Rundbrief der KJB Deutschland im November

Liebe KJBler,

wer schon einmal „Herr der Ringe“ gelesen hat (wer nicht, sollte dies nachholen), wird sich vielleicht an die Stelle in „Die Rückkehr des Königs“ erinnern, in der das Reitervolk der Rohirrim die Orks vor der Stadt Minas Tirith angreifen. Der Soldat Éomer sieht seinen gefallenen Onkel, den König Théoden, und daneben seine schwer verwundete Schwester Éowyn. Ein riesiger Schmerz  überkommt ihn, er hebt den Kopf und brüllt unter anderem mehrfach „Tod“ über das Schlachtfeld, bevor er sich wieder mit seinen Männern in den Kampf gegen die Orks stürzt. Man wird sich vielleicht fragen: Warum ruft er „Tod“? Und warum stimmen seine Soldaten mit ein? Ähnliche Stellen findet man nicht nur öfters in „Herr der Ringe“, sondern auch in vielen Schlachtbeschreibungen anderer Sagen oder Märchen. Wir müssen festhalten: All das hat nichts mit Selbstmordgedanken, Todessehnsüchten oder selbstzerstörerischer Verzweiflung zu tun. Aber was bedeutet es dann? Nutzen wir den Allerseelenmonat November für eine etwas andere Betrachtung des Todes.

Der Tod hier auf Erden ist eine Tatsache, eine Gewissheit. Wir wissen nicht, wann er kommt und wie er kommt, wir wissen nur, dass er kommt. Und das bereitet uns verständlicherweise Furcht. Wann wird es passieren? Wird es schmerzvoll oder schnell und leicht sein? Was genau erwartet uns danach? Bis zum Beginn der Moderne haben die Menschen immer den Tod vor Augen gehabt und ihn als das Ende des irdischen und den Beginn eines ewigen Lebens begriffen. Dieser grundlegende Gedanke ist furchteinflößend, er lässt uns demütig werden. Aber er ist nicht lähmend oder zum Verzweifeln. Im Gegenteil, er ist inspirierend und motivierend. Seit jeher wussten die Menschen, dass sie ihre begrenzte Lebenszeit gut und sinnvoll nutzen sollten.

Dementsprechend sahen sie die Notwendigkeit, ihre Pflichten zu erfüllen, aber waren zudem motiviert, große Werke und Taten zu vollbringen. Wir finden diese Gedanken bereits in den Erzählungen, Bauwerken, in der Kunst und Musik der vorchristlichen Zeit und dann natürlich besonders in der Christenheit wieder. Im Gegensatz dazu verdrängt der Mensch der Moderne den Tod oder maßt sich sogar an, ihn besiegen zu können. Sein ernsthafter Wunsch, das Paradies auf Erden errichten und darin ewig leben zu können, lässt ihn überheblich, ignorant und blind für die Wahrheit werden.

Zurück zu Éomer. Er und die anderen Rohirrim wissen, dass sie jede Sekunde durch ein Schwert oder einen Pfeil sterben können. Sie wissen aber auch, dass dieser Tod nicht umsonst wäre, sondern dass sie im Kampf für ihre Heimat und ihre Lieben gefallen wären. Welcher Tod könnte verdienstvoller sein? „Eine größere Liebe hat niemand, als die, daß er sein Leben für seine Freunde hingibt“ (Johannes 15, 13). Ihr Leben besitzt also einen tiefen Sinn und somit auch ihr Leiden und Sterben. So erkennt selbst Friedrich Nietzsche: „Hat man sein Warum des Lebens, so verträgt man sich fast mit jedem Wie.“ Dieser Sinn lässt sie mutig und grimmig dem Tod ins Angesicht lachen. Dieser Sinn lässt sie zwar nicht furchtlos werden, aber ihre Furcht überwinden. Wir sehen diese Haltung bei all jenen Männern und Frauen der Geschichte, die für ihre Familie, ihre Heimat, ihre Könige und für Gott und die Kirche ihr Leben ließen. Sie wussten, dass ihr Tod im Einsatz für das Gute im Jenseits übergroß belohnt werden wird: „Selig der Mann, der in der Versuchung standhält. Wenn er sich bewährt hat, wird er die Krone des Lebens empfangen, die der Herr denen verheißen hat, die ihn lieben“ (Jakobus 1, 12). „Den Sieger werde ich mit mir auf meinem Throne sitzen lassen, wie auch ich als Sieger mit meinem Vater auf seinem Throne sitze“ (Offenbarung 3, 21).

Was heißt das für uns? Nutzen wir den November, um häufig für Sterbende, Arme Seelen und für eine eigene gute Sterbestunde zu beten! Besuchen wir die Friedhöfe! Besinnen wir uns auch von neuem darauf, dass auch wir eines Tages sterben müssen und dass dieser Tod umso leichter und umso verdienstvoller wird, wenn wir unserem Leben einen Sinn geben. Das heißt nicht, einfach „nur“ am Sonntag in die heilige Messe zu gehen oder hin und wieder zu beten. Das heißt, sich in Wort und Tat, in Gebet und Aktion, ganz und gar dem Kampf für das Gute hinzugeben.

Das heißt, sich täglich bewusst zu machen, dass wir heute die Chance haben, unseren Lieben, unserer Heimat, der Kirche und Gott zu dienen und ihnen Ehre zu erweisen. Und wenn dann Anfeindungen und Gefahren drohen, dann können wir standhalten, dann können wir wie Éomer und seine Soldaten unsere Treue, unseren Glauben, unsere Liebe und unsere Hoffnung beweisen. Und im Falle unseres Todes können wir dann mit dem heiligen Paulus sprechen: „Denn ich bin schon daran, geopfert zu werden, und die Zeit meiner Auflösung ist nahe. Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt. Nunmehr ist mir die Krone der Gerechtigkeit hinterlegt, die mir an jenem Tage der Herr, der gerechte Richter, verleihen wird; aber nicht allein mir, sondern allen denen, welche seine Ankunft in Liebe ersehnt haben“ (2 Timotheus 4, 6ff).

Es lebe Christus, der König!

Im Gebet verbunden,

Moritz