SERIENSUCHT – Teil 1

Auf der Suche nach einem kurzweiligen Zeitvertreib stößt man schnell auf Serien. Eine tolle Sache, könnte man meinen. Mal schnell nach der Arbeit oder in einer Lernpause eine Folge angesehen und nach einer halben Stunde geht’s wieder frisch und froh weiter.

Doch manchmal bleibt es nicht bei dieser einen Folge, sondern man schaut weiter – manchmal ganze Nachmittage und Abende am Stück. Und nach jeder Folge kommt dann das „nur noch Eine“.

Meistens beschleicht einen der Verdacht nach dem Anschauen einer Folge, dass das gerade nicht besonders sinnvoll war. Aber dann hat man später (Stunden, Tage, Wochen) wieder den Drang eine Folge zu schauen und weil man gerade eine Pause braucht oder nichts zu tun hat, macht man es dann auch.

Deshalb habe ich mir die Frage gestellt, woran das liegt. Ich möchte hier die Tricks der Serienmacher aufzeigen, damit wir nicht in die Serienfalle tappen oder uns daraus befreien können. Denn um seinen Gegner besiegen zu können, muss man ihn kennen.

Wir wollen uns zuerst den Tricks der Serienmacher zuwenden, mit denen diese ein suchtartiges Verhalten bei uns erzielen wollen. Danach stellen wir uns die Frage, was Serien in uns verändern und ob das gut ist. Die Produzenten von Serien wollen natürlich, dass wir diese schauen und arbeiten deshalb mit vielen Tricks von denen ich die fünf wichtigsten herausgegriffen habe.

Der erste und vermutlich wichtigste Trick ist der Cliffhanger. Dabei wird die Handlung an ihrem Höhepunkt unterbrochen und erst später, also meist in der nächsten Folge, fortgesetzt. Seinen Namen hat der Effekt von einem Zeitungsroman von 1873, in dem sich die Hauptfigur nur noch an einem Grasbüschel am Klippenrand festhalten konnte. Um zu wissen wie es weiter geht, mussten die Leser damals die nächste Zeitung kaufen. Bereits 1930 fand dann dieser Trick Einzug in die neu aufkommenden Serien und damals wie heute fallen die Leute auf ihn herein. Er funktioniert aus dem gleichen Grund, warum kleine Kinder abends nicht ins Bett wollen. Sie glauben auch, dass sie etwas verpassen und wollen deshalb unbedingt noch aufbleiben. Dabei vergessen sie, dass sie morgens nicht aus dem Bett kommen werden und an dieser Stelle dann etwas verpassen würden.

Eine Verfeinerung dieses Tricks stellt die Zopfstrategie dar. Dabei wird „ein großer Konflikt (…) immer abgeschlossen, während der nächste beginnt.“1 Somit will man unbedingt weiter schauen, weil man immer suggeriert bekommt, „etwas Wichtiges zu verpassen“.2

An zweiter Stelle sehe ich die Macht der Gewohnheit. Nicht umsonst werden Serien immer am gleichen Wochentag und zur gleichen Uhrzeit ausgestrahlt. Aber auch wenn man die Serie online abruft oder auf DVD besitzt schleicht sich eine Gewohnheit ein. Man gewöhnt sich daran, immer in einer bestimmten Verfassung eine Folge zu sehen. Meistens macht man das, wenn einem langweilig ist oder man etwas deprimiert ist. Dadurch prägt man sich ein Denkmuster ein und sobald einem wieder langweilig oder traurig zumute ist, kommt das Verlangen eine Folge zu schauen. Ist man es aber erst einmal gewöhnt, eine Serie zu schauen, dann kommt es auch schnell dazu, nicht nur eine Folge am Stück zu sehen.

Drittens ist die Parasoziale Interaktion zu nennen. Das bedeutet, dass man der Meinung ist „ein persönliches, ja fast intimes Verhältnis zu diesen Figuren [zu] haben.“3 Man ist also der Meinung ein guter Freund des Protagonisten zu sein, obwohl man ihn noch nie im echten Leben gesehen hat. Überspitzt gesagt ist die Serie damit nicht mehr eine Pause vom Alltag, sondern der Alltag eine Pause der Serie. An vierter Stelle sehe ich die Kommunikation über Serien. Normalerweise fängt man überhaupt erst an, eine Serie zu schauen, weil man sie von einem Freund empfohlen bekommen hat oder darüber etwas gelesen oder gesehen hat. Und weil man dazugehören will, fängt man an sie zu schauen. So versucht man dann auch, auf dem gleichen Stand zu sein, damit man mitreden kann.

  1. http://www.deutschlandfunk.de/medien-fortsetzung-folgt-wenn-serien-suechtig-machen.1148.de.html?dram%3Aarticle_id=292155 (letzter Zugriff 21.09.2015)
  2. ebenda
  3. http://www.deutschlandfunk.de/medien-fortsetzung-folgt-wenn-serien-suechtig-machen.1148.de.html?dram%3Aarticle_id=292155