Rundbrief der KJB-Deutschland im Juli

Liebe KJBler,

„Ad maiorem Dei gloriam“ lautet ein Wahlspruch der Jesuiten. „Zur größeren Ehre Gottes“. Mit diesem Spruch möchte der Orden sagen, dass sein ganzes Wirken, sein ganzes Beten und Arbeiten auf Gott ausgerichtet sein soll, damit dieser immer mehr verherrlicht werde. Dieser Gedanke kann nur aus einer großen Liebe zu Gott entspringen. Wie auch sonst hätten so viele Missionare der Jesuiten zu Märtyrern werden können? Aber dieser Wahlspruch betrifft nicht nur die Jesuiten, er sollte das Leben eines jeden Katholiken kennzeichnen. Am Anfang und Ende eines jeden Tages sollte dieser Satz stehen. Aber wie setzen wir diesen Wahlspruch in die Tat um? Zum einen, in dem wir unser Arbeiten und Leiden Gott als Opfer darbringen, damit es einen übernatürlichen Sinn erhält, wovon im Mai-Rundbrief ausführlich die Rede war. Zum anderen aber auch, indem wir aktiv und konstruktiv zu Werke gehen und bewusst in unseren Tätigkeiten die Verherrlichung Gottes suchen.

Jeder Einzelne von uns hat von Gott konkrete Talente und Begabungen erhalten. Auch wenn diese unterschiedlich und im unterschiedlichen Maße vorhanden sind, so sind wir doch alle dazu berufen, diese zur größeren Ehre Gottes einzusetzen und sie somit nicht nach unserem eigenen Willen zu gebrauchen, sondern sie Gott wieder zurückzugeben, damit er frei nach seinem heiligen Willen darüber verfügen kann: „Alles, was ihr tut in Wort oder Werk, tut alles im Namen des Herrn Jesus Christus und danket durch ihn Gott, dem Vater“ (Kol 3, 17). In einem Abendgebet des Regensburger Bischofs Johann Michael Sailer heißt es: „Leben nach Deinem heiligen Willen – das ist doch der beste Dank, den ich Dir für alle Deine Wohltaten bringen kann.“ Durch diesen Einsatz unseres Lebens, unserer Talente für Gott heiligen wir uns selbst und unser Umfeld und tragen somit zur Wiederherstellung des sozialen Christkönigtums bei. Dieses besteht nämlich darin, dass ein Volk sich mit all seinen Gliedern und Institutionen ganz auf Gott ausrichtet. Dazu muss auch der Einzelne sich in die Gemeinschaft einbringen. Der Einsatz unserer Begabungen ist also in erster Linie ein Dienst, wie der heilige Petrus schreibt: „Dienet einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als gute Verwalter der mannigfaltigen Gnade Gottes! Hat einer die Redegabe, so trage er Gottes Wort vor; hat jemand ein Amt, so verwalte er es mit der Kraft, die Gott ihm schenkt, damit in allem Gott verherrlicht werde durch Jesus Christus“ (1 Petr 10 – 11).

Zunächst aber müssen wir erkennen, worin unsere Begabungen liegen, etwa im Beten, Singen, Zeichnen, Reden, Schreiben, Organisieren, Bauen, Schützen, Kämpfen, im Geistigen, Künstlerischen oder Handwerklichen oder vielen anderen Dingen. Unsere Begabung muss nicht unbedingt etwas sein, in dem wir bereits gut sind, denn auch eine Begabung benötigt Übung und Einsatz, damit sie zur vollen Entfaltung kommen kann. Es muss auch nicht etwas sein, dass wir immer angenehm empfinden oder das uns immer Spaß macht. Immerhin ist es ein Dienst, also ein Opfer, diese Begabung für Gott und den Nächsten einzusetzen. Wir können diese Begabungen am ehesten erkennen, wenn wir unser eigenes Leben reflektieren, echte Freunde und Geistliche um Rat bitten und natürlich, indem wir zum Heiligen Geist um diese Erkenntnis bitten, etwa in der heiligen Messe oder in den Exerzitien. Stellen wir uns dabei die Frage, wodurch wir am besten Gott und den Nächsten dienen können, wodurch wir am besten Glaube, Liebe und Hoffnung in unser Umfeld hineintragen. Dafür ist natürlich notwendig, dass wir uns in der Lehre der Kirche bilden, um den göttlichen Willen zu erkennen. Denn lediglich ein gutes Gefühl bei einer Tätigkeit zu haben, heißt nicht, dass man auf diese Weise Gott verherrlicht.

Diese Frage soll entscheidend für unsere Standes- und Berufswahl sein, aber auch für unser ehrenamtliches Engagement für das Christkönigtum, jetzt in der KJB, später in einem anderen Rahmen. Dabei gibt es niemanden, der nichts kann, der keine Begabungen hat, die er für Christus, den König, einsetzen könnte. Der heilige Paulus schreibt hierzu: „Wir aber haben Gaben, die nach der uns verliehenen Gnade verschieden sind. Ist es die Gabe der Prophetie, übt sie aus in Übereinstimmung mit dem Glauben. Oder jemand hat ein Kirchenamt, der sei tätig in dem Amte; wer ein Lehramt hat, der sei tätig in der Belehrung. Wer die Gabe des Ermahnens hat, der sei tätig in der Ermahnung; wer gibt, der gebe in Einfalt; wer Vorsteher ist, tue es mit Sorgfalt; wer Barmherzigkeit übt, tue es in Freudigkeit“ (1 Röm 12, 6 – 8). Bedenken wir, dass Gott jeden Einzelnen von uns bei unserem Gericht fragen wird, wie wir unsere Gaben eingesetzt haben, wie er es im Gleichnis von den anvertrauten Talenten angekündigt und verdeutlicht hat (Mt 25, 14 – 30; Lk 19, 12 – 27). Wir haben diese Begabungen nicht von Gott erhalten, um sie zu vergraben, zu vergessen oder gar für Schlechtes einzusetzen, sondern, im Gegenteil, sie mit der Gnade und nach dem Vorbild der Heiligen stets zu vermehren und täglich zur größeren Ehre Gottes einzusetzen. Lassen wir also unsere wertvolle Zeit nicht weiter ungenutzt verstreichen!

Es lebe Christus, der König!

Im Gebet verbunden,

Moritz