Die Hörnlihütte, Fukushima und die KJB – Teil 1

Die Hörnlihütte

Du hast sicher schon einmal einen Abend in einer engen (Berg-)Hütte verbracht. Falls du das Matterhorn bestiegen hast, war es wohl die Hörnlihütte. Vielleicht war es auch nur eine Forsthütte, die man für einen bunten Abend gemietet hatte… Jedenfalls kennst du sicher das wohltuende Gefühl, wenn man aus der „dicken Luft“ der Hütte ins Freie tritt, an die kühle und frische Luft!

Solange du drinnen bist, bemerkst du nicht, wie stickig es ist, du hast dich daran gewöhnt. Aber wenn du nach einigen Minuten von draußen wieder hineingehst, verschlägt es dir fast den Atem. Du hast erst durch die Erfahrung der frischen Luft die schlechte Qualität der Luft in der Hütte richtig einschätzen können. Dieses Prinzip ist auch auf die geistige Ebene anwendbar. Oft merkt man selbst nicht, bis zu welchem Maß man in weltlichen Dingen feststeckt.

Fazit 1: Wenn du das Gute nicht kennst, merkst du gar nicht, was dir fehlt!

Fukushima

Wusstest du vor dem 10. März 2011, wo Fukushima liegt? – Ich bin mir sicher, dass du es erst in den Tagen nach dem 11. März erfahren hast, als es im dortigen Kernkraftwerk einen katastrophalen Unfall gab, der zur radioaktiven Verstrahlung eines ganzen Landstrichs und vor allem der Arbeiter des Kraftwerks führte. Radioaktive Strahlen verursachen ab einer gewissen Dosis schwere Verletzungen der Haut (Verbrennungen, Blutungen, Geschwüre), der Organe und besonders des Blutes. Sie sind lebensgefährlich und dabei äußerst tückisch, denn man spürt sie nicht. Und wenn man sie spürt, ist es schon zu spät! Dann ist man schon verseucht und die Strahlenkrankheit nimmt ihren Lauf. Stell dir vor, du wärst im März 2011 in Fukushima gewesen und jemand hätte dir gesagt, du sollest sofort das Weite suchen, denn es trete starke radioaktive Strahlung aus.

Deine Gesundheit und sogar dein Leben seien in Gefahr. Was wäre gewesen, wenn du dich auf deinen persönlichen Eindruck verlassen hättest? Du hättest dich darauf berufen können, dass du rein gar nichts Verdächtiges spürst, siehst, hörst oder riechst. Du hättest die Warnung als Panikmache abtun können. Aber wäre das klug gewesen? Nein! Du hättest dein Leben riskiert!

Gefahren lauern nicht nur im Materiellen, sondern noch mehr im Geistigen. Das Leben ist vielschichtig und wir werden tagtäglich mit neuen Situationen, Ideen und geistigen Herausforderungen konfrontiert. Nicht nur in Fukushima, sondern in all diesen Bereichen gilt das Prinzip, dass man auf klugen Rat der Fachpersonen hören soll.

Fazit 2: Es ist klug, dass du auf Menschen hörst, die Bescheid wissen und etwas von der Sache verstehen, auch wenn deine eigene Empfindung etwas anderes sagt!

Der Weltgeist

Wenn in diesem Zusammenhang von „Welt“ die Rede ist, ist weder der Planet Erde noch die Schöpfung Gottes als Ganzes gemeint, sondern die Gesamtheit der von Gott abgewandten und von Gott wegführenden Geschöpfe bzw. die Summe der gottfeindlichen Dinge. Von der so verstandenen „Welt“ schreibt die Hl. Schrift oft, und zwar immer mit derselben Wertung. Drei Stellen mögen genügen: „Habet nicht die Welt lieb, noch was in der Welt ist.“ (1 Joh 2, 15). „Macht euch nicht dieser Welt gleichförmig“ (Röm 12, 2). „Wisst ihr nicht, dass Freundschaft mit dieser Welt Feindschaft gegen Gott ist? Wer also ein Freund dieser Welt sein will, macht sich zum Feind Gottes“ (Jak 4, 4). Es wäre anmaßend, diese so klaren und harten Stellen einfach „weichzuspülen“ und umzudeuten. Die Hl. Schrift ist das Wort Gottes und daher unfehlbar! Eines steht also fest:

Fazit 3: Es gibt einen unüberwindbaren Gegensatz zwischen Weltgeist und christlichem Geist!

Zusammenfassend kann man sagen, dass der von der Welt beeinflusste Mensch oft getäuscht oder geblendet wird und das Gute nicht erkennt. Daher tut er wohl daran, auf klugen Rat zu hören.

Die KJBler

PaterStefanPflugerNun, wo wird sich ein KJBler Rat holen? Wonach kann sich ein KJBler ausrichten? Genau, nach dem KJB-Programm. Dort ist als erster Hauptpunkt das gemeinsame Ziel definiert: Das soziale Königtum Christi. Doch um dieses Ziel zu erreichen, braucht es eine christliche Persönlichkeit. Dies bedeutet, dass die Reise zu diesem Ziel bei dir anfängt. Wenn du nun bei dir anfängst, wirst du schnell merken, wie stark das dritte Fazit in deinem Leben Spannung und Schwierigkeiten erzeugt. Ich sehe deine Schwierigkeiten und verstehe sie: Du lebst eben in der Welt, ob du willst oder nicht. Und gleichzeitig sollst du nicht mit der Welt leben! Das ist ja gerade das Schwierige! Und ich kann dir diesen Gegensatz leider nicht ersparen.

Du wirst angezogen von der Welt und ihren Gütern. Vieles, vielleicht das meiste, das dich umgibt, ist nicht in sich schlecht, zieht dich aber auf eine Art und Weise an, dass du Gott immer mehr aus den Augen verlierst. Du kannst dieser Verlockung nicht ausweichen – und darfst ihr trotzdem nicht nachgeben! Wie du mit diesem Gegensatz umgehst, ist das Entscheidende, das Wichtigste auf deinem Weg zur reifen christlichen Persönlichkeit und letztlich zum Himmel!

Autor: Pater Stefan Pfluger