Rundbrief der KJB-Deutschland im Mai

Liebe KJBler,

es ist Mai 2017. Anders als man erwarten könnte, werde ich den Fokus meines Rundbriefes allerdings nicht auf Maria oder Fatima richten. Von beidem werdet ihr in diesem Monat nicht nur in den priesterlichen „Briefen an die Jugend“ lesen, sondern auch am Deutschlandtreffen in Freiburg hören. In diesem Rundbrief möchte ich gerne den Blick auf einen Heiligen werfen, der mit der allerseligsten Jungfrau in einer ganz besonderen Beziehung steht: Der heilige Josef. Am 19. März feiern wir ihn als Bräutigam Mariens und am 01. Mai als Mann der Arbeit. Aber warum wird Josef am 01. Mai gefeiert? Dazu hilft ein Blick in die Vergangenheit.

Im Europa des 19. Jahrhunderts veränderte sich das alltägliche Leben durch die Industrialisierung drastisch. Die soziale Frage drängte und die materialistischen Ideologien des Kapitalismus und Sozialismus versuchten, diese auf je ihre Weise zu beantworten und die Menschen auf ihre Seite zu ziehen. Die Kirche verurteilte beide Ideologien, in deren Mittelpunkt nicht Gott, sondern das Geld steht, und formulierte als Gegenentwurf die katholische Soziallehre. Diese wird etwa in den Enzykliken „Rerum novarum“ von Leo XIII. und „Quadragesimo anno“ von Pius XI. erläutert. 1889 erklärten die einflussreichen Sozialisten den 01. Mai zum „Kampftag der Arbeiterbewegung“. Dieser wird seitdem, meist mit Gewalt und Zerstörung von fremdem Eigentum, begangen. Ein gesetzlicher „Feiertag“ wurde der 01. Mai erstmals 1933 durch Beschluss der Nationalsozialisten. Es wird deutlich, dass im „Tag der Arbeit“ der sozialistische und damit antikatholische Einfluss auf die Arbeiter seinen Ausdruck findet. Um dieser Gefahr entgegenzuwirken und den Arbeitern ein Vorbild zu empfehlen, erklärte Pius XII. 1955 den 01. Mai zum Fest vom heiligen Joseph, dem Mann der Arbeit. Pius XI. hatte ihn bereits 1937 zum Patron der Kämpfer gegen den Kommunismus ernannt. Doch was können wir von Josef, dem Mann der Arbeit, lernen? Und wie hilft uns Josef, das Christkönigtum in unserer Gesellschaft auszubreiten?

Die göttliche Vorsehung hat Josef, zwar von königlichem Blute, aber dennoch ein einfacher Zimmermann, zum Nährvater des Gottessohnes bestimmt. Christus war zwar auch als Mensch von jeder Sünde frei, aber da er die Sünden aller Menschen tragen sollte, so auch die alltäglichen Kreuze, die durch die Sünde verursacht wurden. Gott hatte nämlich die mühsame und schwere Arbeit den Menschen als eine Strafe für die Erbsünde auferlegt (Gen 3, 17 – 19). So wird die Arbeit für uns eine Möglichkeit, sie für Gott aufzuopfern, für unsere und anderer Sünden zu sühnen und uns dadurch zu heiligen. Der Priester Max Graf von Galen schreibt in seinem Buch „Der heilige Josef. Vorbild der christlichen Stände und Patron der Kirche“ über die Arbeit: „So sollte sie für den sterblichen Menschen ein Mittel zur Demut und Abtötung werden, eine Quelle des Verdienstes, ein Werk des Gehorsams, eine Nachfolge des verherrlichten Gottessohnes, der auf dem Weg der Arbeit 30 Jahre lang den königlichen Weg des Kreuzes gegangen ist“. Auf diesem Weg wurde Christus von Josef geführt. Dieser muss ein wahres Vorbild des Verantwortungs- und Pflichtbewusstseins, des Fleißes und Sorgfalt gewesen sein. Er wusste, dass er die Mühen der Arbeit nicht umsonst trug, sondern für seine Familie, sein Volk und für Gott. Dadurch wurde es kein beliebiger, austauschbarer Job, sondern eine gottgewollte Berufung. Graf von Galen schreibt: „Jede Bewegung seiner Hand, jede Benutzung des Werkzeuges ging bei ihm hervor aus der Absicht, dadurch Gott zu ehren, Gottes Willen zu erfüllen. Er betete nicht nur bei der Arbeit, seine Arbeit selbst war Gebet. (…) So kann das gewöhnlichste erlaubte Werk zu reinem Gold werden vor Gott, um der Liebe willen, die in der Seele des Handelnden ist.“ In diesem beständigen Wandel in der Gegenwart Gottes ist Josef ein Vorbild für uns alle. Sein Alltag war Gottesdienst, weil er alles zur Ehre Gottes tat. Sollte er versucht worden sein, sein Kreuz abzulegen, weil es ihm zu schwer wurde, so blickte er zu Jesus und Maria. In ihrer Heiligkeit erlangte er neuen Mut und Ansporn, seiner Berufung als Ehemann, Vater, Zimmermann und Beschützer der Heiligen Familie weiterhin treu zu folgen, trotz aller Schwierigkeiten.

In der Lesung des Festes vom 01. Mai spricht der heilige Paulus ganz im Sinne des heiligen Josefs zu uns: „Brüder! Habt Liebe, sie ist das Band der Vollkommenheit. Und der Friede Christi frohlocke in eurem Herzen; dazu seid ihr berufen, denn ihr seid ja ein Leib. Und zeiget euch dankbar! Und was immer ihr tut in Wort oder Werk, tut alles im Namen des Herrn Jesus Christus und saget Dank Gott, dem Vater, durch Ihn. Alles, was ihr tut, arbeitet es von Herzen, als für den Herrn und nicht für die Menschen; wißt ihr doch, daß ihr vom Herrn als Lohn empfangen werdet das (himmlische) Erbe. Ihr dienet also Christus, dem Herrn.“ (Kol 3, 14 – 24). Mit der Fürsprache Josefs wird es uns gelingen, unsere Arbeit, unser Engagement und unsere alltäglichen Kreuze für Gott aufzuopfern, sodass alles, was wir tun, für und durch Gott ist. Nur, wenn Gott auf diese Weise unser ganzes Leben, Denken und Handeln durchdringt, können wir das soziale Christkönigtum in unserer Heimat wiederherstellen.

Es lebe Christus, der König!

Im Gebet verbunden,

Moritz