Briefe an die Jugend – Vierter Stern der Krone Mariens

Sei auch Du ein Kristall für Gott!

Liebe Jungendliche!

Die Domkirche St. Peter zu Trier ist die älteste Bischofskirche Deutschlands. Diese bedeutende Kathedrale enthält kostbare Reliquien, unter anderem den Heiligen Rock und einen Nagel vom Kreuze Christi. Aus diesem Anlass wurde der Dom im Lauf der letzten Jahrhunderte reichlich ausgeschmückt. Bei einer Besichtigung des Doms fallen den Besuchern immer wieder die unscheinbaren Chorfenster inmitten dieser prachtvollen Umgebung auf. Im Gegensatz zu den vielen Schätzen der Kathedrale wirken die Chorfenster schlicht und karg. Die Fensterflächen sind mit einem wiederholenden, rechteckigen Muster strukturiert. Als ob der Handwerker keine Fantasie gehabt hätte oder als ob Einsparungen den Künstler dazu gezwungen hätten. Sobald aber die Sonnenstrahlen durch diese unscheinbaren Fenster dringen, verändert sich der Innenraum des Doms völlig. Der ganze Chorraum erglänzt in den prachtvollsten Farben, die Wände und der Boden widerspiegeln die Farben des Regenbogens. Die langweiligen und unscheinbaren Rechtecke sind nämlich aus reinem Kristall und wirken wie tausende von Prismen. Das Licht der Sonne wird durch die Reflexion und Brechung im Kristallglas in Millionen von Regenbogenfarben zerlegt. Gott hat Maria mit ähnlichen Eigenschaften wie diese Fenster erschaffen.

“Ich bin das Licht der Welt“ sprach Jesus von sich selber (Joh 8,12). Die Würde Mariä liegt darin, dass sie erwählt wurde, Jesus, die Personifizierung des Lichts, in die Welt zu bringen. Durch die göttliche Mutterschaft Mariä ist das Göttliche Licht in die Welt eingetreten. Maria ähnelt somit unserem oben beschriebenen, einzigartigen Fenster: Ein Fenster, das Gott nutzt, um die Finsternis der Menschen zu erleuchten. Ähnlich wie das Kristallfenster des Trier Doms besitzt Maria zwei Merkmale: Sie ist in erster Linie absolut rein und lichtdurchlässig wie Kristall. Weiter lässt sie das eindringende Licht der Sonne in verschiedenen Farben erglänzen. Betrachten wir kurz diese zwei Merkmale.

Maria ist zuerst rein wie ein Kristall. Wenn ein Kristall einem starken Licht ausgesetzt wird, erkennt man die winzigsten Risse und die verstecktesten Verunreinigungen. Das Licht wird nämlich durch die Risse und Unreinheiten umgelenkt. Die Berufung zur Muttergottes brauchte die Reinheit eines perfekten Kristalls. Warum? Dies lässt sich leicht erklären, wenn man die Erhabenheit der Mission Mariä bedenkt. Die göttliche Mutterschaft Mariä besteht nicht nur darin, der Welt einige Vollkommenheiten Gottes in Erinnerung zu rufen oder den Menschen eine Botschaft Gottes zu überbringen. Nein, Maria war nicht bestimmt, einen Bruchteil eines Lichtstrahls in die Welt zu bringen, sondern das Licht Gottes selbst, die zweite Person der Dreifaltigkeit, in die Welt zubringen. Für diesen Prozess kann man nur das reinste und perfekte Kristall benutzen. “Voll der Gnade“ nannte der Engel Maria. Unsere liebe Frau ist so erfüllt mit der Gnade, dass keine Dunkelheit ihre Seele je befleckt hat. Sie wurde im Hinblick der Verdienste ihres göttlichen Sohnes vor dem Makel der Erbsünde bewahrt. Das ist eines Ihrer grössten Privilegien: die Unbefleckte Empfängnis.

Gerade deswegen wurde das Unbefleckte Herz Mariens rein erschaffen und von dem Makel der Erbsünde bewahrt, damit sich das göttliche Licht ohne Hindernis verbreiten kann. Maria ist der vollkommene Kristall, der rein genug war, das Licht der Welt empfangen zu dürfen. Gott schuf in ihr die erhabenste und reinste menschliche Seele, um seine Ankunft auf Erden zu ermöglichen. Maria stimmte diesem Kommen durch ihr “Ja“ zu und wurde von diesem Moment an vollkommen von Gotteslicht durchdrungen: Sie empfing das Licht der Welt direkt vom Heiligen Geist. Dies ist der erste Grund, weshalb wir unsere Liebe Frau tief verehren: Ihr unbeflecktes Herz ist das Gefäss und der Vermittler des göttlichen Lichtes.

Dies ist eine Gnade, um die wir die Jungfrau Maria bitten können: Dass unser Herz immer ähnlicher ihrem Unbefleckten Herzen werde. Wie viele Risse und Verschmutzungen gibt es in unserer Seele? Ja, unser eigener Kristall ist weit davon entfernt, vollkommen zu sein. “Ihr seid das Licht der Welt“ sagte der Heiland. Wir sind als Christen berufen, Vermittler des Lichtes zu sein. “So leuchtet euer Licht vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“(Mt 5,16). Wie Maria leuchten wir nicht aus eigener Kraft, da wir nur Reflektoren des göttlichen Lichts sind.

Fragen wir uns diesen Monat: Welcher Schmutz verhindert meine Berufung? Was verstärkt noch die Risse in meiner Seele? D.h. welche Gelegenheiten machen mich noch mehr zu einem Egoisten, zu einem Unreinen, zu einem Selbstzufriedenen?

Lassen wir zuerst unseren Egoismus hinter uns, der die geschenkten Gaben Gottes den anderen nicht zugutekommen lässt: Seien wir gütig und selbstlos, seien wir erfüllt von der Liebe Gottes und barmherzig, verzeihend und gütig gegenüber unseren Nächsten. Trennen wir uns von den gefährlichen Einwirkungen durch schlechte Bekanntschaften, den unheilvollen Zeitverlusten in Gedanken oder in der digitalen Welt. All dies befleckt uns rasch und wird zu einem Hindernis für das göttliche Licht der Gnade. Werden wir aktiv um unser Ziel eines glasklaren Kristalls zu erreichen.

Der zweite Punkt ist das Bild Mariä, welches die eindringenden Sonnenstrahlen in wunderschöne Farben verwandelt. Ähnlich einem Prisma gibt Maria ein konkretes Bild der unsichtbaren Vollkommenheit Gottes wieder. Maria widerspiegelt die Vollkommenheit für uns alle und lässt uns die verschiedenen “Farben“ Gottes besser schätzen. Diese Farben Mariä sollen wir besonders betrachten, sie uns aneignen, so dass auch wir die triste Welt einfärben. Maria ist das einzigartige Geschöpf, das diese Farben am schönsten reflektieren lässt. Ahmen wir Maria nach und unser Elend und jenes der Welt wird kleiner werden.

Noch mehr als Wahrheiten brauchen die Menschen Beispiele, welche die schönen Wahrheiten unseres Glaubens im Alltag verwirklichen, welche helfen den Glauben konkret zu leben und um das hohe und anspruchsvolle, christliche Ideal zu erreichen.

Unsere liebe Frau gab uns selber ein mächtiges und wirksames Mittel, um diese Farben zu bewundern, sie uns anzueignen und sie in uns leuchten zu lassen: Maria gab uns den Rosenkranz. Bei jedem Gesetz betrachtet man einen Aspekt der Vollkommenheit Gottes durch ein Geheimnis Mariä. Die Betrachtung des Lebens Mariä verleiht uns das nötige Licht, welches uns erstrahlen lässt.

Diesen Punkt wollen wir uns im folgenden Abschnitt genauer anschauen. Unsere heutige Welt ist von Materialismus und Bequemlichkeit erfüllt. Wenden wir uns nicht von dieser Tatsache ab: Wir sind auch von diesem Geist beeinflusst. Es ist ein Bedürfnis unserer Epoche, die Einfachheit der Krippe wieder vor Augen zu führen. Gestalten wir unser Leben nach der Schönheit und Majestät des Kindes in der Krippe und nicht nach den trügerischen Grundsätzen der Welt. Durch die Betrachtung der schlichten Freude der Krippe bekommen wir den Mut, die weltlichen Fesseln zu lösen. Bitten wir Maria, durch die Betrachtung der jungfräulichen Geburt Jesu, uns die Einfachheit und Loslösung zu lehren.

Ängstlich und besorgt ist unser Herz in diesem hektischen Alltag, manchmal auch von Kleinmut gelähmt. Die Ergebenheit der Jungfrau Maria in den Willen Gottes während der Verkündigung und des Kreuzopfers, also in Freude und Leid, soll uns eine Hilfe sein. Vereinigen wir unsere Sorgen und auch Leiden mit jenen Marias. Maria lehrt uns den Wert des Leidens.

Jeden Tag wird uns vor Augen geführt, wie schwierig es ist ein authentisches, christliches Leben umzusetzen. Die Betrachtung der Herabkunft des Heiligen Geistes auf Maria und die Apostel an Pfingsten soll uns Mut geben: Mit der Gnade Gottes ist alles möglich. Die Hilfe kommt von oben, wenn wir uns darauf dementsprechend vorbereiten.

Betrachten wir diesen Monat die Tugenden Mariens mit Hilfe des Rosenkranzes. Der Rosenkranz besitzt die Kraft, die betrachteten Tugenden sich anzueignen. Setzen wir unseren Rosenkranzkreuzzug weiter gewissenhaft fort.

Werden wir dieses Jahr wie Maria, immer reiner, immer strahlender, um die erhabenen Vollkommenheiten Gottes überall erstrahlen zu lassen. Maria, gib uns die Kraft dieses Jahr, die Welt mit den Farben der Vollkommenheiten Gottes zu verschönern. Liebe KJB’ler, behaltet das Band der Liebe und Ihr werdet ein prächtiges Kristallfenster Gottes, welches aus hunderten von Prismen besteht, das die Gesellschaft mit belebenden Farben erfüllt. Tragen wir das Licht Gottes mit Mut in die Welt. “Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren“ sagte Maria in Fatima. Am Ende der Welt wird ihre unvergleichliche Schönheit das Vorzeigemodell der Menschheit schlichtweg sein. Setzen wir uns für diese Schönheit ein, werden wir Prismen des göttlichen Lichtes.

Mit meinem priesterlichen Segensgruss,

 

Stossgebet:

  • „Ihr seid das Licht der Welt.“ (Mt 5,16)
  • „Maria, möge mein Herz deinem Herzen immer ähnlicher werden!“
  • „Maria, hilf mir nach deinem Beispiel, das Licht Gottes in mir immer mehr strahlen zu lassen.“

Vorsatz des Monates:

  • Betrachte jeden Tag ein Geheimnis des Rosenkranzes 10 Minuten lang und versuche den betrachteten Aspekt am Tag konkret umzusetzen.
  • Oder wenn du bis anhin den Rosenkranz ab und zu auf die Seite geschoben hast, setze dich in einem ersten Schritt intensiver für den Rosenkranzkreuzzug ein!

 

Ab sofort findet man eine Übersicht über diverse Rundbriefe auch oben im Menü!