Der Gerade Weg – Sonderausgabe

DGW-3-2015-web-1Grusswort von DGW-Priester Pater Michael Weigl

Liebe KJBler,

schon vor Jahren hat N. G. Dávila die Misere kirchlichen Lebens mit folgendem Satz auf den Punkt gebracht: „Der moderne Kleriker vergißt in seinem apostolischen Eifer, daß man die Kampfesweise der Zeit anzupassen hat, nicht aber die Botschaft.“ Die Distriktoberen von Deutschland, der Schweiz und Österreich haben sich, dank der Initiative der KJB-Leitung, darüber Gedanken gemacht, die Kampfweise unserer Jugend aktuellen Gewohnheiten anzupassen, um die Botschaft unverfälscht weiterzugeben. So bekommt der DGW nicht nur ein neues Gesicht, sondern auch neue Zugangsmöglichkeiten.

Nicht nur, um in der Auswahl der Themen und den Zielsetzungen mitzuwirken, sondern auch um Widersprüche und notwendige Auseinandersetzungen auf einem mit Standesgnaden gestärkten Rücken auszutragen, wurde neben den ohnehin schon gut beschäftigten KJB-Priestern ein weiterer bestimmt, um für den DGW verantwortlich zu sein. Vermutlich weil ich bereits mehrere Jahre in allen drei deutschsprachigen Ländern tätig war, fiel die Wahl der Oberen auf mich. Da ich in Zaitzkofen ins Seminar eingetreten bin und in Ecône geweiht wurde, habe ich bereits in den Seminaren die katholische Weite unterschiedlichster Mentalitäten kennengelernt. Besonders dankbar bin ich aber für die Jahre, die ich mit unserem Gründer, Mgr. Marcel Lefebvre, unter einem Dach verbringen durfte. Am treffendsten kann man Erzbischof Lefebvre wohl mit dem Jesuiten Baltasar Gracián beschreiben: „Die außerordentlich seltenen Menschen hängen von der Zeit ab. Nicht alle haben die gefunden, deren sie würdig waren, und viele fanden sie zwar, konnten aber doch nicht dahin gelangen, sie zu nutzen. Einige waren eines besseren Jahrhunderts wert, denn nicht immer triumphiert jedes Gute. Die Dinge haben Periode, und sogar die höchsten Eigenschaften sind der Mode unterworfen. Der Weise hat jedoch einen Vorteil, den, daß er unsterblich ist: ist dieses nicht sein Jahrhundert, so werden viele andere es sein.“ So hoffe ich doch, ein weites Herz für die Jugend zu haben und zugleich die Geradlinigkeit und Treue unseres Gründers vermitteln zu können. Unser Matthias Schäppi hat in den letzten Jahre ja bei allem eiserne Nerven bewiesen, und so vertraue ich auch darauf, dass er selbst mit meinen mangelnden Computer- und iPhone- u.a.-Kenntnissen fertigwerden wird und als Chef vom Dienst die Redaktion weiter gut in Händen hält. Um seine Arbeit zu erleichtern, bitte ich euch alle schon jetzt um zahlreiche Beiträge.

„Der Weise hat jedoch einen Vorteil, den, daß er unsterblich ist: ist dieses nicht sein Jahrhundert, so werden viele andere es sein.“ Erst im Laufe der Kirchengeschichte, die noch geschrieben werden wird, werden die demütige Treue Mgr. Lefebvres zur Kirche und sein Wirken für sie richtig eingeschätzt werden können. Aber dieses Zitat soll nicht nur für einen verehrten, erfahrenen, alten Mann, der bereits das Zeitliche gesegnet hat, gelten, sondern nach seinem Willen auch die Jugend beflügeln. Aber Weisheit und Jugend – geht das überhaupt zusammen? Mgr. Lefebvre hat daran geglaubt: „Wir möchten nun, daß diejenigen, die unter dieser allgemeinen Verderbnis leiden, zu ihrem Trost erfahren, daß der Heilige Geist, der sie schon durch die jüngsten Akte des Heiligen Vaters in unaussprechlicher Weise getröstet hat, sich auch im Heranwachsen einer von Ihm sichtlich beseelten Jugend offenbart: einer entschlossenen, großmütigen Jugend, die nach der Wahrheit dürstet, nach der Liebe zu Unserem Herrn, zur Allerseligsten Jungfrau Maria und zur Kirche. Eine Jugend mit reinen und gesunden Sitten, die entschlossen ist, sich nicht von den Vorspiegelungen dieser Welt verführen zu lassen, die sich der Zerrüttung entgegenstellt und bereit ist, schöne und große Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Und diese Jugend wächst unvermittelt in allen Ländern, unter allen Breitegraden als neue Generation heran. Sie ist überall die gleiche, mit den gleichen Zielen, dem gleichen Verlangen und der gleichen Begeisterung, ein deutliches Zeichen dafür, dass der gleiche Heilige Geist sie beseelt.

Wer in Lausanne war und Seite an Seite mit den 800 Jugendlichen gestanden ist, die zum Kongreß [Congres l‘Esperance Politique (Kongreß die Politische Hoffnung). Wird jedes Jahr in Lausanne abgehalten. Seine heutige Tendenz ist von seinen ursprünglichen Grundsätzen etwas verschieden.] gekommen waren, hat daraus eine gewaltige Hoffnung geschöpft. Von nun an denken junge Akademiker und Arbeitnehmer über ihren Glauben nach, unterrichten sich näher und gewinnen über ihn größere Klarheit; sie beten mit glühender Andacht und haben eine große Verehrung für die Allerseligste Jungfrau Maria; sie wollen die Grundlagen und die Gnade wiederfinden, die das Wesen der Christenheit früherer Zeiten ausmachten, um eine christliche Gesellschaft ihrer Zeit auf den gleichen ewigen Grundfesten aufzubauen. So entdecken sie die wahre Stellung Unseres Herrn und der Kirche in der Gesellschaft, die durch Familie, Wirtschaft und Politik bestimmt wird.

Aus diesen Gruppen gehen offensichtlich zahlreiche Berufungen zur Heiligkeit hervor. Möge der Herr aus dieser Jugend Menschen wie Franz von Assisi, Dominikus, Ignatius, Vinzenz von Paul, Johann Maria Vianney und Don Bosco hervorgehen lassen! An uns ist es, durch unser Gebet, unsere Freigebigkeit und unsere Ermutigung dieser Jugend in jeder Weise zu helfen, den christlichen Staat, das heißt den Leib Christi, zu errichten, um den Menschen in Frieden und Gerechtigkeit das ewige Heil ihrer Seelen zu bringen.“

Die Zeiten sind zwar keineswegs besser geworden, aber der Heilige Geist ist schließlich auch nicht schwächer geworden, und damit liegt es im Wesentlichen an uns, Seinem Wirken zu folgen. Die „selige Insel“ in der Brandung des Zeitgeistes sollte eigentlich die Gemeinschaft der Jugendlichen in und mit der KJB sein, um hier ihre Entwicklung zu rechtgläubigen Persönlichkeiten zu erleichtern, zu stärken und zu vertiefen. Unbeschwert jung sein und doch die Weisheit bereits verkosten ist das Ziel – wenigstens aber der Traum für unsere Jugend. Da sich ja die Botschaft, wie schon gesagt, nicht ändert, ändern sich auch die Grundsätze der KJB nicht. Deshalb beginnen wir in dieser Sonderausgabe mit dem überarbeiteten KJB-Programm, das an Aktualität nichts eingebüßt hat.

Pater-WeiglAnschließend präsentiert uns Pater Schmidberger die Geschichte der KJB. Da ich selbst zwei Jahre lang vor dem Eintritt ins Priesterseminar KJBler war, kann ich wohl auch als ein „Früchtchen“ nicht weit vom Stamm der KJB-Geschichte bezeichnet werden. Die guten Früchte der KJB könnt ihr in den Porträts nachlesen, bei denen Ehemalige ihre beeindruckendsten Erlebnisse schildern und auch darstellen, worauf sie heute besonderen Wert legen würden, wenn man zweimal in denselben Fluss steigen könnte. Davor könnt Ihr euch noch einen Teil der Ergebnisse der jüngsten KJB-Umfrage ansehen; angesichts mancher Tatsachen, die sich hier auftun, gewinnen die „Tipps der Alten“, also was sie hinterher erkannt haben und im Nachhinein lieber noch intensiver gepflegt hätten, noch mehr Gewicht. Um euch die Aktivitäten durchzusehen, müsste euch die Wissbegier und eure jugendliche Neugier von selbst treiben. So möchte ich noch auf die Öffentlichkeitsarbeit hinweisen, damit ihr auch am Laufenden bleibt.

Mit priesterlichem Segensgruß

Michael Weigl