Rundbrief der KJB-Deutschland im April

Liebe KJBler,

betrachten wir in den Evangelien die Tage nach Ostern, nach der Auferstehung Christi, so stellen wir fest, dass die Apostel, wie bereits während der Passion, kleingläubig und verständnislos sind. Bis Christus ihnen mehrfach erschienen und Sein Werk der Erlösung erläutert hat, verstehen sie nicht den Sinn seines Leidens, Sterbens und Auferstehens. Sie betrachten die ganzen Geschehnisse der Karwoche und des Osterfestes rein natürlich und sind dementsprechend ängstlich (Lukas 24, 37), zweifelnd (Matthäus 28, 17) oder gänzlich ungläubig (Johannes 20, 25). Die Passion muss ihnen einen so großen Schrecken versetzt haben, dass sie sich in den darauffolgenden Tagen nicht mehr an die vorherigen Worte und Taten Jesu zu erinnern schienen. Es mangelte ihnen offensichtlich am übernatürlichen Geist. Sie sahen die Ereignisse nicht im Licht des Glaubens. Nun sind wir sicher versucht, uns zu wundern oder gar zu spotten, dass die Apostel Jesus und sein Werk immer noch nicht verstanden haben. Aber seien wir lieber nicht zu voreilig. Überlegen wir uns stattdessen, ob es nicht uns selbst häufig am übernatürlichen Geist mangelt.

Unser Alltag ist meistens vollgepackt mit vielen Arbeiten, Pflichten, Sorgen, Schwierigkeiten etc., sodass wir oft nur am Morgen und Abend an Gott denken und den Tag über Gott gänzlich vergessen (das zur Gewohnheit gewordene Tischgebet ausgenommen). Kleine alltägliche wie große Entscheidungen in Schule, Studium, Beruf etc. treffen wir oft nur auf Grundlage von rein natürlichen Kriterien. Gott und seine Gebote kommen dabei oft gar nicht vor. Selbst dann, wenn uns Sorgen oder Probleme plagen, vergessen wir oft, uns bereuend und bittend an Gott zu wenden. Es erscheint oft, als wäre unser Leben in einen natürlichen und einen übernatürlichen Bereich geteilt: Im übernatürlichen Bereich beten wir unsere „Standardgebete“ und gehen in die heilige Messe und im natürlichen Bereich spielt sich alles andere ab, wie oben beschrieben. Aber den Glauben zu leben, bedeutet, dass diese Trennung aufgehoben wird: Unser natürliches Leben muss von einem übernatürlichen Geist des Glaubens durchdrungen werden. Alle natürlichen Entscheidungen, Handlungen etc. erhalten durch die übernatürliche Perspektive eine neue Dimension, sie erscheinen uns im anderen Lichte. Wir betrachten sie dann nämlich vom göttlichen Willen und von unserem letzten und wichtigsten Ziel her, dem Himmel. Der Glaube ist die wichtigste göttliche Tugend und somit müssen wir alles andere in unserem Leben dem Glauben unterordnen.

In der Praxis beginnt das mit der Aufopferung des Tages und der täglichen Pflichten im Morgengebet, kurzen Stoßgebeten im Laufe des Tages vor einzelnen Aufgaben und der Frage nach der Umsetzung des göttlichen Willens in der abendlichen Gewissenserforschung. Auch vor großen natürlichen Entscheidungen können wir beten, Priester um Rat bitten und darüber nachdenken, welche Entscheidung aus übernatürlicher Sicht die beste ist. Gott muss der Mittel- und Zielpunkt unseres Lebens und unserer Handlungen und Entscheidungen sein. Die natürlichen Fragen werden dadurch nicht unwichtig, treten aber hinter den übernatürlichen zurück.

In einem Vortrag über das Apostolat kritisiert Erzbischof Lefebvre die Haltung, bei der man den Erfolg einer Handlung nur von der Organisation abhängig macht. Stattdessen müsse Christus zu der Luft werden, die wir atmen: „Wenn wir diese Lebensluft aufgeben, wenn wir uns eben durch die Organisation der Werke, durch die materiellen Aufgaben, die Aufgaben der Kontaktnahme und was weiß ich vereinnahmen lassen, dann wird ganz sachte, möchte ich sagen, der übernatürliche Aspekt der Arbeit verschwinden.“ Wenn die Überzeugung, Werkzeuge Gottes zu sein, langsam abnimmt, dann sind langfristig alle Werke zum Scheitern verurteilt.

„Sorget euch also nicht ängstlich und saget nicht: Was werden wir essen, was werden wir trinken, was werden wir anziehen? Denn nach all dem trachten die Heiden. Euer himmlischer Vater weiß ja doch, daß ihr dies alles brauchet. Suchet also zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, und dies alles wird euch dazu gegeben werden“ (Matthäus 6, 31–34). Diesen übernatürlichen Blick benötigen wir besonders angesichts der heutigen Krisen, die in Kirche und Welt so tiefgreifend sind, dass sie nicht mit natürlichen Mitteln zu überwinden sind. Gottes Eingreifen ist unerlässlich. Es mag vielleicht in Krisen nicht leicht sein, auf Ihn zu hoffen und zu vertrauen, aber gerade dann müssen wir darum Gott bitten. Es sind keine faulen Kompromisse, Verträge oder Verhandlungen mit dem Irrtum, die uns retten werden – weder im Kleinen, Privaten noch im Großen, Öffentlichen. Eine Handlung mag aus natürlicher, weltlicher Sicht vielleicht absurd erscheinen, aber aus übernatürlicher Sicht richtig sein. Der Glaube jedoch wird uns dabei stärken. Der übernatürliche Geist ist nicht nur eine Frucht von Gebet und Bildung im Glauben, sondern auch von Übung. Erinnern wir uns der Worte Paulus‘: „Ich vermag alles in dem, der mich stärkt“ (Philipper 4, 13)!

Es lebe Christus, der König!

Im Gebet verbunden,

Moritz