Rundbrief der KJB Deutschland im September

Liebe KJBler,

in einem Vortrag sagte ein Priester, man könne sich vorstellen, dass Adam, nachdem ihn Gott beauftragt hatte, den Tieren Namen zu geben, durch den Garten Eden gelaufen sei und Gott nach allem gefragt hätte: „Was ist das hier? Was ist das dort?“ Der Priester hielt inne und sagte: „‘Was ist das?‘ An dieser Frage kann man erkennen, ob noch ein Funken Leben in dem Menschen steckt!“ Der Priester wollte mit dieser Bemerkung sagen, dass es zum Wesen des Menschen gehört, zu fragen, sich zu interessieren für seine Umgebung, für den Gang der Welt. Und gerade in der heutigen Zeit sind Wissensdurst und Interesse (≠ Neugier) so wichtig. Wir leben in einer sehr verworrenen Zeit. Unsere Gesellschaften denken und handeln nicht katholisch und selbst auf das Urteil der kirchlichen Hierarchie können wir nicht blind vertrauen. Viele Verbindungen zur Tradition der Kirche wurden in den letzten Jahrzehnten gekappt, dass wir in vielen Fragen die katholische Position nicht mehr kennen. Nicht einmal dort, wo „alte Messe“ draufsteht, ist notwendigerweise die vollständige katholische Wahrheit drin. Um trotzdem den geraden Weg gehen zu können, müssen wir uns kontinuierlich weiterbilden und informieren, müssen wir uns interessieren und fragen.

Ob es uns gefällt oder nicht, wir kommen an der zweiten Säule der KJB, der Bildung, nicht vorbei. Wir müssen uns regelmäßig mit unserem Glauben in Katechismus und der Heiligen Schrift befassen, mit den Biographien der Heiligen und den Enzykliken der Päpste. Wir müssen die Ursachen der Kirchenkrise, das Wesen der Irrtümer und die Taktiken der Feinde der Kirche kennenlernen. Wir müssen das Wirken von Erzbischof Marcel Lefebvre verstehen. Papst Leo XIII. schreibt in der Enzyklika „Sapientiae christianae“: „Bei dieser traurigen Lage der Dinge muss jeder Christ vor allem darauf bedacht sein und dafür Sorge tragen, dass er den Glauben in seiner Tiefe erfasse und treu in seiner Seele bewahre, dass er sich vor Gefahren schütze (…). Überaus nützlich zur Bewahrung dieser Tugend und durch die Zeitumstände in hohem Grade geboten ist Unseres Erachtens ein sorgfältiges Studium der christlichen Wahrheit (…)“.

Es gibt heutzutage so viele Möglichkeiten, sich mit diesen Themen zu befassen – jeder nach seinen Möglichkeiten und Fähigkeiten. Es ist nur wichtig, dass wir es tun und zwar unser Leben lang. Dieses Wissen benötigen wir auch für unsere Zukunft, unabhängig davon, ob wir den geistlichen oder weltlichen Stand wählen: Wir werden es mit vielen Herausforderungen, Schwierigkeiten und Gefahren zu tun haben und müssen wissen, wie wir uns auf Basis des Glaubens zu entscheiden haben. Und das gilt umso mehr, wenn wir Verantwortung für andere tragen, etwa für eine Gemeinde oder eine Familie. Ebenso für das Apostolat: Wie wollen wir andere Menschen vom wahren Glauben überzeugen, wenn wir selbst nichts darüber wissen? Wir müssen in uns eine heilige Ungeduld entfachen, ein tiefes Interesse, der Wahrheit näher zu kommen, den Dingen auf den Grund zu gehen – nicht, damit wir stolz auf unser großes Wissen zeigen und damit angeben können, sondern damit wir Gott und seine Lehre besser kennen- und liebenlernen, auf dem Weg der Heiligkeit voranschreiten und alle uns Anvertrauten durch die Gefahren hindurch zum Himmel führen.

Dazu gehört auch, dass wir die Priester ruhig mit Fragen löchern dürfen! Dafür sind sie da. Dafür haben sie Telefon und E-Mail, dafür kann man sie einladen und dafür stehen sie am Sonntag nach der heiligen Messe auf dem Kirchhof. Stellen wir den Hirten Fragen, auch und vor allem wenn es vielleicht um unangenehme oder schwierige Themen geht. Jeder gute Seelsorger wird sich über das Interesse freuen.

Ich möchte abschließend noch einen Aspekt dieses Themas ansprechen, der sich vom obigen unterscheidet, aber aus einem ähnlichen Impuls entsteht: Wie oft sehen wir in den Gemeinden und auf KJB-Treffen Menschen, seien sie Neulinge oder nicht, die ohne Gesprächspartner sind? Dagegen: Wie oft verbringen wir die Zeit nach der Messe oder auf KJB-Treffen nur mit Menschen, die wir schon kennen? Natürlich, das ist leicht und bequem. Aber es ist eben oft zu bequem. Warum überwinden wir nicht unsere Menschenfurcht, Trägheit, Desinteresse oder Lieblosigkeit und gehen auf diese Menschen zu und sprechen mit ihnen? Würden wir uns das nicht auch selbst wünschen? Zum Einstieg kann einfacher Small Talk hilfreich sein, wodurch wir dem Gegenüber ein Beispiel christlicher Nächstenliebe geben. Ihm (persönliche) Fragen zu stellen, zuzuhören, ihn erzählen zu lassen – wie oft bewirkt das, auch in apostolischer Hinsicht, viel mehr, als ihn nichts zu fragen oder nur von uns zu erzählen! Auch wir gewinnen dadurch viel, wachsen in der Nächstenliebe und erweitern unseren Horizont.

Die digitale Medien- und Konsumwelt verführt uns dazu, passiv zu sein, uns berieseln zu lassen, nichts zu denken, nichts zu fragen, nichts zu tun. Reife, eigenständige, starke und letztlich heilige Persönlichkeiten werden wir allerdings nur, wenn wir aktiv werden, wenn wir die Initiative ergreifen, das Gespräch suchen (mit Gott wie dem Nächsten), lesen, uns bilden, aufmerksam und wachsam sind! Schieben wir es nicht auf, beginnen wir damit jetzt!

Es lebe Christus, der König!

Im Gebet verbunden,

Moritz