Rundbrief der KJB Deutschland im Juli

Liebe KJBler,

zu Beginn einer kleinen Klosterreise durch Frankreich habe ich kürzlich in Gentilly bei Paris die MJCF, die französische Schwesterorganisation der KJB, besucht. Seit einigen Jahren besitzt die MJCF dort ein Haus. Ich war dort zum ersten Mal und muss zugeben, das Haus tief beeindruckt verlassen zu haben. Zugegeben, das Haus müsste an einigen Stellen einmal renoviert und aufgeräumt werden. Aber abgesehen davon ist mein Eindruck, dass man sich hier ernsthaft darum bemüht, das soziale Christkönigtum im Kleinen zu verwirklichen. Auf vier Etagen verteilt leben hier etwa sieben junge Männer, es gibt Schlafplätze für über zehn Personen, Büros, Materiallager und eine kleine Kapelle. Eine größere Kapelle sowie eine Bibliothek im Erdgeschoss befinden sich gerade im Bau. Wöchentlich kommt ein Priester zu Besuch, der auch ein eigenes Zimmer hat. Von hier aus werden Bücher, Zeitschriften, Aufkleber und Plakate verschickt. Hier werden regelmäßig Schulungen und Anbetungen abgehalten. Zwei der Bewohner widmen sich sogar für einen gewissen Zeitraum voll und ganz der MJCF, während die anderen Bewohner nebenbei meist studieren.

So weit, so gut. Nun dachte ich mir, wie genial es wäre, auch in der KJB solche Möglichkeiten zu haben, ein Zentrum, Vollzeit-Mitarbeiter etc. Wir könnten ein unglaublich großes und effektives Apostolat auf die Beine stellen. Aber im Laufe der darauffolgenden Tage kam mir die Erkenntnis, dass diese personellen und materiellen Möglichkeiten gar nicht das Wesentliche waren. Als ich von meiner Klosterreise erzählte, sagte einer der MJCF-Mitglieder lachend, dann hätte ich ja hiermit das erste Kloster erreicht. Und in gewisser Weise hatte er Recht. Das Wesentliche am Leben in diesem Haus kann man mit den Worten aus der Ordensregel des heiligen Benedikts zusammenfassen: Ora et labora et lege. Der Tag der jungen Männer beginnt um 06.40 Uhr mit 20 Minuten stillem Gebet, danach die Prim. Tagsüber wird neben persönlichen Pflichten der Glaube studiert und für die MJCF gearbeitet. Alles natürlich in einer freundschaftlichen und jugendlichen Atmosphäre. Der Tag endet mit der Komplet.

Die praktischen Möglichkeiten sind also nur das Zweite, was wir von diesem Zentrum lernen können. Das Erste und Eigentliche ist, dass jedes Apostolat bei sich selbst und in den eigenen Reihen beginnen muss, nämlich durch Gebet und Bildung im Glauben, also den ersten beiden Säulen der MJCF und KJB. Darauf bauen Freundschaft und Apostolat auf, auch wenn sie oft der erste Anstoß sind. Wir können also noch so viele Medaillen und Flyer verteilen oder T-Shirts und Plakate drucken – wirklich fruchtbar wird unser Apostolat erst dann, wenn wir uns ernsthaft um unsere eigene Heiligkeit bemühen, wenn wir den übernatürlichen Geist durch das Gebet stärken und wenn wir unseren Glauben durch das Studium immer besser kennenlernen. Machen wir eine kleine Gewissenserforschung: Wie viel Zeit des Tages verbringe ich etwa im Gebet? Wie oft ungefähr denke ich zwischen den „regulären“ Gebeten an Gott oder spreche ein kurzes Stoßgebet? Wie oft lese ich tatsächlich ein Buch über den Glauben, die Lehre der Kirche, ihre Feinde etc. oder höre dazu einen Vortrag? Ist es wirklich nicht möglich, etwas mehr Gebet und Bildung in unseren Alltag einzubauen? Natürlich ist unser erster Reflex, auf solche Fragen damit zu antworten, dass wir nicht genügend Zeit hätten. Aber, wenn wir ehrlich sind, ist das nur eine Frage der Ordnung (Stichwort: Tagesplan).

Ja, es gibt in der KJB bereits Angebote für die Selbstheiligung: Anbetungen, Jahreslektüre, Jugendwegweiser, Exerzitien-Gutscheine und Herz-Jesu-Novenen. Aber der entscheidende Impuls muss von uns selbst kommen. Wenn wir wirklich Jugendliche des Christkönigs sein und auch apostolisch wirken wollen, müssen wir bei uns selbst beginnen. Bevor es zur Gewohnheit wird, wird es uns anfangs Mühe kosten, aber die Früchte häufigen Gebets und intensiven Studiums werden sich schnell bemerkbar machen – auch im Apostolat, denn dieser Aufruf zur Selbstheiligung ist kein Aufruf dazu, tatenlos dabei zuzusehen, wie die Welt in den Abgrund rast, ganz im Gegenteil!

P. Alain Delagneau FSSPX schreibt in seinem „Ratgeber für ein christliches Familienleben“: „Unsere Jugend in der Tradition ist der Aufgabe nicht gewachsen, die ihr zukommt. Wir müssen tatsächlich feststellen, daß viel Verwirrung herrscht, daß die jungen Leute sich von der Welt angezogen fühlen und sich von der Tradition entfernen.“ Das heißt, dass es gerade für uns und gerade heute umso wichtiger ist, uns in Erinnerung zu rufen, was unseren katholischen Glauben im Kern ausmacht. Weiten Teilen der katholischen Tradition scheint heute der Sinn für das Grundlegende abhanden zu kommen. Darum: Warum nicht eine kurze Betrachtung, ein Rosenkranz-Gesätz mehr oder hin und wieder eine kleine Novene? Warum nicht täglich eine Frage im Katechismus, ein paar Verse in der Heiligen Schrift, der „Nachfolge Christi“, „Philotea“ oder dem „Goldenen Buch“? Oder warum nicht einmal in der Woche ein paar Seiten in einem Buch von Erzbischof Lefebvre (oder auf einer Autofahrt seine Vorträge und Predigten)? Noch hat die KJB zwar kein solches Haus wie die MJCF, aber dafür benötigen wir zunächst ein gutes und solides Fundament, an dem wir uns alle beteiligen können.

Es lebe Christus, der König!

Im Gebet verbunden,

Moritz