Die Hörnlihütte, Fukushima und die KJB – Teil 2

Verschiedene Haltungen

Vor dem genannten Gegensatz, den du nicht aus der Welt schaffen kannst, wirst du eine bestimmte Haltung einnehmen müssen. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten – ich erlaube mir jeweils einen Kommentar dazu:

Haltung 1

Du hast verstanden, dass es diesen großen Gegensatz gibt. Deshalb beschränkst du deinen Umgang streng auf andere „Tradis“ und kapselst dich von der Welt ab. Als jemand, der den wahren Glauben hat und ernst nimmt, bist du froh, wenn du dich nicht mit Menschen abgeben musst, die keinen oder einen falschen Glauben haben. Du bist mit dir und deinem Glaubensleben zufrieden. Diese Haltung ist falsch und meistens verbunden mit Überheblichkeit und geistlichem Stolz. Es ist die Haltung der Pharisäer. So wirst du deinem Auftrag nicht gerecht, als Gefirmte(r) an der Ausbreitung des Reiches Gottes mitzuwirken.

Haltung 2

Du findest es übertrieben und bist es leid, dass „immer“ der Gegensatz zur Welt betont wird. Du unternimmst sehr viel mit deinen Kollegen aus der Berufsschule oder vom Arbeitsplatz und siehst dabei eigentlich keinerlei Gefahren. Die Forderung nach einer gewissen Trennung von der „Welt“ hältst du für übertrieben und eigentlich findest du in vielen Punkten die KJB zu streng bzw. engstirnig. „Man muss eben gewisse Kompromisse machen im Leben“, sagst du dir. Es ist gut, dass du dich von der pharisäischen Haltung distanzierst. Du schießt aber in die andere Richtung über das Ziel hinaus.

Du hast nicht nur relativ unkritisch Umgang mit solchen, die mit christlicher Haltung nichts am Hut haben, sondern du gleichst dich ihnen immer mehr an und gehst immer mehr Kompromisse ein. Und so kommt dir die Haltung der Priester und vielleicht der Eltern immer übertriebener vor. Die Gefahr ist äußerst groß, dass du nach und nach auch die guten Sitten und schließlich den Glauben verlierst.

Haltung 3

Du siehst ein, dass man als überzeugter Katholik auf gewisse Dinge verzichten muss. Du bist gerne bereit, an dir zu arbeiten, möchtest aber gleichzeitig nicht auf deine liebgewonnenen Gewohnheiten verzichten. Du gehst einige Kompromisse ein, versuchst aber ihre Anzahl gering zu halten. Du weißt, dass du dies oder jenes in deinem geistlichen Leben noch verbessern musst, aber du machst es lieber zu einem späteren Zeitpunkt. Du bist nicht ganz zufrieden mit dir selbst, aber du schreckst vor gewissen Konsequenzen zurück. So nimmst du es „nicht ganz so streng“ – zumindest vorläufig. Du verschiebst die Arbeit an dir auf morgen oder später. Wer sagt dir aber, dass du später noch die Einsicht dafür oder die Gnade zur Umsetzung haben wirst? Die gleichen Gründe werden auch morgen und übermorgen, auch in einem Jahr noch gelten. Du schiebst das Notwendige immer weiter auf. Deshalb wirst du je länger, desto mehr unter einem Mangel an Reife und Überzeugung leiden und dabei selber unzufrieden oder sogar unglücklich sein. Die Gefahr ist sehr groß, dass du aus Frust immer mehr Kompromisse eingehst und schließlich bei der zweiten Haltung landest.

Haltung 4

Du entscheidest dich für den christlichen Geist und versuchst, ihn konsequent umzusetzen. Du hast das Ziel, den Himmel, vor Augen und ordnest dein Leben nach den höchsten Prinzipien: Du unterwirfst deinen Verstand und deinen Willen Gott und führst sie zur Herrschaft über die Leidenschaften. Das ist anstrengend und geht nicht ohne kleinere Niederlagen vonstatten. Aber diese kleinen Niederlagen lassen dich in der Demut wachsen. Du wirst immer tiefer von der Überzeugung durchdrungen, dass du nur etwas vermagst, wenn Gott dir die Kraft gibt und dir beisteht. Du bist sehr dankbar für die Gnade, den wahren Glauben zu haben, und du lässt ihn durch deine Liebe, Aufmerksamkeit, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft in die Welt ausstrahlen. Obwohl du dich nicht den „Weltmenschen“ angleichst, achten sie dich. Es ist eine beharrliche Gratwanderung, weder hartherzig noch lau zu werden. Gratuliere! Diese Haltung ist die einzig richtige. Und obwohl sie anfänglich am schwierigsten scheint, ist sie längerfristig die leichteste. Nur diese Haltung wird dich glücklich machen. Der ersten Haltung fehlt die Liebe, der zweiten und dritten das gute Gewissen. Zufrieden wirst du aber nur sein, wenn dein Herz voll Liebe und dein Gewissen rein ist! Eine christliche Persönlichkeit, die das erste Ideal des KJB-Programms darstellt, ist durch diese vierte Haltung geprägt. Eine solche Persönlichkeit schließt auch das zweite Ideal, die tätige Nächstenliebe mit ein, da sie für die Nöte der Mitmenschen aufmerksam ist.

Wo das Glück liegt

PaterStefanPfluger2Ich kann das leicht so schreiben, sozusagen von außen. Du steckst mitten in diesem Gegensatz zwischen christlichem Geist und Weltgeist und es fällt dir gar nicht so leicht, dich immer wieder aufs Neue für die vierte Haltung zu entscheiden. Denn der „Mehraufwand“ an Verzicht und Anstrengung scheint dir viel stärker ins Gewicht zu fallen als der „Mehrertrag“ an Glück und Zufriedenheit. Hier zeigt sich wieder die Wahrheit von Fazit 1: Wenn du das Gute nicht kennst, merkst du gar nicht, was dir fehlt! Erst wenn du begonnen hast, konsequent die christliche Haltung einzunehmen, beginnst du auch den Frieden und das Glück zu verspüren. Erst dann wirst du merken, wie unbefriedigend und schal die anderen Haltungen tatsächlich sind. Dennoch möchte ich dir noch besser verständlich machen, warum die christliche Haltung die einzige ist, die dich zutiefst glücklich machen kann. „Selbstbestimmung“ ist das Schlagwort unserer Zeit. Alle sprechen davon und halten sie für das oberste Gebot. Dabei übersehen sie, dass wir unser Ziel nicht selbst bestimmen können. Es ist uns von unserem Schöpfer vorgegeben. Aber das ist keineswegs ein Nachteil, denn es ist das größte und schönste Ziel, das wir uns denken können: die Verwirklichung des Plans der göttlichen Liebe. ER will uns mit SICH selber erfüllen und uns mit SEINER Herrlichkeit beglücken. Jeder will glücklich werden! Überlege einmal, was die Menschen alles auf sich nehmen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Sie suchen alle Glück und Zufriedenheit. Aber sie erreichen das andauernde und tiefe Glück nicht, denn nur eines macht den Menschen wirklich glücklich, zutiefst glücklich: das gute Gewissen und das Wissen, Gott in der eigenen Seele zu tragen, ihm zu dienen und ihn zu lieben. Diese Liebe, dieses Dienen und dieses Ziel findest du auch im Ziel der KJB wieder. Das Ziel der KJB ist, „dem wahren, unveränderlichen Glauben treu bleiben und ihn aus Liebe zu Jesus Christus und seiner heiligen Kirche wieder aufleuchten zu lassen.“ Das glücklichste Leben ist das Leben eines guten Christen. Ja man kann sogar sagen: je christlicher, desto glücklicher! Wenn du also glücklich sein willst, dann entscheide dich für das christliche Leben! In der KJB wird dieses Glück nochmals gesteigert, indem das Glück geteilt wird. Mit dem Ziel, das Christkönigtum auszubreiten, wirst du auch das Glück auf der Welt ausbreiten.

Autor: Pater Stefan Pfluger