Rundbrief der KJB-Deutschland im Februar

Liebe KJBler,

die Advents- und Fastenzeiten stehen ganz im Zeichen der Buße. Durch konkrete Bußübungen sollen wir für die vielen Sünden Sühne leisten, die wir und andere begangen haben. Aber oft sehen wir diese Übungen nur als lästige Pflichten an, die wir möglichst schnell abhaken wollen, ohne den tieferen Sinn dahinter zu verstehen. An den Wert dieser Buße für uns und vor allem für Gott denken wir oft erst gar nicht. Dann aber fehlt eine entscheidende innere Voraussetzung für die vielen Früchte, die wir aus der Buße gewinnen können. Nachdem ich zum Beginn der vergangenen Fastenzeit über die konkreten Übungen gesprochen hatte, will ich mich nun kurz dieser inneren Haltung zuwenden, nämlich der Reue. Die Reue ist nicht nur notwendig für das Sakrament der Beichte, sondern auch eine wichtige Grundlage für eine gelingende und wirkungsvolle Fastenzeit. Gemäß dem „Dekret über das Sakrament der Buße und der Letzen Ölung“ des Konzils von Trient ist die Reue „ein Schmerz der Seele und ein Abscheu über die begangene Sünde, mit dem Vorsatze, fernerhin nicht mehr in sündigen“.

Zunächst zum Schmerz: Es überrascht womöglich, wenn man in Texten zur Fastenzeit liest, dass dieser Schmerz über die Sünde der größtmöglicher Schmerz sein sollte. Immerhin verliert man mit der schweren Sünde die heiligmachende Gnade, die wir benötigen, um in die ewige Seligkeit zu gelangen! Nicht umsonst wird immer wieder von einem „zerknirschten Herzen“ gesprochen, das der heilige Bernhard von Clairvaux oft als Synonym für „Vollkommenheit“ gebraucht. Damit will er deutlich machen, dass diese dieser Schmerz uns vor weiteren Sünden bewahren werden. Der Römische Katechismus verbildlicht diesen Schmerz drastisch: Die Reue ist eine Lanze, die in unser Herz hineinstößt, damit das tödliche Gift der Sünde wie Eiter aus einem Geschwür herausfließen kann! Ebenso deutlich heißt es im Alten Testament: „`Doch auch jetzt noch´, spricht der Herr, `bekehrt euch zu mir von ganzem Herzen, mit Fasten, Weinen und Klagen!´ Zerreißt dabei euer Herz und nicht eure Kleider, bekehrt euch zum Herrn, eurem Gott!“ (Joel 2, 12f)

Nun zum Abscheu vor der Sünde: Es liegt nahe, dass wir die Sünde hassen müssen, weil sie uns von Gott trennt. Im Römischen Katechismus heißt es: „Denn wie Gott aufs höchste zu lieben ist, so müssen wir auch, was von uns von Gott entfremdet, aufs höchste verabscheuen.“ Weiter heißt es, wie auch die Liebe zu Gott kein Maß kennen soll, so soll auch der Hass gegen die Sünde kein Maß kennen. Der Katechismus betont, dass die Hirten der Kirche diesen Hass gegen die Sünde bei uns Gläubigen wecken sollen. Leider ist heute meist das Gegenteil der Fall: Die aktuellen modernistischen Hirten predigen vor allem ein angepasstes, wachsweiches Friede-Freude-Eierkuchen-Christentum, in dem Reue, Buße, Sühne, Opfer, Kreuz etc. keinen Platz mehr finden. Alle möglichen Sünden werden akzeptiert und verharmlost. Die biblischen Aufforderungen zur gegenseitigen Ermahnung in Liebe und Weisheit (Kol 3,16; 1 Thess 5,11; Röm 15,14) gelten fälschlicherweise per se als anmaßend und verurteilend. Aber auch in der katholischen Tradition sind solche Ermahnungen und Zurechtweisungen zunehmend verpönt, weil sie anecken und Kontroversen erzeugen. Aber gerade auf diesem Wege kann sich das Gift der Sünde und des Irrtums langsam, aber leicht ausbreiten.

Aber um solche Ermahnungen nicht nur erneut üben, sondern auch selbst annehmen zu können, müssen wir bei uns selbst beginnen, das heißt, einen echten Schmerz über und einen echten Hass gegen die Sünde entwickeln. Durch diesen Geist der Reue werden unsere Bußübungen und Sühneleistungen, unser gesamter Einsatz für Gott und Seine Kirche, große Früchte tragen. Aber die Reue wird uns auch erst zu diesen Handlungen ermutigen. Die Reue hilft uns, nicht nur Leiden und Arbeiten für Gott aufzuopfern, sondern auch unser Engagement für das Christkönigtum, das uns manchmal schwerfallen mag. Die Reue hilft uns, ein leuchtendes Beispiel der Treue gegenüber Gott und Seinen Geboten zu sein. Bedenken wir, dass unsere Sünden uns zu Peinigern Christi machen, dass wir durch jede einzelne Sünde Christus Schmerzen hinzugefügt haben. Wenn wir aber eine tiefe Reue erwecken und so unsere Bußübungen verrichten, so nehmen wir in der Passion eine andere Rolle ein: Wir sind nicht mehr die schlafenden Apostel im Ölgarten oder Petrus, der Christus verrät, sondern dann sind wir die Helfer Christi, die über Sein Leiden weinen, die Ihm das Kreuz tragen helfen oder Ihm das Schweißtuch reichen. Und ja, unsere Sühne mag menschlich gesehen nicht genug sein, mag lächerlich und sinnlos wirken. Aber jeder noch so kleine Akt der Sühne, der Wiedergutmachung, jedes noch so kleines Gefühl der Zerknirschung ist höchst verdienstvoll und gnadenreich, wenn wir sie mit dem Fasten, Leiden und Sterben Christi vereinigen. Lassen wir die anstehende Fastenzeit also eine reuevolle Zeit der Buße werden, um für uns und die Kirche Gnaden zu gewinnen.

Es lebe Christus, der König!

Im Gebet verbunden,

Moritz