Rundbrief der KJB-Deutschland im April

Liebe KJBler,

wer derzeit in den „Schott“ blickt, stellt fest, dass jeder einzelne Tag der Fastenzeit eigene Messtexte besitzt, die den Geist der Fastenzeit auf besonders schöne Weise zum Ausdruck bringen. Man verspricht Gott, durch das Fasten für die eigenen Sünden zu büßen und bittet ihn um seine Gnade und Hilfe: „Gott, Du wirst durch die Sünde beleidigt und durch die Buße versöhnt; sieh gnädig auf das Gebet Deines flehenden Volkes und wende ab die Geißeln Deines Zornes, die wir für unsere Sünden verdienen.“ (Oratio vom Donnerstag nach Aschermittwoch) oder „Die Ängsten meines Herzens haben sich gemehrt; aus meinen Nöten rette mich, o Herr. Sieh an mein Elend und mein Leid: vergib mir alle meine Sünden.“ (Graduale vom Quatember-Mittwoch in der Fastenzeit) Gleichzeitig wird darum gebeten, gestärkt aus der Fastenzeit hervorzugehen: „Herr, höre gnädig auf unser Flehen und heile die Schwächen unsrer Seelen, damit wir nach erlangter Verzeihung uns immerdar Deines Segens erfreuen.“ (Oratio super populum vom Dienstag nach dem zweiten Fastensonntag)

Was können wir von diesen Texten lernen? Der Sinn der Fastenzeit ist es, durch Fasten, Gebet und Almosen Buße für unsere Sünden zu tun. Durch diese haben wir uns von Gott entfernt und wollen uns nun durch die Fastenzeit ihm wieder nähern, ihn wieder zum Mittelpunkt unseres Lebens machen. Unser letztes und wichtigstes Ziel ist es, die Wohnung im Himmel zu beziehen, die Christus für uns vorbereitet hat (Joh 14,2). Diesen Sieg gibt es nicht ohne Opfer. Christus hat dies uns vorgelebt: Seinem Triumph, die Auferstehung an Ostern, ging ein langer Leidensweg voraus. Die Botschaft: Kein Triumphzug ohne Kreuzweg. Dieser Gedanke ist gerade in der heutigen Zeit des Überflusses unerhört. In einer Gesellschaft, in der wir es gewohnt sind, alles, überall und jederzeit haben zu können, braucht man keine Geduld, keine Askese, kein Durchhaltevermögen. Diese Eigenschaften einer starken Persönlichkeit haben unsere Vorfahren und die Heiligen der Kirche ausgezeichnet. Wir haben diese Eigenschaften verloren, da wir uns zu sehr an die liberale Gesellschaft aus Apps und Gummibärchen angepasst haben. Daher blicken auch wir Katholiken meist nur ungern auf das Kreuz, das uns an das Leiden, Opfern und Beten erinnert. Wir Katholiken mögen die Fastenzeit nicht mehr. Sie nervt, stört, passt nicht ins Bild. Und doch ist sie da und wir brauchen sie mehr denn je. Die Fastenzeit ist der Kreuzweg, der zum Triumph führt. Das Opfer aus Liebe zu Gott, aus Liebe zur Wahrheit ist der Preis, den wir bezahlen müssen, wenn wir die ewige Seligkeit erlangen wollen.

Der heilige Paulus vergleicht uns daher mit den Sportlern, die einen Preis erlangen möchten (1 Kor 9,24 – 27): Sie trainieren hart, lange und opfern viel, damit sie am Tag des Wettkampfes siegen werden. Paulus sagt, dass wir Katholiken, die doch einen ewigen Preis erlangen möchten, noch viel mehr für diesen Preis arbeiten und kämpfen müssten. Genau dafür ist die Fastenzeit die ideale Gelegenheit. Die Fastenzeit ist unsere Trainingsphase, in der wir Körper, Geist und Seele wieder ganz auf Gott ausrichten können. Blicken wir in dieser Zeit weniger auf das, worauf wir verzichten, sondern mehr auf das, was wir gewinnen können. Während einer intensiven Trainingsphase verbrennt der Sportler Fett, legt an Muskeln zu, verbessert seine Ausdauer und Technik. Während der Fastenzeit „verbrennen“ wir schlechte Gewohnheiten oder Eigenschaften, üben uns in den Kardinaltugenden und Akten der Nächstenliebe, treten in eine engere Beziehung zu Gott, lernen ihn und die Wahrheit des katholischen Glaubens besser kennen und lieben. Wir können zu vorbildlichen und tugendhaften Persönlichkeiten reifen, die über ihre Trägheit und Lustlosigkeit gesiegt haben. Als solche streben wir danach, den Kampf nach außen zu tragen, uns für die bedrängte und unterdrückte Wahrheit einzusetzen und sie vor der Welt zu bekennen.

Wenn wir uns darauf fokussieren, welcher Gewinn die Fastenzeit darstellt, dann wird es uns hoffentlich nicht mehr so schwer fallen, die Opfer für Christus, den König, zu bringen. Dabei ist es auch wichtig, sich nach Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen, sondern die eigenen Vorsätze jeden Tag aufs Neue in Angriff zu nehmen. Hat es einmal nicht geklappt, so darf man nicht in einem Jammertal und in Selbstmitleid versinken, sondern muss sogleich das Ziel erneut in Angriff nehmen. Beim Sportler ist es ebenso: Hat der Boxer einen Kampf verloren, so hängt er die Handschuhe nicht an den Nagel, sondern trainiert weiter. Der Schweiß wird sich auszahlen, wenn er am Ende gesiegt hat. Ebenso zahlte sich Christi bitteres Leiden aus, als er am Ostersonntag von den Toten auferstanden ist. So hart sein Kreuzweg war, noch glorreicher war seine Auferstehung. Auch er hat auf dem Kreuzweg nicht aufgegeben, obwohl das Kreuz ihn drei Mal niedergedrückt hat, obwohl seine Jünger nicht bei ihm waren. Nehmen wir uns den leidenden Christus zum Vorbild, ebenfalls durchzuhalten, weiterzumachen, in dem Bewusstsein, dass jeder Sieg über den Teufel, über den Irrtum und über die Sünde ein weiterer Schritt hin zur Königsherrschaft Jesu Christi ist.

Es lebe Christus, der König!

Im Gebet verbunden,

Moritz