher, viele von ihnen waren noch nicht vollkommen, etwa Juan de Austria hatte nicht wenige Fehler. Aber sie wollten ihre Lebenszeit maximal nutzen, ihr Leben aufopfern. Sie fanden höchste Erfüllung darin, ganz nach dem Vorbild Christi zu dienen – Gott, der Kirche, ihrer Heimat! In den Augen der Welt gingen sie ein hohes Risiko ein, sie setzten ihren Ruf und oft sogar ihr Leben aufs Spiel, um einer höheren Sache zu dienen, die mit keinem Ansehen oder Geld der Welt aufzuwiegen ist und von der Welt womöglich verlacht oder bekämpft wird. Aber sie wussten, dass es dieses Risiko wert ist, weil sie dadurch erst das eigentliche, das ewige Leben finden werden, wie es Christus selbst versprochen hat (Matthäus 16,25).

Aber was bedeutet das alles für uns? Helden und Heilige sollen unsere Vorbilder sein, das hören wir ja ständig. Aber dennoch erscheinen sie unerreichbar und unnahbar für uns. Wir kämen nicht auf die Idee, uns mit ihnen zu vergleichen und ähnlich große Taten ins Auge zu fassen. Ich, ein Held, ein Heiliger? Niemals! Aber woher kommt unsere Zaghaftigkeit? Ich persönlich glaube, dass wir heutige Katholiken häufig Kleinmut und Kleingläubigkeit mit Demut sowie Großmut mit Stolz und Eitelkeit verwechseln. In der Folge fehlen uns also echter Großmut und echte Demut. Diese beiden Tugenden gehören zusammen, auch wenn gerade der Großmut heute sehr unbekannt ist. Großmut bedeutet laut dem heiligen Thomas von Aquin, „[…] daß der Mensch sich großer Dinge für würdig hält im Hinblick auf die Gaben, die er von Gott besitzt“ (ST II II, q. 129, a. 3, ad 4.).

Hierzu eine Bemerkung: Natürlich, um in den Himmel zu kommen, muss man es nicht in die Geschichtsbücher schaffen oder weltberühmt sein. Wer weiß, wie viele Heilige uns gar nicht bekannt sind, weil sie im Stillen und Verborgenen wirkten? Mit großen Taten und Werken ist gemeint, dass sie vor Gott groß sind, nicht vor der Welt. Das Fatale an dieser häufigen Verwechslung ist, dass wir dadurch auch die andere Tugend falsch verstehen. Denn Großmut und Demut gehören zusammen. Durch sie wünschen und bemühen wir uns, Großes für und durch Gott zu vollbringen und wissen, dass wir es nicht aus uns selbst können. Bei allen Heiligen, ob bekannt oder nicht, können wir sehen, wie Demut und Großmut Hand in Hand gingen. Verwechseln wir aber Großmut mit Stolz, so lassen wir uns im Gegenzug von einer falschen Demut leiten, die in Wahrheit Kleingläubigkeit ist. Diese zeigt sich oft in einer falschen Zufriedenheit mit dem Mittelmaß: Warum sollten wir noch mehr beten, noch mehr lesen, uns noch mehr engagieren? Immerhin tun wir ja schon mehr als der Rest der Gesellschaft. Immerhin gehen wir in die alte Messe. Sonst halten wir uns zurück. Wir sind eben bescheiden. Gott wird’s schon richten. Diese pharisäische Haltung zeigt einen Mangel an Glauben, Hoffnung und Liebe und an übernatürlichem Geist. Christus selbst kritisierte die Apostel für eine ähnliche kleingläubige Haltung (Matthäus 14, 29–31, Lukas 8, 22–25).

Besonders wir, die Jugend, dürfen uns nicht mit Mittelmäßigkeit und Kleingläubigkeit zufriedengeben. Unabhängig davon, welchen Stand und Beruf wir wählen, müssen wir unser Leben für und durch Gott zu etwas Großem machen. Wir müssen danach streben, großmütige und demütige Helden und Heilige zu werden. Unser Maßstab ist das Leben Jesu Christi. Wir brauchen eine Jugend, die ihre Kraft, Zeit und Talente in den guten Kampf steckt, die Gott, Kirche und Heimat verteidigt und die das Risiko eingeht, für ihre Überzeugungen verlacht, verspottet oder verfolgt zu werden. Unsere Zeit braucht Helden und Heilige. Unsere Zeit braucht keine weiteren langweiligen und braven Steuerzahler, Sesselfurzer, Shoppingqueens und Smartphone-Suchties. Bitten wir daher oft den Heiligen Geist um die echten Tugenden des Großmutes und der Demut, lesen wir über das Leben der Helden und Heiligen, suchen wir uns natürliche und übernatürliche Herausforderungen und umgeben wir uns mit Menschen, die ebenfalls große Taten und Werke im Sinn haben!

Es lebe Christus, der König!

Im Gebet verbunden,

Moritz