Eine Jugend, ein Ziel!

Lauterbach/Schwarzwald. Wir schreiben den 28. März 2016. Der Parkplatz des Exerzitienhauses Porta Caeli der Priesterbruderschaft St. Pius X, ist bis auf den letzten Platz gefüllt. 60(!) Jugendliche der KJB reisen am Ostermontagabend voller Elan und Erwartung, an. Was wird die Jugendlichen erwarten? Wofür nehmen so viele Junge Menschen einen derart weiten Weg auf sich? Der Wetterbericht verspricht noch dazu ein hervorragendes Urlaubswetter. Warum fahren diese jungen Menschen nicht irgendwohin zu einer Kreuzfahrt oder einer spannenden Abenteuertour nach Norwegen? Vielleicht ist der Veranstaltungsname: Kaderschulung nur ein Code-Name und die Jugendlichen machen tatsächlich eine Woche Urlaub? Um das zu überprüfen haben wir einen Reporter nach Lauterbach geschickt, welcher uns folgendes berichtete:

photo_898_570506ecc17f8Als ich ankam, musste ich mich zunächst bei einer der Organisatorinnen anmelden. Als diese mir dann auch noch sagte (der Preis betrug lediglich lächerliche 100€), sie hätte ein Luxuszimmer mit eigenem Schreibtisch, Dusche und WC, Terrassentür und Nobelbett für mich reserviert, schien sich mein Verdacht zu bestätigen. Ich kam also auf mein Zimmer und räumte erst mal den Kasten ein. Sportzeug, Anzug mit Krawatte, Laptop und vieles mehr hatte ich zur Sicherheit mitgebracht. Bis zum Abendessen war noch etwas Zeit und so schlenderte ich gemütlich nach unten in Richtung Aufenthaltsraum. Dabei fiel mir ein weißes Blatt auf, welches in jedem Stockwerk hing. „Programm Kaderschulung 2016“ stand mit großen Lettern auf der ersten Zeile. Als ich weiterlas, traute ich meinen Augen kaum. Meine linke Hand wanderte in Richtung Hosentasche und tastete dort nach dem Autoschlüssel, die Rechte wanderte langsam und in flacher Form in Richtung meiner Stirn. Mein Mund öffnete sich leicht und man konnte meinen Seufzer: „Oh meeeein Gott“ kaum überhören. Was hier stand, damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet! Stellen Sie sich vor, da stand in folgender Reihenfolge:

6:40 Uhr aufstehen, Morgengebet und Betrachtung, hl. Messe, Frühstück, zwei Vorträge mit anschließendem Mittagessen und Mittagspause. 15:30 Uhr Kaffee und Kuchen, danach Vortrag, Rosenkranz, Vortrag, Abendessen, Vortrag und Komplet. 23:00 Uhr Nachtruhe.

Ist das denn möglich? Sind die Jugendlichen also tatsächlich für fünf Vorträge und das Gebet, für den Empfang der Sakramente und die Komplet (das kirchliche Abendgebet), in den Schwarzwald gefahren?

Diese Frage sollte mir gleich nach dem Abendessen beim Begrüßungsvortrag von Pater Reiser beantwortet werden. Pater Reiser stellte genau diese Frage in den Raum, warum seid ihr hier? Und er beantwortet sie im Laufe des Vortrages mit dem Großen Kirchenlehrer Thomas v. Aquin: Ihr seid hier, um den Glauben zu erkennen und IHN dadurch zu lieben. Erkennen um zu lieben also? Ja, denn das Thema dieses Jahr lautete: Glaubenslehre. Theologie oder so hieß der Fachausdruck hierzu.

Der Leiter der Katholischen Jugendbewegung Deutschland, hielt uns am Dienstagmorgen einen Vortrag, in dem er uns folgenden Satz an den Kopf warf: Ihr müsst werden zu einer Jugend, die an Temperaturerhöhung leidet! Was heißt das und was soll das bedeuten? Er versuchte uns klar zu machen, wie wichtig es ist, unsere Jugendjahre zu nutzen, sie für das Gute einzusetzen, indem er uns folgende Vorschläge näherbrachte: Hantelbank statt Fernseher, Rosenkranz statt iPhone, erste Demoreihe statt erste Kinoreihe! Er zeigte uns also konkret, was es heißt, katholische Jugendliche zu sein, die für das soziale Christkönigtum kämpfen.

In abwechselnder Reihenfolge drangen wir im Laufe der Woche, mit den Vorträgen der beiden Priester immer tiefer in die Lehre der katholischen Kirche ein. Von der Dreifaltigkeit zur Schöpfung, von den Sakramenten zu den vier letzten Dingen des Menschen. Eine unglaubliche Bandbreite des katholischen Glaubens, welche uns hier auf dem Silberteller präsentiert wurde.

photo_896_570505ed352dbErgreifendes Staunen löste beispielsweise der Vortrag über das Universum von P. Udressy, dem deutschen Distriktoberen, aus, welcher uns zeigte wie unglaublich groß und mächtig unser Herr ist und wie klein wir im Gegensatz dazu sind! Doch noch ergreifender und unverständlicher hingen die Kinnladen bei den Jugendlichen nach unten, als wir infolgedessen merkten, wie unerschütterlich tief die Liebe von unserem Herrn Jesus Christus zu uns sein muss, der sein Leben für uns hingab! Und noch viel mehr, er gab uns das Sakrament der Eucharistie. Er hinterließ uns SEIN Erbe: das hl. Messopfer!

Langsam aber sicher begann ich zu verstehen warum die Jugendlichen hierher kamen. Ich erkannte und fing somit an, zu lieben. Neu in dieser Kaderschulung war, dass die Organisatoren extra einen Polizisten, einen Kampfsportler und einen Österreichischen Spitzensportler einfliegen ließen, welche in den Mittagspausen ein Krafttraining für die jungen Männer zusammenstellten. Der Sport kann uns helfen, unseren Willen zu stärken, hieß es.

Und genau das ist es, so betonte Pater Reiser immer wieder, was wir Christen brauchen. Er erklärte es anhand des VW-Zeichens: „Wir brauchen wieder eine Gesellschaft, welche nach dem Verstand und Willen handelt und urteilt! Nicht die Gefühle sollen unsere Bevölkerung leiten!“, so der junge Priester. Dieser Satz kam wohl dem einen oder anderen Jugendlichen bei der 21. Liegestütz wieder in den Sinn.

Etwas Abwechslung brachten auch die Vorträge von drei Jugendlichen in die Woche hinein. Ein Vortrag über Musik, einer über Freundschaft und eine Berichterstattung aus den 30-tägigen Exerzitien des hl. Ignatius von Loyola. Wir bekamen hier praktische Anweisungen für das christliche Leben.

Am Freitag fuhren dann alle Jugendlichen zu einem Gebetsmarsch für das Leben nach Freiburg. Plakate mit Aufschriften: “Abtreibung ist nicht nur Mord sondern auch Selbstmord“, oder “Wirtschaftsmacht von Morgen – Abtreibung – Nein Danke!“ wurden von den Jugendlichen durch die Gassen Freiburgs getragen. Bei anschließenden Diskussionen mit Antifaschisten, die unseren Zug immer wieder mit Hassparolen zu stören versuchten, erkannten wir, mit welch billigen Argumenten der Teufel die Leute fängt. Ein Grund mehr, uns in der katholischen Theologie zu vertiefen!

photo_899_570506ecc2b3aAm letzten Tag dieser Kaderschulung stand ein feierliches Hochamt mit anschließender Sakramentsandacht und freiwilliger Ablegung der Kernmitgliederversprechen auf dem Plan. Goldenes Messgewand, eine kräftige Männerschola, welche ein gesangliches Exempel statuierte, und ein vierstimmiger Chor zur Ehre der Heiligkeit unseres Herrn!

Anschließend legten knapp 20 Jugendliche vor dem ausgesetzten Allerheiligsten, vor dem Königsthron Jesu, feierlich das Versprechen zum Kernmitglied ab, welches zur täglichen Betrachtung und Rosenkranz, Schriftlesung und geistlichen Lesung, Einsatz und Apostolat verpflichtet.

Nach dem Mittagessen wurde mit vereinten Kräften das gesamte Haus geputzt, wobei die Männer deutlich besser als die Frauen abschnitten! Vielleicht weil sie verstanden haben, was es heißt, mit Verstand und Wille zu putzen? Oder einfach nur, weil sie deutlich weniger putzen mussten? Wir wissen es nicht.

Mit einem lauten Ruf: Viva Christo Rey – Que viva! verabschiedeten sich die Jugendlichen voneinander und fuhren gestärkt und voller Tatendrang in ihre Heimaten zurück. Wir möchten uns im Namen der Katholischen Jugendbewegung herzlich bei den Organisatoren und den beiden Priestern bedanken! Außerdem gilt unser Dank besonders auch dem zuständigem Priester des Exerzitienhauses, Pater Schmitt, sowie dem zuständigem Personal für die Gastfreundschaft! Wir freuen uns auf nächstes Jahr!

 

von Bernhard Haminger