Rundbrief der KJB Deutschland im Oktober

Liebe KJBler,

viele Katholiken glauben, die Wiederherstellung des sozialen Christkönigtums bestehe darin, dass am Sonntag einfach die meisten Menschen zur heiligen Messe gingen und beteten, aber das öffentliche Leben unserer Gesellschaft einfach so weiterliefe wie bisher, ohne allzu große Veränderungen. Tatsächlich würde sich aber unser privates wie das öffentliche Leben von Grund auf ändern. Denn so wie sich die moderne Welt in all ihren Bereichen aus der grundsätzlichen Abkehr von Gott und seinen Geboten speist, so auch umgekehrt eine katholische Gesellschaft aus ihrer Anbetung Gottes. Dies können wir ja leicht bei einem Vergleich der früheren christlichen Jahrhunderte und der heutigen modernen Welt feststellen. Es ist also von größter Wichtigkeit, dass wir das Christkönigtum als eine ganzheitliche, das heißt allumfassende Sache betrachten.

Nehmen wir ein konkretes Beispiel: Die Schönheit. Bereits der vorchristliche Philosoph Sokrates erkannte, dass es einen Zusammenhang der drei Eigenschaften des „Wahren, Schönen, Guten“ geben müsse. Etwas kann nur eine echte Schönheit besitzen, wenn es auch wahr und gut ist. Wir können das selbst in der vorchristlichen Antike bestaunen. Die Menschen dieser Zeit besaßen zwar noch nicht die Gnade Gottes, aber sie wussten, dass sie ihr Leben auf etwas Übernatürliches, Göttliches auszurichten hatten. In diesem Sinne sind auch die großen Werke der Antike entstanden, die wir heute noch bewundern, seien es der Parthenon auf der Akropolis, die Pyramiden von Gizeh oder die Ilias von Homer.

Die Krönung sehen wir dann in der begnadeten Kultur des europäischen Mittelalters, die sich in allen Bereichen des Lebens darum bemühte, Gott die größte Ehre zu geben. An allererster Stelle im privaten und öffentlichen Leben stand Gott und alles, was getan und geschaffen wurde, sollte sich wenigstens indirekt auf ihn beziehen. In der Folge wurde eine einzigartige, schöne und erhabene Kultur geschaffen: Die Kirchen und Kathedralen der Romanik, Gotik, Renaissance und Barock, die Buchmalerei, die Gedichte, Balladen und Symphonien, der gregorianische Gesang, die Skulpturen und Gemälde und vieles mehr. Und damit sind nicht nur die großen, bekannten Werke gemeint, sondern auch die kleinen, einfachen Werke, die den Alltag prägten und ebenfalls diesem Bezug auf das Übernatürliche entsprangen.

Im Gegensatz: Die Abkehr von Gott und seinen Geboten, das Zurückdrängen des Glaubens in die Privatsphäre und die Entwicklung naturalistischer und relativistischer Philosophien in der Moderne veränderte die gesamte Kultur. Da nun das Wahre und Gute nicht mehr Bezugspunkt ist, ist es eben – ob nun bewusst oder nicht – das Böse. Damit wird auch keine echte Schönheit mehr geschaffen, sondern Hässliches: Wir verschandeln unsere Städte mit eintönigen Glas- und Betonklötzen und grotesken Skulpturen, hängen in die Museen Leinwände mit ein paar verworrenen Pinselstrichen, entstellen klassische Theater- und Opernstücke und kleiden uns unsittlich und unangebracht, um nur ein paar Beispiele zu nennen. In seinem Film „Why Beauty matters“ sagt der Philosoph Sir Roger Scruton: „Im 20. Jahrhundert wurde Schönheit unwichtig, stattdessen wurde es immer mehr zum Ziel der Kunst, moralische Tabus zu brechen und zu zerstören, es war nicht Schönheit, sondern Originalität, die angestrebt wurde.“

Wenn wir ein Leben in Gottes Gegenwart führen möchten, so müssen wir auch unser Leben in Schönheit gestalten, uns mit Schönem umgeben. Wie gesagt, es geht dabei nicht immer nur um die großen Werke – wir können ja nicht in den Dom von Worms einziehen oder uns eines von Raffaels Altarbildern in unser Wohnzimmer hängen (zumindest kein Original). Es geht auch darum, in den kleinen, alltäglichen Dingen und unserem persönlichen Umfeld das Wahre und Gute und somit auch das Schöne zu suchen und hervorzubringen: Durch schöne und sittsame Kleidung, Musik, Gesang, Gedichten, Handwerk, Blumen, Bilder, die Pflege von lokalen Traditionen und Bräuchen etc. Es gibt unzählige Möglichkeiten, den Alltag in Schönheit zu gestalten, je nach Fähigkeit selbst schöpferisch tätig zu werden und sie zu verbreiten – das Apostolat der Schönheit ist oft unterschätzt, dabei so wirkungsvoll, weil es niedrigschwellig ist, die Seele leicht erhebt und so zum Nachdenken über Gott und den Glauben anregen kann.

Ähnlich wie das Gebet soll auch die Pflege, Schöpfung und Ausbreitung von Schönheit nicht noch eine weitere „lästige Pflicht“ auf unserer Liste, sondern zu einem Fundament unseres Alltages werden, in ihn und unsere Aufgaben einfließen und diese dadurch zu einem Gottesdienst erheben. Natürlich bedarf es dafür ein Bewusstsein und zu Beginn etwas Aufwand, aber mehr und mehr wird sich unser Denken und Handeln ganz natürlich nach dem Wahren, Schönen und Guten ausrichten. Dies wird schließlich in den ganz konkreten und praktischen Dingen unseres Lebens sicht- und fruchtbar werden. So setzen wir einen entscheidenden Grundstein für die Wiederherstellung des Christkönigtums und eine Gesellschaft, die ganz aus der Hingabe an Gott und seine Gebote lebt.

Es lebe Christus, der König!

Im Gebet verbunden,

Moritz