Rundbrief der KJB-Deutschland im März

Liebe KJBler,

am vergangenen Wochenende veranstalteten wir ein KJB-Gruppenführertreffen. Diesmal lag unser Fokus auf dem Thema „Zeit“. In vier Vorträgen und Workshops bearbeiteten wir gemeinsam mit den etwa 40 Gruppenführern acht Aspekte von „Zeitmanagement“. Aber warum ist dieses Thema überhaupt wichtig? Was hat das überhaupt mit uns katholischen Jugendlichen zu tun? Tatsächlich eine ganze Menge. Zwar können wir oft nicht wirklich erklären, was Zeit genau ist. So sagt der heilige Augustinus: „Was also ist die Zeit? Wenn mich niemand danach fragt, weiß ich es. Wenn ich es einem erklären will, der danach fragt, weiß ich es nicht.“ Jedoch wissen wir eines genau: Dass wir zu wenig Zeit haben. Viel zu oft hören und sagen wir diesen Satz, obwohl das Gegenteil wahr ist. Wir haben genug Zeit, aber teilen sie uns meistens nicht richtig ein, sodass immer etwas auf der Strecke bleibt: Gebet, Bildung, Sport, Schlaf, Engagement etc.

Natürlich ist unsere Zeit auf Erden begrenzt: „Es ist dem Menschen bestimmt, einmal zu sterben, und dann folgt das Gericht.“ (Hebr 9,27) Bei diesem Gericht entscheidet Gott, ob wir unser Ziel, den Himmel, erreicht haben oder nicht. Aber um dieses Ziel zu erreichen, schenkt uns Gott unsere Zeit auf Erden. Jedem von uns unterschiedlich viel, aber jedem von uns genug, um unser Heil zu wirken. Aber genau daher ist unsere Zeit kostbar, wir dürfen sie nicht verschwenden, sondern sollen sie so gestalten, dass wir am Ende in den Himmel kommen. Unsere gesamte Zeit auf Erden muss vom Ende her gedacht und geplant werden. In vielen geistlichen Werken wird daher betont, den Tod immer vor Augen zu haben. Zum Beispiel schreibt Thomas von Kempen in der „Nachfolge Christi“: „Sei daher immer bereit und lebe so, daß dich der Tod nicht unvorbereitet antrifft.“ und „Wie glückselig und weise ist derjenige, welcher sich befleißt, jetzt im Leben so zu sein, wie er wünscht, auf dem Totenbette gefunden zu werden!“ (I, 23)

Wenn wir also so leben sollen, dass wir immer auf den Tod vorbereitet sind, um in den Himmel zu gelangen, dann bedeutet das nicht nur, nicht zu sündigen. Es bedeutet auch, in der uns gegebenen Zeit, möglichst viel Gutes zu tun, das heißt, Gott und den Nächsten zu lieben und zu dienen. Wir müssen also in unserer begrenzten Zeit versuchen, ein tugendhaftes, gottgefälliges Leben zu führen und all unsere Kräfte, Talente, Fähigkeiten etc. für Gott einzusetzen. Wir müssen versuchen, unserer Berufung gerecht zu werden und im Kleinen wie Großen, Inneren wie Äußeren Gottes Willen zu erfüllen. Aber wie schaffen wir das? Wir müssen schließlich einiges in unserem Leben unterbringen: Beten, arbeiten, lernen, schlafen, essen, engagieren, Sport machen und vieles mehr. Ordensleute in einem Kloster haben es in dieser Hinsicht gewiss einfacher: Jede Gemeinschaft hat ihren klar strukturierten Tages- und Wochenablauf, in dem all diese Dinge ihren Platz finden und um Gott herum aufgebaut, das heißt, nach ihm ausgerichtet sind. Aber genau hier können wir uns für unser Leben ebenfalls inspirieren lassen: Wir brauchen ein Zeitmanagement, in dem unsere übernatürlichen und natürlichen Pflichten und Aufgaben ihren Platz haben. Wenn wir Letztere ganz in den Dienst Gottes stellen und für ihn aufopfern, erhalten sie ebenfalls einen übernatürlichen Charakter, was wiederum unseren gesamten Alltag auf Gott ausrichtet.

Für ein erfolgreiches Zeitmanagement ist es zunächst nötig, die Ziele festzulegen und dabei Prioritäten zu setzen, das heißt, diese Ziele gemäß ihrer Wichtigkeit und Dringlichkeit zu ordnen. Wie bereits gesagt, müssen wir also das wichtigste Ziel, den Himmel, an die erste Stelle setzen und alles weitere diesem unterordnen und darauf ausrichten. Und all diese weiteren Ziele müssen wir konkret, realistisch und zeitnah formulieren und aufschreiben. Dies schließt auch die Zwischenziele mit ein. Es genügt nicht, nur zu schreiben, man möchte ein guter Vater oder ein guter Priester werden, man möchte einen guten Studienabschluss oder mehr wissen. Wir müssen uns genau überlegen, welche Schritte in welcher Reihenfolge auf diesem Weg nötig sind und diese Schritte regelmäßig und kontinuierlich üben, damit sie zu guten Gewohnheiten werden. Denken wir diese Gedanken zu Ende, gelangen wir zu den Tages- und Wochenplänen, die wir uns anlegen müssen. Darin muss konkret stehen, wann wir aufstehen, zu Bett gehen, beten, lesen, arbeiten, Sport machen, uns um die KJB kümmern, wann wir ausruhen, Freizeit haben etc. Wichtig: Die Pläne müssen realistisch sein, also Pufferzeiten beinhalten und nicht jede Minute des Tages darf durchgeplant sein.

Am Rande bemerkt: Es gibt den Einwand, dass man nicht spontan sein könne, wenn man all diese Dinge plane. Aber weit gefehlt: Spontan sein, kann nur der, der sich die Zeit genommen hat, seine Pflichten und Arbeiten zu erfüllen. Ein Tagesplan versklavt nicht, sondern schafft erst Freiräume, weil man Zeit gewinnt. Jemand, der immer planlos in den Tag hineinlebt, wird letztlich seine Pflichten nicht erfüllen können und erst dadurch entsteht Stress und Unzufriedenheit und gibt dem Teufel zahlreiche Möglichkeiten, uns zu versuchen. Nutzen wir also die Fastenzeit, um unser Leben im wahrsten Sinne in Ordnung zu bringen, damit wir unsere kostbare Zeit auf Erden gemäß dem göttlichen Willen verwenden.

Es lebe Christus, der König!

Im Gebet verbunden,

Moritz