Rundbrief der KJB-Deutschland im September

Liebe KJBler,

uns katholischen Jugendlichen sollte der Wahlspruch des heiligen Pius X., „in Christus alles zu erneuern“ (Eph 1, 10), den er in seiner Enzyklika „E supremi apostolatus“ erklärt, bekannt sein. Denn wenn wir als KJB von unserem Ziel, der Wiederherstellung des sozialen Christkönigtums, sprechen, meinen wir auch damit, alles in Christus zu erneuern, alles auf ihn auszurichten. Mit „alles“ ist tatsächlich alles gemeint. Es bedeutet die Rückeroberung der einzelnen Seelen und des öffentlichen Raumes für Christus. Unsere Aufgabe ist somit eine ganzheitliche und umfassende. Unser Ziel muss es sein, dass sich das innere und äußere Leben der Menschen sowie die Öffentlichkeit, also Kirche, Staat, Kultur etc., auf Christus ausrichten. Allerdings gibt es heute in der Kirche und auch in der Tradition viele Stimmen, die behaupten, eine „gute“ Innerlichkeit, eine Beziehung unserer Seele zu Christus, genüge auf unserem Weg zur Heiligkeit. Es heißt, alles was zähle, sei das, was im Innern einer Person stattfinde, Äußeres und Öffentliches sei unwichtig. Und ja, tatsächlich offenbart sich Gott im inneren Leben auf eine unvergleichliche Weise. Das innere Leben, das sich aus dem immerwährenden Gebet, aus dem Wandel in der göttlichen Gegenwart speist, ist darum so wertvoll für uns Katholiken. Der Trappist Jean-Baptiste Chautard beschreibt in seinem Buch „Innerlichkeit. Die Seele allen Apostolates“ das innere Leben als „Prinzip einer höheren Tätigkeit, die mich, wenn ich mich nicht widersetze, denken, urteilen, lieben, wollen, leiden und arbeiten läßt“ mit, in und durch Christus.

Aber die Innerlichkeit hat nichts mit Selbstgenügsamkeit, Kleinmut, Zaghaftigkeit oder fehlender Konsequenz zu tun. Im Gegenteil ist das innere Leben die Grundlage für das äußere, tätige Leben. Die innere Anschauung Gottes muss überfließen und das äußere Leben befruchten, es mit der Liebe Christi prägen. Christus selbst spricht von den guten Früchten, die wir hervorbringen müssen (Mt 7, 16–20; Joh 15, 1–8). Diese guten Früchte sind ein wahrhaft christlicher, tugendhafter Lebenswandel, der sich etwa in den Werken der Nächstenliebe, den eigenen Worten, der Arbeit, der Kleidung und vielen anderen alltäglichen Dingen widerspiegelt. Die Früchte zeigen sich aber auch im Kampf für die Wahrheit, im Widerstand gegen das Böse, den Irrtum, der sich gerade heute in Kirche und Welt breit gemacht hat. Wie die Sakramente der Kirche sichtbare Zeichen unsichtbarer Gnaden sind, so sollen unser äußeres Leben, unsere Taten ebenso sichtbare Zeichen unsichtbarer Gnaden sein, die wir durch eine echte Innerlichkeit erlangt haben.

Der heilige Paulus betont nicht nur die Notwendigkeit der guten Früchte (Kol 1, 10), sondern mahnt uns, „an den unfruchtbaren Werken der Finsternis“ nicht teilzunehmen (Eph 5, 11). Das innere Leben muss in uns Liebe zur Wahrheit und Hass auf den Irrtum wecken, so dass wir in uns den Drang verspüren (2 Kor 5, 14), das Wahre und Gute umzusetzen und auszubreiten – ohne Rücksicht auf rein menschliche Erwägungen und Hindernisse, von einem übernatürlichen Geist getragen. Die in uns brennende Liebe muss wie das Licht der Welt sichtbar werden, damit sie andere Seelen entzündet (Mt 5, 14–16). Die Gnaden, die wir von Gott erhalten haben, sind viel zu kostbar, um sie zu verstecken. Lassen wir uns nicht von der falschen Innerlichkeit in ein langweiliges, bürgerliches und lauwarmes Leben zwängen, sondern suchen wir die Herausforderung im Kampf für Christus – in uns, in unserem persönlichen Umfeld und in unserer Heimat! Unser Beten, Denken und Handeln darf sich nicht auf unsere vier Wände beschränken, sondern muss mit der Hilfe Gottes weit darüber hinausgehen.

Der heilige Bernhard von Clairvaux fasst dieses „Hinausgehen“ ganz wörtlich auf und erläutert den richtigen Zusammenhang des inneren und äußeren Lebens: „Es ist dem wahren und reinen Wesen des betrachtenden Lebens eigen, daß eine Seele, die in ihm vom göttlichen Feuer entflammt war, manchmal von solch brennendem Eifer, von einem so lebendigen Verlangen erfüllt wird, für Gott Seelen zu gewinnen, die ihn vollkommen lieben, daß sie gerade die Ruhe der Beschauung aufgibt, um sich den Mühen der Predigt zu widmen. Hat sie dann ihrem Eifer Genüge getan, so kehrt sie mit um so größerer Liebe zur Beschauung zurück, je mehr sie der Früchte innewird, die sie ihr getragen. Wenn sie dann hinwiederum die Süßigkeit der Beschauung verkostet hat, geht sie mit neuem Eifer darauf aus, Eroberungen für Gott zu machen.“ Dieses göttliche Feuer muss unser Ziel sein, dafür müssen wir arbeiten, dafür müssen wir beten, daran müssen wir uns täglich erinnern!

Lassen wir abschließend nochmal Pius X. zu Wort kommen, der uns in „E supremi apostolatus“ einen deutlichen Befehl gibt: „Die Zeit verlangt Taten, Taten ehrfurchtsvoller und ausnahmsloser Beobachtung des göttlichen und kirchlichen Gesetzes, Taten des freien und offenen Glaubensbekenntnisses, Taten allumfassender lebendiger Nächstenliebe ohne Rücksicht auf persönlichen und zeitlichen Nutzen. Die rühmlichen Beispiele der Tat auf seiten der vielen Streiter Christi werden zur Belebung und Begeisterung der Herzen weit mehr beitragen als Worte und noch so wohlgebaute Abhandlungen.“

Es lebe Christus, der König!

Im Gebet verbunden,

Moritz