Rundbrief der KJB-Deutschland im Mai

Liebe KJBler,

am vergangenen Wochenende hörten wir beim Deutschlandtreffen 2018 in Memmingen einen sehr interessanten Vortrag von Pfarrer Peter Fuchs von „Christian Solidarity International“ über die aktuelle Situation der Christen in Syrien. In einigen Teilen des Landes tobt seit 2011 ein blutiger Krieg zwischen verschiedenen Gruppierungen, über den in westlichen Medien meist lücken- oder fehlerhaft berichtet wird. Die Ausführungen von Pfarrer Fuchs, die vor allem auf seinen eigenen Erlebnissen und Gesprächen basierten, die er während seiner Reisen durch Syrien geführt hatte, waren dagegen eine wichtige Korrektur und Ergänzung. Die Bilder und Geschichten aus Damaskus, Aleppo, Homs und anderen Gegenden beeindruckten mich sehr. Immer noch denke ich darüber nach, was wir von ihnen lernen können: Von dem Mönch, der sich über 100 Tage in Gefangenschaft des „Islamischen Staates“ (IS) befand und brutal gefoltert wurde. Von den Priestern, die ihre völlig zerstörten Kirchen wieder aufbauen. Von den Ordensschwestern, die weiterhin ihrer täglichen Arbeit in Schulen und Krankenhäusern nachgehen. Von den Männern und Frauen, die vom IS und den Rebellengruppen ermordet wurden, weil sie ihren christlichen Glauben nicht aufgeben wollten. Von den Kindern, die ihre Schulen besuchen, obwohl diese jederzeit von Granaten getroffen werden könnten.

Die Christen in Syrien leben ihren Glauben und setzen sich für ihre Heimat ein – unter höchster Lebensgefahr! Und damit nicht genug: Viele westliche Politiker und Medien schauen gleichgültig weg oder unterstützen sogar noch die islamistischen Gruppen. Aus natürlicher Sicht gäbe es so viele Gründe zum Verzweifeln, zum Aufgeben, zum Resignieren. Aber wir hörten stattdessen von einer unerschütterlichen Treue zum Glauben bis in den Tod, von einer großen christlichen Hoffnung, einem tiefen Vertrauen auf Gott, von einer unglaublichen Geduld und einem echten übernatürlichen Geist. Ein schönes Bild dafür ist die Tatsache, dass die Christen, die aufgrund der Zerstörung ihrer Städte und Dörfer aus diesen geflohen waren, als erstes die abgeschlagenen Kreuze wieder aufstellen und errichten, sobald sie zurückgekehrt sind – noch vor dem Wiederaufbau ihrer eigenen Häuser! Wir sehen: Hier steht Christus im Mittelpunkt, hier ist er König! Sie wissen, dass diese Leiden nichts sind im Vergleich zu den Freuden im Himmel. Sie wissen, dass diese beschriebenen Tugenden zur Nachfolge Christi gehören. Sie wissen, dass Christus die Verfolgung vorausgesagt hat, weil sie als Christen nicht von dieser Welt sind (Joh 15, 18–27).

Aber glauben wir nicht einen einzigen Moment, dass dies alles leicht wäre, dass der Teufel diese Christen nicht ständig versuchen und zur Aufgabe reizen würde. Dem Teufel reicht es nicht, dass sie ihre Häuser, ihre Angehörigen oder sogar Gliedmaßen verlieren. Der Teufel will, dass sie aufgeben, dem Christkönig zu huldigen, ihm zu dienen, ihm nachzufolgen. Der Teufel will, dass sie ihre Seelen verlieren. Und genau in diesen Versuchungen, in diesen schweren, harten Zeiten, in diesen Kreuzen und Leiden ist es umso wichtiger, den Glauben weiterhin zu leben, nicht nachzulassen, auch wenn man vielleicht nicht sofort die Früchte erkennt und Zweifel aufkommen. Im natürlichen wie übernatürlichen Bereich gilt: Wenn ich in einer bestimmten Fähigkeit, Eigenschaft oder Tugend besser werden will, muss ich mich darin üben, d.h. ich muss es tun. Wenn es mir schwer fällt, gilt das umso mehr: Ich muss es tun. Es führt kein Weg daran vorbei, es hilft nicht, zu jammern oder zu klagen. Ich muss es tun. Ich muss anfangen beziehungsweise weitermachen. Die Christen in Syrien machen es uns vor in ihrer Beharrlichkeit, Treue und Geduld, womit sie Krieg und Verfolgung aushalten, womit sie unter Lebensgefahr weitermachen, womit sie immer wieder ihre zerstörten Kirchen und Häuser aufbauen. Sie üben die Nachfolge Christi, auch wenn der Teufel immer wieder versucht, alles zu zerstören, was sie aufgebaut haben. Was für sie auch im Äußeren, Materiellen gilt, gilt für uns meist nur im Innern, Persönlichen. Wie oft scheitern wir an Pflichten und Opfern, die, verglichen mit ihren, sehr klein erscheinen? Wie oft fällt es uns so schwer, weiterzumachen, wieder von neuem zu beginnen, wenn wir gescheitert oder gefallen sind? Wie oft ärgern wir uns darüber, wie schwer uns doch so manche Übung im Guten fällt, wie wenig wir in der Heiligkeit vorangeschritten sind?

Beten wir also nicht nur für die verfolgten Christen in Syrien! Machen wir nicht nur auf ihr Schicksal aufmerksam! Lernen wir von ihnen! Nehmen wir sie uns zum Vorbild! Versetzen wir uns in Gedanken in ihre Lage und gehen wir, durch ihr Beispiel inspiriert, den geraden Weg weiter. Wir werden nicht immer motiviert und voller Hochgefühle sein, aber darauf kommt es auch nicht an. Es kommt darauf an, dass wir diszipliniert, beharrlich, geduldig und treu genug sind, weiterhin zu beten, weiterhin die Tugend zu üben, weiterhin uns im Glauben zu bilden, weiterhin gute Werke zu tun, weiterhin Christus nachzufolgen. Machen wir es wie die syrischen Christen: Wenn der Teufel und seine Schergen uns angreifen und alles zerstören, bauen wir es durch Gottes Gnade und Mariens Hilfe wieder auf. Stein für Stein. Kreuz für Kreuz.

Es lebe Christus, der König!

Im Gebet verbunden,

Moritz