Rundbrief der KJB-Deutschland im Dezember

Liebe KJBler,

die Adventszeit ist nach der Fastenzeit der zweite längere Abschnitt im Kirchenjahr, in dem wir von der Welt einen Schritt zurücktreten sollen, um uns erneut auf das Wesentliche, also auf Gott, zu besinnen. Und überall dort, wo man von dieser Distanz zur Welt immer weniger hören möchte, ist es umso nötiger, davon zu sprechen und vor einer Verweltlichung zu waren. Es mag uns nicht gefallen, uns sogar ein schlechtes Gewissen machen, aber es ist erstaunlich, wie oft Christus (u.a. Joh 15, 18, Joh 16, 33) und seine Aposteln (u.a. 1 Joh 5, 4, Röm 12, 2, Jak 4, 4) vor dieser Verweltlichung gewarnt hatten. Sich nicht dem glaubensfeindlichen Geist der Welt aussetzen zu wollen, heißt nicht, realitätsfremd zu sein – im Gegenteil bedeutet es, die Realität mittels der Vernunft erkennen und beurteilen zu können. Und ja, es ist eine Tatsache, dass sich unsere Gesellschaft nicht nur vom katholischen Glauben, sondern auch der Natur des Menschen meilenweit entfernt hat. Es sind dabei nicht nur irgendwelche Politiker, die dies vorantreiben. Der gott- und naturfeindliche Liberalismus mit all seinen Spielarten ist fester Bestandteil unserer Kultur und unseres Alltages, er sickert, oftmals unbemerkt, durch so viele kleine Ritzen in unsere Seelen und Geister. Es ist nicht zu leugnen, dass dies auch bei uns selbst geschieht, dass auch die katholische Tradition und die KJB davon massiv betroffen sind.

Wer sich in Sprache, Verhalten, Kleidung, Musik, Konsum, Mediennutzung etc. immer mehr dem liberalen Mainstream anpasst, wird langsam, aber sicher den dahinterstehenden falschen Ideologien verfallen! Um sich selbst zu rechtfertigen, wird er es zunächst nicht mehr kritisieren, dann verteidigen und schließlich voll darin aufgehen. Wer solche Warnungen genervt verwirft und glaubt, sich permanent und schutzlos im Krankenlager bewegen zu können, ohne sich anzustecken, ist naiv und vermessen. Er unterschätzt maßlos die subversiven Kräfte einer gottlosen Kultur, die von den MTV Video Music Awards über Memes und Netflix bis zum Kleinstadt-Schultheater nahezu alle verfügbaren Kanäle nutzt, um mehr oder weniger auffällig ihr linkes und liberales Gedankengut zu verbreiten. Ihm kann man die deutlichen Worte des katholischen Schriftstellers Nicolás Gómez Dávila entgegenhalten: „Die Verwesung der modernen Welt nicht zu spüren, ist ein Indiz der Ansteckung.“

Nun können wir uns als Jugendliche in Schule, Studium und Beruf vielleicht nicht vollständig diesem schädlichen Einfluss entziehen, aber wir können und müssen uns zunächst für diesen Einfluss sensibilisieren, ein kritisches Bewusstsein entwickeln und nicht gedankenlos alles konsumieren und akzeptieren, was die Welt uns vorsetzt. Darüber hinaus benötigen wir den Mut und die Standhaftigkeit, alles zurückzuweisen und fernzuhalten, was wir als schlecht oder gefährlich erkannt haben. Der hl. Paulus bringt es auf den Punkt: „Leget darum an die volle Waffenrüstung Gottes, damit ihr am bösen Tage widerstehen und in allem unerschütterlich aushalten könnt“ (Eph 6, 13). Dafür braucht es tägliches Gegengift durch intensives Gebet, gute Lektüre und wertvolle Gespräche. Es braucht die Übung des Willens durch Nähe zur Natur, Sport und erhebende Freundschaften. Es braucht die Stärkung einer traditionellen und katholischen Gegenkultur durch entsprechende Musik, Kunst, Theater, Bücher, Filme, Kleidung etc. Es mag sein, dass es von dieser Gegenkultur noch nicht viel gibt, aber an diesem Punkt dürfen wir nicht resignieren. Vielmehr müssen wir von Konsumenten zu Produzenten werden und unsere Talente so einsetzen, dass eine Kultur der Wahrheit und der Tugend entsteht und wächst.

Stille und Bußgeist (Mt 3, 2) der Adventszeit eignen sich sehr gut, um das eigene Denken und Handeln in dieser Hinsicht zu hinterfragen und eine „Entweltlichung“ der eigenen Seele in Gang zu setzen. Davor dürfen wir keine Angst haben! Eine – im besten Sinne – radikale Rückkehr zu Gott in Wort und Tat, im Inneren und Äußeren, macht uns nicht zu freudlosen, spießigen, verklemmten Langweilern. Im Gegenteil, so sind eben die Mittelmäßigen und Lauwarmen, die am Ende der Zeiten ausgespien werden (Offb 3, 16). Heilige wie Bernhard von Clairvaux, Dominikus, Katharina von Siena oder Teresa von Ávila waren gewiss faszinierende und lebhafte Persönlichkeiten.

Wie sie dürfen wir nicht davor zurückschrecken, das Feuer in uns zu tragen, das Christus auf die Erde geworfen hat, damit es brenne (Lk 12, 49). Wie sie sollen wir leidenschaftlich das Gute lieben und das Böse hassen. Wie sie sollen wir unsere Hoffnung und unser Vertrauen allein auf Gott setzen, wodurch wir alle Krisen und Sorgen überwinden werden. Das soll ein Merkmal der Jugend sein. Denn die übernatürliche Tugend der Hoffnung gibt uns „jene starkherzige Frische, jene federnde Freudigkeit, jene gelassene Tapferkeit des Vertrauens, die den jugendlichen Menschen unterscheidend auszeichnen und so liebenswert machen“, wie der katholische Philosoph Josef Pieper in „Über die Hoffnung“ schreibt. Bitten wir daher Gott, dass er „ertöte in uns alle Verderbnis der Sünde, damit wir den Glauben an Dich, den unsere Zunge bekennt, auch durch sittlichen Wandel im Leben betätigen“ (Oratio vom Fest der heiligen Unschuldigen Kinder).

Es lebe Christus, der König!

Im Gebet verbunden,

Moritz