Briefe an die Jugend – Siebter Stern der Krone Mariens

Siebter Stern – Maria, die Mittlerin aller Gnaden

Liebe Jugendliche!

In der marianischen Wallfahrtskirche von Rocamadour ist eine Glocke zu sehen, welche die Besonderheit hat, immer dann von alleine zu klingeln,  wenn ein Matrose nach einem Gebet zur Jungfrau Maria von Rocamadour aus einer Gefahr gerettet wurde. Auf einer Tafel in dieser Kirche sind die besonderen Daten eingetragen, an denen die Glocke geläutet hat. Die Berichte von den geretteten Matrosen wurden verzeichnet und stimmen genau mit den Zeiten der Glocke überein. Die Glocke hat bisher zum letzten Mal am 29. September 2008 geläutet. Später, am 1. November, kamen nämlich zwei Atheisten nach Rocamadour, um zu berichten, dass sie am 29. September vor der Küste Marokkos in einen Sturm geraten waren und dass sie dank eines Gebetes zur Jungfrau von Rocamadour gerettet wurden. Einige gerettete Matrosen brachten kleine Schiffsmodelle als Erinnerung an diese Gnade und als Dank an die Jungfrau Maria. Zahlreiche marianische Kirchen und Wallfahrtsorte enthalten ähnliche Ex-voto-Gegenstände für die Rettung aus einer Notlage. Sei es ein einfaches Marmorschild mit der Inschrift “Danke“, oder nach einer Heilung überflüssig gewordene Krücken, naive Darstellungen oder Abbildungen von geheilten Gliedern aus Wachs usw. So wird allen Menschen, gläubig oder ungläubig, die Macht der Fürbitte Mariens gezeigt. Diese Ex-voto-Gegenstände gelten als Zeugen des unerschütterlichen Vertrauens, das die Christen aller Zeiten der Jungfrau Maria erwiesen. Sie erinnern uns heute noch daran: Wir haben eine mächtige Fürsprecherin und Mittlerin im Himmel. Zu Land und Wasser, in Zeiten der Prüfungen wie des Friedens, bei persönlichen oder gesellschaftlichen Krisen, ob reich oder arm, Maria hört immer gnädig zu, wenn ein Mensch sich zu Ihr wendet. Er kann dann auf die grosse Macht Ihrer Fürbitte zählen: Maria ist nämlich die Mittlerin aller Gnaden.

Das Gebet des Engels in Fatima drückt dies sehr deutlich aus. Wir bitten um die Bekehrung der armen Sünder aufgrund der unendlichen Verdienste des heiligsten Herzens und des unbefleckten Herzens Mariens. Ein solcher Satz kann uns erstaunen: Hat nicht Jesus einzig und allein am Kreuz alles für uns verdient? Hat er nicht gesagt, er sei der einzige Weg zum Vater? Wieso sollten wir uns an die Jungfrau Maria wenden? Hat Sie etwa unser Heil verdient? Man muss zuerst bemerken: Jesus hat sich keine egoistische Mutter ausgesucht! Maria wendet nicht die Seelen von Ihrem Sohn ab, ganz im Gegenteil führt Sie diese Seelen zu Ihm.

Es gibt zwar nur einen Mittler zwischen Gott und den Menschen: Er heisst Jesus Christus (1 Tim 2,5). Er ist der einzige Mittler seinem Wesen nach, da er Mensch und Gott ist und so die Brücke zwischen Himmel und Erde. Die wesentliche Mittlerstellung Christi schliesst aber nicht aus, dass Gott, diesmal aus Gnade, auch Heilige an dem erhabenen Werk der Vermittlung zwischen Ihm und den Geschöpfen teilhaben lassen kann.

Mit einem einfachen Beispiel: Wenn wir im Gebet des Herrn dafür beten, dass Gott uns unser tägliches Brot gibt, verachten wir nicht den Landwirt und den Bäcker, welche an der Herstellung des Brotes mitgewirkt haben. Die Mutter, welche dieses Brot ihrem Kind gibt, behauptet nicht die Vorsehung zu ersetzen. Sie wirkt mit in ihrer Abhängigkeit. Nur Jesus ist seinem Wesen nach Mittler, d.h. fähig, durch die am Kreuz verdiente Gnaden die Menschen mit Gott zu verbinden. In der Abhängigkeit dieser Mittlerschaft lässt Gott auch Menschen auf Erden am Werk der Erlösung dienend mitwirken, wie der Priester im Beichtstuhl, oder bereitend mitwirken, wie die Heiligen, welche für uns vor dem Thron Gottes Fürsprache einlegen.

Unter allen Mittlern aus Gnade hat Maria einen erhabenen und besonderen Platz: Sie ist die Mittlerin aller Gnaden. Das bedeutet konkret für mich, dass ich keine einzige Gnade bekomme, von keinem einzigen Verdienst Jesu am Kreuz profitiere, ohne dass es mir durch die Hände Mariens gegeben wird. Im Goldenen Buch fasst der heilige Ludwig Maria Grignion von Montfort diese Wahrheit gut zusammen: “Wir bedürfen auch eines Mittlers beim Mittler und die allerseligste Jungfrau Maria ist es, welche am besten dieses Amt der Liebe verwalten kann. Durch Sie ist Jesus Christus zu uns gekommen, durch Sie müssen wir auch zu Ihm gehen. So rufen wir innig die Hilfe und Fürbitte unserer Mutter Maria an!“

Pius der X. erklärt und begründet diese Wahrheit in seiner Enzyklika Ad Diem Illum. Aufgrund der Schmerzens- und Willensgemeinschaft zwischen Maria und Christus ‘verdiente’ Sie, dass Sie aufs würdigste die Wiederherstellerin des verlorenen Erdkreises wurde und deshalb die Verwalterin aller Gaben, die uns Jesus durch seinen Tod und sein Blut bereitete. Maria hat eine Rolle im Heil der Menschen, nicht nur, weil ohne Ihre Zustimmung zur Menschwerdung Jesus nie auf Erden gekommen wäre. Ihre Rolle ging viel weiter: Sie hat am Fuss des Kreuzes nicht gegen dieses Unrecht revoltiert, sondern sich bewusst mit der unendlichen Liebe des Heilands für alle Menschen vereinigt und das Opfer Ihres Sohns als Sühne für die ganze Welt mitgeopfert. So hat Sie verdient, einen privilegierten Anteil an der Austeilung der Verdienste des Kreuzes zu haben. Im Himmel ist Sie jetzt die Verwalterin der Verdienste dieses Kreuzes.

Ein einfaches und traditionelles Bild lässt uns diese Wahrheit klarer verstehen. Die einzige Quelle der Gnade ist Christus: Von seiner Fülle haben wir alle empfangen (Joh 1,16): Er wirkt das Wachstum der Glieder seines mystischen Leibes. Maria aber ist der Aquädukt oder auch der Hals, durch den der Leib mit dem Haupt verbunden wird.

Die Christen jeder Zeit zögerten nicht, diese allgemeine Mittlerschaft Mariens zu erbitten. Selbst Ungläubige sind Zeugen der Mittlerschaft und Fürsprache Mariens wie z.B. der Sultan Suleiman der Prächtige. Nachdem Papst Pius der V. alle Christen an das Gebet des Rosenkranzes zum Schutz der von den Moslems bedrohten Christenheit aufforderte, wird Suleiman der Ausspruch zugeschrieben: “Mehr als alle Waffen und Soldaten fürchte ich diesen kleinen Mann (d.i. der Papst) und seinen Rosenkranz.“ Zurecht hatte er den Rosenkranz zu fürchten, Maria hat aufgrund millionenfach gebeteter “Ave Maria“ die Siege von Lepanto und Wien bewirkt! Maria rettete damals das Christentum.

Auch einzelne Menschen sollen zu Ihrer allgemeinen Fürsprache Zuflucht nehmen. Mit 19 geriet Franz von Sales während seines Studiums in eine tiefe Krise der Verzweiflung. Er sah sich unmittelbar verdammt. Für ihn, so meinte er, gab es keinen Weg zum Himmel. Diese innerliche Krise erschütterte ihn so sehr, dass er die Gesundheit verlor. Monatelang dauerte diese Versuchung bis er eines Tages sich in der Kirche Saint-Étienne-des-Grès vor einer Statue der Jungfrau hinkniete, sich der Jungfrau Maria ergab und ein “Gedenke, o gütigste Jungfrau Maria“ innig betete. Sofort verschwand die Versuchung wie Schnee in der Sonne. Sein ganzes Leben lang bewies der Heilige seitdem seine Dankbarkeit durch seine tiefe Verehrung Mariens.

 

Die 11 Meter hohe “Gute Mutter“ in Marseille, welche die ganze Stadt bewahrt

Die Mittlerschaft Mariens trifft auch auf uns zu, flehen wir selber zu Ihr. Der Rosenkranz war auch im 20. Jahrhundert ein privilegiertes Mittel, um von der allgemeinen Mittlerschaft Mariens zu profitieren. Kaum ein Sieg der Kirche ereignete sich ohne Rosenkranz. Überall half Maria, wenn die Christen auf Ihre Mittlerschaft zurückgriffen: Gegen den Kommunismus in Österreich, in Brasilien,… Zu Kriegszeiten, in Korea, in Europa,… In schwierigen politischen Krisen wie auf den Philippinen, in Portugal… Jammern wir nicht über die Politiker, wir haben sie verdient! Ergreifen wir unseren Rosenkranz im festen Glauben, dass Maria eine mächtige Fürsprecherin ist. Am Ende wird ein Herz auf der ganzen Welt triumphieren, es wird das Unbefleckte Herz der Mittlerin aller Gnaden sein. Auch bei persönlichen Verletzungen, Krisen, Zweifeln sollten wir wie Franz von Sales und so viele Heilige zur Jungfrau Maria Zuflucht nehmen. Erst im Himmel werden wir sehen, wieviel wir Ihr schuldig sind. Lassen wir Ihre Mittlerschaft nicht vergeben sein: Sie hat alle Schätze Jesu bekommen und will sie auch verteilen, wenn Sie Bereitschaft und Hingabe von unserer Seite sieht.

Haben wir keine Angst, zu Maria Zuflucht zu nehmen. Es heisst überhaupt nicht, dass wir dem Heiland misstrauen. Es wäre im Gegenteil ein Affront gegen Christus, der will, dass Seine Mutter von allen Menschen verehrt wird und dass man zu Ihr Zuflucht nimmt. Jesus wird uns sicher nicht beim Jüngsten Gericht anklagen, Seine Mutter zu viel geliebt zu haben! Machen wir das Gebet des heiligen Bernard von Clairvaux uns zu eigen, es drückt das unerschütterliche Vertrauen zu Maria aus, das jeder von uns in jeder Situation braucht: “Wirst du auf den Wogen des Hochmutes, des Neides hin und her geworfen, blicke auf den Stern, rufe Maria an! Bist du über die Schwere deiner Sünden bestürzt, blicke auf Maria! In den Abgrund der Trostlosigkeit und der Verzweiflung gesunken, denke an Maria!“

 

Stossgebet:

“Aufgrund der unendlichen Verdienste des Heiligsten Herzens und des Unbefleckten Herzens Mariens bitte ich um die Bekehrung der armen Sünder.“

Vorsatz des Monates:

  • Immer wieder seine Zuflucht zur Jungfrau nehmen.
  • Regelmässig wiederholte Gebete können dazu helfen, dass ihre Mittlerschaft immer bewusster wird. Z.B. “Gedenke, o gütigste Jungfrau Maria“, “Unter deinen Schutz und Schirm“ oder das unten zitierte Gebet “Blicke auf den Stern“

Lesetipp:

Kapitel 13, 14 und 31 aus dem Buch : “Aufruf der Botschaft von Fatima“ von Schwester Luzia.

 

Blicke auf den Stern

Die Barmherzige Jungfrau von Cobre

„Erheben sich die Stürme der Versuchung, befindest du dich inmitten der Klippen der Trübsale, blicke auf zum Stern des Meeres, rufe Maria zu Hilfe! Wirst du auf den Wogen des Hochmutes, des Ehrgeizes, der Verleumdung, des Neides hin und her geworfen, blicke auf den Stern, rufe Maria an. Wenn der Zorn, der Geiz, die Fleischeslust das Schiff deiner Seele hin und her schleudern, blicke auf Maria! Bist du über die Schwere deiner Sünden bestürzt, über den elenden Zustand deiner Seele beschämt, bist du von Schrecken erfasst bei dem Gedanken an das Gericht, beginnst du immer tiefer in den Abgrund der Trostlosigkeit und der Verzweiflung zu sinken, denke an Maria!“