Rundbrief der KJB-Deutschland im März

Liebe KJBler,

in einer Flugschrift zur Fastenzeit schrieb Prälat Robert Mäder im frühen 20. Jahrhundert, dass der heutige Katholizismus fett geworden sei. Seine Feststellung könnte kaum aktueller sein: Sind wir nicht alle zu faul und verweichlicht, zu angepasst und bequem? Fühlen wir uns in dieser materialistischen, sinnlosen Konsumwelt aus Plastik und Glitter nicht zu viel zu wohl? Wie oft denken wir, es sei schon genug für das Christkönigtum getan, wenn wir am Sonntag die heilige Messe und hin und wieder eine KJB-Veranstaltung besuchten? Wir dürfen uns allerdings nichts vormachen: In dieser Zeit der Krisen in Kirche und Welt bedarf es größerer Anstrengungen, damit Christus wieder König wird. Das christliche Europa entstand auf den Schultern vieler Menschen, die bereit waren, große Opfer für Kirche und Heimat zu bringen. In Fatima ruft uns Maria dies mit ihrer Aufforderung zum Gebet und zur Buße wieder in Erinnerung. Die jetzige Fastenzeit ist eine willkommene Gelegenheit, diesem Wunsch unserer geliebten Mutter nachzukommen. Lassen wir sie nicht ungenutzt an uns vorübergehen. Doch wie funktioniert die Fastenzeit praktisch? Die Kirche empfiehlt uns drei wichtige Bußwerke: Fasten, Gebet, Almosen.

Das Fastengebot beinhaltet täglich eine volle Mahlzeit und zwei Stärkungen, die in Art und Menge nach den lokalen Bräuchen variieren können. Das Abstinenzgebot beinhaltet einen Verzicht auf Fleischspeisen, wie es ohnehin an Freitagen üblich ist. Im Kirchenrecht von 1917 (Can. 1250 – 1254) galt das Fastengebot für alle Tage der Fastenzeit, außer an Sonntagen und gebotenen Feiertagen, für alle Katholiken zwischen 21 und 60 Jahren. Zusätzlich galt in der Fastenzeit für alle Freitage, Samstage, Quatembertage und Aschermittwoch das Abstinenzgebot ab dem Alter von sieben Jahren. Im neuen Kirchenrecht von 1983 (Can. 1249 – 1253) wurden die gebotenen Fast- und Abstinenztage auf Aschermittwoch und Karfreitag reduziert. Nun ist zwar für uns heutige Katholiken das neue Kirchenrecht bindend, jedoch ist es aus zwei Gründen empfehlenswert, sich dennoch an die ältere Regelung zu halten. Zum einen verwirklicht der neue Kodex das Zweite Vatikanische Konzil: Er enthält mehrdeutige Begriffe und „in wesentlichen Punkten begünstigt er die Irrlehre“, schrieb Erzbischof Lefebvre 1983 in einem offenen Brief an Papst Johannes Paul II. Auf einer Konferenz 1984 in Turin sagte der Erzbischof, das neue Kirchenrecht sei vom gleichen Geist wie die „Neue Messe“: Nicht mehr Gott, sondern der Mensch stünde nun im Mittelpunkt. Als treue Katholiken sollten wir nicht im modernistischen Geiste des neuen Kirchenrechts fasten. Zum anderen lohnt es sehr, im Geiste der Buße ein zusätzliches Opfer zu bringen, das uns auch zusätzliche Gnaden bringen wird. In diesem Sinne heißt es in der Präfation der Fastenzeit: „Durch das Fasten des Leibes unterdrückst Du die Sünde, erhebst Du den Geist, spendest Tugendkraft und Lohn, durch Christus, unsern Herrn.“ Zusätzlich kann das Fasten auch den Verzicht anderer Dinge beinhalten, die uns von Gott ablenken können, wie beispielsweise Fernsehen, Internet, schlechter Umgang etc.

Als der Teufel ihn während seines Fastens in der Wüste versuchen will, entgegnet Christus: „Es steht geschrieben: Nicht vom Brote allein lebt der Mensch, sondern von jedem Worte, das aus dem Munde Gottes kommt“ (Mt 4,4). In diesem Sinne sollen wir in der Fastenzeit nicht einfach nur Verzicht üben, sondern diese „Lücke“ mit einer verstärkten Hingabe an Gott ausfüllen. Dies geschieht am besten durch Gebet und Bildung im Glauben. Der „Schott“ zählt dazu folgende Beispiele auf: „Die Teilnahme am Sühneopfer der hl. Messe, fromme Lesungen und Betrachtungen über die Heilswahrheiten und über das bittere Leiden und Sterben des Erlösers, der Besuch der Fastenpredigten, das Beten des Kreuzwegs, vor allem der Empfang der hl. Sakramente der Buße und des Altares“.

Das dritte maßgebliche Bußwerk der Fastenzeit ist das Almosen: Unter Almosengeben versteht die Kirche alle sieben geistlichen und sieben leiblichen Werke der Barmherzigkeit (Mt 25,35 – 46; Jes 58,3 – 7). Setzten wir in der Fastenzeit das ein oder andere dieser Werke in die Tat um. Damit bringen wir die vergessene Liebe Gottes zu den Menschen und wirken auch apostolisch im Sinne des KJB-Programmes.

All dies klingt viel und hart. Das ist es auch. Wir dürfen uns keinen Illusionen hingeben. Die Fastenzeit ist eine Zeit der Sühne und Reue, der Stille und der Sammlung. Sie hilft uns, heilig zu werden und bereitet uns auf unseren Kampf um die Wahrheit vor, so wie sich etwa Johannes der Täufer (Mt 3,4), Paulus und Barnabas (Apg 13,2 – 5) und Christus selbst (Mt 4,1 – 11) durch eine Fastenzeit vorbereiteten. Stellen wir also unser Fasten nicht jammernd oder prahlend zur Schau (Mt 6,16 – 18), sondern beschließen wir mit Begeisterung, Motivation und Freude für uns, vor Gott, unsere Fastenvorsätze, um zu größeren Streitern des Christkönigs zu werden. Mäder bringt es auf den Punkt: „Der Weg der Kirche zum Triumph führt über Golgotha. Zum armen, demütigen, gekreuzigten Heiland Jesus Christus.“

Es lebe Christus, der König!

Im Gebet verbunden,

Moritz