Wanderlagerbericht 2014

Drei Wochen im spanischen Katalonien…

Tja, wo beginnt man nun zu schreiben, wenn man von drei Wochen Action das Wichtigste festhalten soll? Und warum schreibe ich überhaupt über das Wanderlager, das Wanderlager, welches ja von der deutschen KJB aus organisiert wird? Nun, um wieder einmal die Werbetrommel für solche zu schlagen, die nicht genau wissen, was man alles in einem Wanderlager erleben kann. Zudem gibt es noch einen Grund: Dieses Jahr waren wir nämlich 7 Schweizer, welche daran teilnahmen. Diese waren so begeistert, dass sie sicher wieder einmal daran teilnehmen würden, sofern es ihnen ihre Arbeit erlaubt. Doch nun fertig bla, bla, bla und weiter zum Bericht:

Wir flogen also am 10. August von Köln nach Barcelona. Mit „Wir“ muss ich nun aber präzisieren, denn ich selbst flog nicht, sondern fuhr mit dem Autoteam direkt von Basel aus über Frankreich nach Spanien, wo wir auf die anderen ca. 40 Jugendlichen aus Deutschland und der Schweiz warteten. Treffpunkt war ein Strandabschnitt etwas oberhalb von Barcelona. Dort angekommen breiteten wir unsere Schlafsäcke aus und kochten noch ein paar Nudeln, um den Hunger für die Nacht zu stillen. Um ca. 2.00 Uhr in der Nacht schliefen wir  froh und in den Ohren von den Wellen des Meeres berauscht ein.

Am nächsten Morgen weckte uns dann die Sonne und wir starteten das Wanderlager mit einer gemeinsamen hl. Messe mit Blick auf das Meer, welches uns an die Unendlichkeit Gottes erinnerte. Nach der hl. Messe frühstückten wir gemeinsam auf einem Felsen, der uns den Blick über die Weite des Meeres und zur Stadt Barcelona erlaubte. Nach dem Frühstück war dann kurze Vorstellungsrunde der Lagerleiter, der Gruppenführer und des Fahrerteams. Anschliessend wurden alle Jugendliche in drei Gruppen aufgeteilt und einem Gruppenführer zugewiesen. Dann kam der Augenblick der Trennung; denn das Ziel der Gruppenaufteilung waren verschiedene Wanderrouten. Man verteilte sich also am Montag und reiste per Zug in verschiedene Städte. Über die Woche hinweg wanderte man dann  getrennt und traf sich erst am Freitagabend wieder in einer Stadt, um das Wochenende gemeinsam zu verbringen. Am Montag der folgenden Woche war dann wieder Verteilung und wieder getrenntes Marschieren. Das Ziel der Gruppenaufteilung war ein einfacheres Zusammenwachsen der einzelnen Mitglieder in einer kleineren Gruppe von 12 Jugendlichen als in einer grossen Gemeinschaftsgruppe von 36 Leuten.

Auf den Start zurückkommend, packten wir also unser Gruppenmaterial und wanderten dann zum Bahnhof. Ziel der Reise für den ersten Tag war Leiida, eine mittelalterliche Stadt im Westen von Katalonien. Dort, um ca. 17.00 angekommen, gingen wir sofort in die Altstadt, stiegen den Schlossberg empor und schlugen auf dem höchsten Punkt dieser mittelalterlichen Festung unseren Lagerplatz auf. Mit zwei Gaskochern ausgerüstet kochten wir Reis und Geschnetzeltes an feiner Weinsauce. Von diesem vorzüglichem Mahl gestärkt gingen wir zum Abendprogramm über. Mit ein paar gemeinsamen Liedern wärmten wir uns auf und bei Mondschein und Kerzenlicht spielten wir noch eine Runde „Mörderlis“. Um 24.00 Uhr war dann Abendgebet und um 0.30 Uhr Nachtruhe.

Am anderen Morgen standen wir um 08.30 Uhr auf und verrichteten in der Morgensonne mit Blick über die Stadt unser Morgengebet. In der Betrachtung erinnerten wir uns an die Gegenwart Gottes um uns, also in der Schöpfung und betrachteten unsere Handlungsweise unter dem Allsehenden Auge Gottes. So auf Gott ausgerichtet, versuchten wir auch das ganze Lager aus diesem Gesichtswinkel heraus zu leben. Nach einem guten und reichen Frühstück packten wir zusammen und begaben uns auf unsere erste Wanderung in diesem Lager. Wir durchquerten die Stadt und verliessen sie auf der anderen Seite nach Osten hin Richtung Meer, denn Freitag Abends wollten wir das 90 Kilometer entfernte Tarragona erreichen das unmittelbar ans Wasser grenzt. Mit diesem Ziel vor Augen und Lieder singend wanderten wir über die Landstrasse, die Sonne im Gesicht immer geradeaus. Nach etwa zwei Stunden meldete sich bei uns der Magen, was wir mit ein paar Feigen von einem Baum am Strassenrand beantworteten. Etwa eine Stunde später kamen wir dann in ein kleines Dorf und kauften  dort das Mittagessen: Brot, Aufschnitt, Käse und zum Dessert ein paar Früchte. Bis jetzt hatten wir, samt unseren Rucksäcken, eine Strecke von ca. 12 Kilometern zurückgelegt. Darum war eine kleine Siesta den Füssen zuliebe und wegen der brennenden Mittagssonne angebracht. Dass Wörtchen Siesta klang wie Musik in den Ohren der Gruppe und schon nach 5 Minuten war es bedeutend ruhiger geworden.

Nach  zwei Stunden wanderten wir weiter, denn wir hatten der Karte nach bis zur Abendrast nochmals 10 Kilometer zu gehen. Da nach dieser gemütlichen Siesta die Motivation noch am höchsten war, sangen wir auf der Strasse gehend den Rosenkranz. Dieser spornte uns wieder an noch weiter und schneller auszuholen. Ein Bauer spendierte uns dann gegen Abend von seiner Plantage noch ein paar Äpfel. Endlich  kamen wir müde in einem kleinen Dorf an, welches wir uns für das Übernachten ausgesucht hatten. Wir teilten uns sofort in zwei Teams auf. Die Einen gingen für das Abendessen und das Frühstück einkaufen, die Anderen gingen von Tür zu Tür und klopften an, um nach einer Übernachtungsmöglichkeit zu fragen. Leider merkten wir aber, dass die Spanier oder besser gesagt die Katalonier weitaus nicht so freundlich auf solche Besucher gestimmt waren, wie es zwei Jahre zuvor die Italiener waren. So klopften und klopften wir, doch niemand hatte so wirklich Freude an uns „Dahergelaufenen“… Als die Einkaufstruppe dann zurück war, suchten wir also ausserhalb des Dorfes nach einer Übernachtungsmöglichkeit, was wir dann bei einer Missionsstation auch fanden. Wir kochten also wieder auf unseren Gaskochern und schliefen dann nach einer kürzeren Abendrunde auch recht schnell zufrieden ein.

Am anderen Tag wieder auf und so fort… …ich möchte Euch aber nun nicht jeden einzelnen Tag rapportieren, dass wäre ja dann doch nicht Sinn und Zweck der Sache. Darum nur noch schnell einzelne Highlights, die Euch interessieren könnten:

Schon seit langem gibt es im Wanderlager ein Punktesystem zur Bewertung der Gruppen um am Schluss eine Gruppe als Sieger prämieren zu können. Der Sieger darf dann mit ein paar Euros mehr Essen gehen. Um aber zu gewinnen, muss jede Gruppe verschiedene Aufgaben erfüllen und Aktivitäten organisieren, zum Beispiel einen Bunten Abend an einem der Wochenenden für die anderen Gruppen, welcher dann auch bewertet wurde. Auch musste jede Gruppe an einem Kochwettbewerb einmal im Lager für das Fahrerteam kochen. Festessen mit 6-gängigen Menues in Schlosshallen oder Burgruinen sind Standart. Und dann war da noch das Fussballturnier in dem alle Gruppen gegeneinander antreten mussten.

Ja, und jetzt nimmt Euch sicher noch Wunder, welche Städte wir so besichtigt haben…

Am ersten Wochenende waren wir also in Tarragona, einer Stadt am Mittelmeer, in der schon der hl. Paulus gewesen war.

Dann besuchten wir auch Monserat, ein Kloster in den Bergen Kataloniens, bei dem sich der hl. Ignatius von Loyola bekehrt hatte und wo er vor dem Gnadenbild der Muttergottes seine Waffen und seine Rüstung abgelegt hatte. Zu unserer Freude durfte Pater Udressy hinter dem Gnadenbild auch die hl. Messe lesen.

Und ja, diese öffentlichen hl. Messen waren eigentlich auch das Eindrücklichste, was wir im Lager erleben durften. Darum möchte ich doch noch ein wenig näher darauf eingehen. Mit der hl. Messe war es also wie folgt: Da Pater Udressy ja jeden Tag die hl. Messe lesen wollte war es unsere Aufgabe, ihm auch wenn möglich eine Kirche aufzutreiben. Nun, in unserem Land wäre das sehr wahrscheinlich weitaus schwieriger, hier in Spanien bekamen wir die Erlaubnis jedoch immer, egal, in welcher Kirche wir auch anfragten (darum fragten wir natürlich auch in den grössten Kathedralen und Basiliken an…). Meistens durfte dann der Pater die hl. Messe sogar am Hauptaltar lesen. Das war mal das Erste, was bei jedem Einzelnen von uns einen tiefen Eindruck hinterliess, wenn wir einer hl. Messe in jenem Ritus beiwohnen durften, für den die grossen Kathedralen des katholischen und alten Spaniens auch gebaut wurden. Den grössten Eindruck hinterliessen aber jene älteren Leute  am Stock oder im Rollstuhl die bei diesen öffentlichen hl. Messen herbeiströmten. Es waren Menschen, welche die hl. Messe noch aus ihren Kindertagen kannten, und sie endlich wieder einmal miterleben durften. Ihre Tränen und ihre Andacht, mit der sie den Leib des Herrn in der würdigen Mundkommunion empfingen rührte auch uns zu Freudentränen und mit bebendem Herzen dankten wir alle Gott, dass er uns die Gnade verliehen hat, mit dieser erhabenen Form der hl. Messe aufzuwachsen. Auch für die Priester in den jeweiligen Kirchen war es oftmals die erste Berührung mit der hl. Messe im tridentinischen Ritus. Einige bleiben seither sogar in Kontakt mit uns, und wurden an die jeweiligen Priester und Priorate von uns in Spanien verwiesen.

Ja, und dann besuchten wir natürlich auch Barcelona. Wir verbrachten dort alleine drei Tage und erkundeten die Stadt. Quartier bezogen wir wieder einmal bei einer Kirche, geschlafen haben wir zwischen Hauptportal und Absperrgitter. Wir konnten unser Gepäck über den Tag hinweg also bei dieser Kirche deponieren und so in Flip-Flop bequem durch die Strassen dieses herrlichen Barcelonas flanieren. Zuerst besuchten wir einen Park der die Stadt vom Meer trennte. Er wurde auf einem Hügel angelegt, sodass man die Stadt und auf der anderen Seite das Meer und den Hafen prächtig überblicken konnte. Anschliessend begaben wir uns zum Nationalpalast und weiter zur Espagna, einem Platz, auf dem die Fans vom FC Barcelona zu gegebener Zeit ihre Meisterfeiern  abhalten.

Am nächsten Tag begaben wir uns zuerst zur alten Kathedrale, die uns durch ihre perfekte Gotik mit europäischen Stolz über unsere alten Meister aus früherer Zeit erfüllte. Anzufügen wäre da noch der geschichtliche Hintergrund dieser alten Kathedrale. Es ist nämlich interessant, was das hölzerne Chorgestühl in der Mitte der Kirche schon alles miterleben durfte. Das Chorgestühl war also aus Holz geschaffen. Es wurde in früherer Zeit für die Mönche des Ritterordens gebaut, die in ihm die Gebetszeiten abhielten und auch der hl. Messe beiwohnten. Was aber noch interessanter war, ist die Tatsache, dass sich hier im Chorgestühl 40 Jahre vor der Schlacht von Lepanto, alle Kaiser, Könige, Fürsten, Ritter und Bischöfe versammelten um gemeinsam über das Schicksal und die Verteidigung Europas gegen die Türken zu beraten. Und in einer Seitenkapelle wird heute noch ein 2m grosses Holzkreuz aufbewahrt, das in der Schlacht von Lepanto beim Heerführer vorne auf dem Bug des Schlachtschiffes befestigt war.

Am Nachmittag besuchten wir dann die Sagrada Familia, jene berühmte Kathedrale, an der schon seit 150 Jahre gebaut wird.

Nun ist aber genug berichtet, wer noch mehr wissen möchte, soll doch nächstes Jahr einfach selbst ins Wanderlager kommen. Zeit dafür kann man finden, das zeigen wenigsten jene 7 Schweizer die dieses Jahr dabei waren. Vielleicht können wir ja nächstes Jahr mit unserem eigenen Flieger ein fernes Land besuchen.

Bis dann…

…herzliche Grüsse

Euer Wandervogel Benedict