Rundbrief der KJB-Deutschland im November

Liebe KJBler,

die unchristlichen Ideologien, die heute in Kirche und Welt verbreitet werden, haben nicht nur einen negativen Einfluss auf das Denken und Handeln vieler Menschen, sondern auch auf den Charakter – wenn wir ehrlich sind, können wir das auch bei uns selbst beobachten. Eine dieser charakterlichen Entwicklungen kann man mit dem Begriff „Generation Maybe“ umschreiben: In einer Welt, in der alles möglich zu sein scheint, können wir Zögerer uns nicht mehr entscheiden. Statt einem „Ja“ oder „Nein“ kriegen wir nur noch ein „Vielleicht“ über die Lippen. Wenn es kein Richtig und Falsch, kein Gut und Böse mehr zu geben, sondern alles relativ und subjektiv zu sein scheint, dann brauchen wir auch nicht mehr an einer Seite festzuhalten.

Diese Unentschlossenheit und Unsicherheit versuchen viele, hinter andauerndem Zynismus und Sarkasmus zu verstecken. Indem man nämlich jeder Sache den Ernst raubt, fällt es nicht schwer, die Verantwortung schnell von sich zu schieben, wenn die Sache zu scheitern droht oder unangenehm wird. Man kann dann immer noch sagen, man hätte das ja ohnehin nicht ernst gemeint. Es ist daher viel leichter, anstatt sich selbst festzulegen, nur über jene lustig zu machen, die das tatsächlich tun. Man kann diese Verhaltensweise auch an so manchem pseudo-überlegenen, spöttischen Grinsen Unbeteiligter erkennen, wenn man mit einer Prozession oder Demonstration vorüberzieht. Ähnliches gibt es auch bei manchen Katholiken, die sich, aus Angst, als radikal zu gelten, lieber in der Langweile der Mittelmäßigkeit aufhalten und kein Wagnis eingehen.

Wir müssen im Gegensatz zu den Eigenschaften dieser „Generation Maybe“ feststellen, dass alles, was den Menschen in seiner Größe als Ebenbild Gottes ausmacht, von Entscheidungen abhängt. Ein Beispiel: Jeder echte Akt der Liebe ist eine Entscheidung. Eine Entscheidung für einen Freund, Ehefrau/-mann, die Familie, das Vaterland, die Kirche und Gott. Es ist eine Entscheidung, die anderes ausschließt und durch die man eindeutig auf einer Seite steht. Wie jede Entscheidung bedarf diese der Tugend der Klugheit, des Mutes, der Bereitschaft, Risiken einzugehen, Opfer zu bringen und Verantwortung zu übernehmen. Es bedarf der Bereitschaft, zu kämpfen und zu leiden. Der Schriftsteller C.S. Lewis schreibt in „Was man Liebe nennt“ so treffend: „Lieben heißt verletzlich sein. (…) Wenn du ganz sicher sein willst, daß deinem Herzen nichts zustößt, dann darfst du es nie verschenken, nicht einmal einem Tier. Umgib es sorgfältig mit Hobbies und kleinen Genüssen; meide alle Verwicklungen; verschließ es sicher im Schrein oder Sarg deiner Selbstsucht. Aber in diesem Schrein – sicher, dunkel, reglos, luftlos – verändert es sich. Es bricht nicht; es wird unzerbrechlich, undurchdringlich, unerlösbar. Die Alternative zum Leiden, oder wenigstens zum Wagnis des Leidens, ist die Verdammung. Es gibt nur einen Ort außer dem Himmel, wo wir vor allen Gefahren und Wirrungen der Liebe vollkommen sicher sind: die Hölle.“

Wer sich also entscheidet, überwindet seine Angst und macht sich dadurch angreifbar. Aber für diesen Mut verdient er Respekt, wird interessant und authentisch. Er entwickelt sich zu einem starken Charakter, der für seine Entscheidung mit Gnaden belohnt wird, um die folgenden Leiden und Kämpfe zu bewältigen. In der Enzyklika „Exeunte iam anno“ von 1888 fordert Papst Leo XIII. die selbstbewusste Entscheidung für ein christliches Leben: „Woher ist denn noch Heil zu erwarten und auf welche Hoffnung soll der Mensch sich noch stützen, wenn er sich nicht mehr im Namen Jesu Christi zu rühmen wagt, wenn er es verschmäht, ein Leben nach den Grundsätzen des Evangeliums öffentlich und standhaft zu führen? Allgemein klagt man unsere Zeit sei arm an Männern. Man rufe zurück die christlichen Sitten und mit ihnen wird zurückkehren Ernst und standhafter Mut.“

Ebenso betont P. Xavier Beauvais FSSPX in einer großartigen Predigt, dass wir nur auf diejenigen vertrauen können, die das Risiko einer Entscheidung eingehen. Sich immer neutral zu verhalten und sogar Kompromisse mit den Feinden der Wahrheit einzugehen, um persönliche Vorteile zu erlangen, sei verachtenswert. Wir Katholiken müssten den größten Mut aufbringen, weil wir wissen, nicht verlieren zu können, wenn wir unsere Hoffnung auf Gott setzen. Er fordert uns auf, uns privat und öffentlich konsequent für die katholische Wahrheit einzusetzen. So auch Leo XIII.: „Darin allein liegt das Heilmittel gegen die Übel, dass man umkehrt und sich im privaten und öffentlichen Leben wieder zu Jesus Christus hinwendet und zu einem christlichen Leben.“ Wie gewinnen wir also Entschlossenheit, Mut und Risikobereitschaft? Indem wir durch das Studium der kirchlichen Lehre (Hl. Schrift, Katechismus, Enzykliken) die Wahrheit als Ziel und Maßstab unserer Entscheidungen kennen und lieben lernen. Zudem durch das Gebet, vor allem zum Heiligen Geist und Maria. So erhalten wir die Gnade, nicht vor dem Kampf davonzulaufen, sondern ihn zu suchen, um in ihm zur Ehre Gottes zu siegen. Darüber hinaus müssen wir uns mit Menschen zu umgeben, die ebenfalls diesen Weg entschieden gehen, um sich gegenseitig ein Vorbild und Ansporn sein zu können.

Es lebe Christus, der König!

Im Gebet verbunden,

Moritz