SERIENSUCHT – Teil 2

Medien

Der fünfte Trick sind die Medien. Diese haben ein Eigeninteresse, dass wir ihre Serien schauen oder sie werden von Anderen dafür bezahlt für deren Serien zu werben. „Kaum ein Tag vergeht, ohne dass einschlägige Zeitschriften und Boulevardmagazine über diese Serien und ihre Protagonisten berichten.“4

„Im Alltag des Fernsehens und am Sonntag des Kinobesuchs haben wir gelernt, uns zu immunisieren – aber nicht dort, wo wir selbst die Bedingungen unseres Konsums bestimmen.“5 (Dietrich Diederichsen)

Diese Mittel stellen für die Serienmacher einen „Ring der Macht“ dar. Wenn wir selber bestimmen wollen was wir schauen, dann sollten wir unbedingt diese Tricks für uns unschädlich machen. Wenn wir also eine Folge schauen, dann bitte unbedingt auf die fünf Mittel der Macher achten und sich selbst beobachten. Nur dann können wir uns frei für oder gegen das Anschauen einer Folge entscheiden. Denn oft ärgert man sich im Nachhinein darüber, dass man eine Folge gesehen hat, obwohl man wichtigeres zu tun gehabt hätte.

Zuletzt sei noch der scheinbare Produktivitätsgewinn angemerkt. Alle trivialen Tätigkeiten brauchen weniger Kraft, ermüden weniger. Aber man wird im Alltag trotzdem durch sie schlechter aufnahmenfähig und hat noch dazu wertvolle Zeit vertan.

serien-inside

Wie verändern uns Serien?

Dass ein suchtartiges Konsumieren von Serien uns viel Zeit raubt, dürfte wohl jedem klar sein. Aber damit nicht genug. Wie jede Tätigkeit, die wir verrichten, verändern uns auch Serien. Doch wohin? Wohl kaum näher zu Gott oder zur Erfüllung unserer Standespflichten.

Ein Forscherteam des Psychologen Kai-Markus Müller hat nachgewiesen, dass Serien unsere positiven Gefühle, wie auch unsere negativen, verstärken.6 Nach ihrem Ergebnis gebe es außerdem keine Serien, welche man nicht mag, sondern nur solche, die einen kalt lassen. Wenn aber Serien unsere Gefühle verstärken, dann wird uns der Alltag plötzlich lauer und kälter erscheinen. Zudem lösen, so das Forscherteam, Serien keinen Stress aus, sondern wirken eher entspannend.7 Somit findet man in Serien einen idealen Rückzugsort um von seinen Problemen aus dem Alltag abzuschalten. Man befindet sich in einer Gefühlsorgie und kann dabei noch herrlich entspannen. Doch damit sind die Probleme, wenn auch vergessen, immer noch vorhanden. Sie sind nur verdrängt und man verliert die Zeit, die man bräuchte um sie zu lösen. Hier entsteht dann die eigentliche Sucht. Das Unterbewusstsein lernt, dass Serien Probleme lösen. So beginnt ein Teufelskreis, weil das Verdrängen von Problemen zu neuen Problemen führt, welche man wiederum mit Serien ignoriert. Diese Vorstellung hat mit der Realität nichts gemeinsam, aber wie bei allen Süchten ist das dem Süchtigen kaum bewusst. Es liegt an uns, diesen Kreis zu durchbrechen oder nie zu beginnen.

  1. Kay H. Hofmann, Christian Opitz: Reality-TV als „Talentschmiede“ für die Kreativindustrie? Identifikation und Entwicklung von Medienpersönlichkeiten im Rahmen moderner TV-Serien. In: Stephan A. Jansen, Eckhard Schröter, Nico Stehr (Hrsgg): Rationalität der Kreativität. Springer VS 2009, S.163.
  2. http://www.zeit.de/kultur/literatur/2012-05/serien-sachbuch (letzter Zugriff 21.09.2015)
  3. http://www.netdoktor.de/magazin/sind-tv-serienjunkies-suechtig (letzter Zugriff 21.09.2015)
  4. ebenda

Auf dieser Seite kannst du berechnen, wieviel Zeit du insgesamt für Serien aufwendest: www.tiii.me