Gründungsvortrag der KJB – Teil 1

Zum 39. Gründungstag der Katholischen Jugendbewegung und zum 40. Jahrestag (8. Dezember) der Priesterweihe unseres Gründers, Pater Franz Schmidberger, veröffentlichen wir den Gründungsvortrag der KJB. Diese wurde am Jugendtreffen in St. Pelagiberg (Schweiz ) am 6. Januar 1977, am Fest der Erscheinung des Herrn gehalten und in der ersten Ausgabe unserer Zeitschrift DGW publiziert. Das Thema lautete: Aufgabe und Möglichkeit einer katholischen Jugendarbeit heute.

Meine lieben Freunde

SchmidbergerIch freue mich ausserordentlich, Sie hier so zahlreich zu finden und es wären noch weit mehr gekommen, das muss ich gleich dazu sagen, wenn heute nicht in vielen Orten gearbeitet würde, oder wenn nicht Schule wäre, das ist ein kleines Handicap. Trotzdem glaube ich, dass der heutige Tag sehr dazu geeignet ist, dass wir dieses Jugendtreffen abhalten.

Ich habe den Grundtenor in meiner Predigt bereits angegeben: „Der erscheinende Christus, der Zeugnis ablegt von der Wahrheit“ und auch wir sollen Zeugnis ablegen von der Wahrheit.

Dieses Jugendtreffen ist eigentlich erforderlich und verständlich aus der heutigen Zeitsituation heraus.

Sie wissen, früher hat in sehr vielen Pfarreien eine Jugendgruppe bestanden, wären die Jugendlichen in irgend einer Form organisiert gewesen, man hat für die Jugend etwas getan, und ich glaube, dass gerade das in der heutigen Zeit ausserordentlich stark im Argen liegt. Aus dieser Notsituation heraus habe ich mich entschlossen, die Sache in irgendeiner Weise in die Hand zu nehmen und Sie nun einmal einzuladen zu einem Jugendtreffen, damit wir hier überlegen können über Aufgaben und Möglichkeiten einer katholischen Jugendarbeit.

Ich freue mich ausserordentlich, dass wir ein Mitglied einer französischen Jugendgruppe, wahrscheinlich der grössten französischen Jugendgruppe überhaupt, die hier apostolisch arbeiten, ungefähr 6000 Mitgliedern, Herrn Tierry Faure, bei uns zu haben, der heute Morgen im Zug angereist ist aus Paris, um uns nachher einen Vortrag zu halten – er ersetzt Abbé Blin, der nicht abkömmlich ist.

Ich glaube, das erste, von dem wir ausgehen müssen, ist der Glaube an die Jugend. Der Glaube an eine Jugend, die auf dem Weg ist, wirklich aufzubrechen für die Wahrheit, um wirklich die Wahrheit zu suchen. Ich habe diesen Glauben an die Jugend und ich muss sagen, das erste, was ich hier eigentlich tun will ist, ein Bekenntnis ablegen zur Jugend. Ich halte es nicht mit jenen, die die Jugend verdonnern, die sie in alle Winde verdammen, und die sagen, dass die Jugend heute weit schlechter ist als früher – sie ist im Verhältnis zu den Möglichkeiten, die sie hat, auch nicht schlechter – ich glaube es nicht. Ich darf Ihnen vielleicht ein Zitat geben aus dem Buch: „Ein Bischof spricht“ von Monseigneur Lefêbvre, wo er folgendes sagt:

„Wir möchten nun, dass diejenigen, die unter dieser allgemeinen Verderbnis leiden, zu ihrem Troste erfahren, dass der hl. Geist, der sie schon durch die jüngsten Akte des hl. Vaters in unaussprechlicher Weise getröstet hat, sich auch in einer heranwachsenden, von ihm beseelten Jugend offenbart, einer entschlossenen und grossmütigen Jugend, die nach der Wahrheit dürstet, nach der Liebe zum Herrn, zur allerseligsten Jungfrau Maria und zur Kirche. Eine Jugend mit reinen, gesunden Sitten, die entschlossen ist, sich nicht von den Vorspielungen dieser Welt verführen zu lassen, die sich der Zerrüttung entgegenstellt und bereit ist, schöne und grosse Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Und die Jugend wächst unvermittelt in allen Ländern, unter allen Breitengraden als neue Generation heran. Sie ist überall die Gleiche, mit den gleichen Zielen, dem gleichen Verlangen und der gleichen Begeisterung – ein deutliches Zeichen dafür, dass der gleiche hl. Geist sie beseelt.

Wer in Lausanne war und Seite an Seite mir den 800 Jugendlichen gestanden hat, die zum Kongress gekommen waren, hat daraus eine gewaltige Hoffnung geschöpft. Von nun ab denken junge Akademiker und Arbeitnehmer über ihren Glauben nach, unterrichten sich näher und gewinnen über ihn grössere Klarheit. Sie beten mit glühender Andacht und haben eine so grosse Verehrung für die allerseligste Jungfrau Maria. Sie wollen die Grundlagen und die Gnade wiederfinden, die das Wesen der Christenheit früherer Zeiten ausmachte, um eine christliche Gesellschaft, auf den gleichen, ewigen Grundfesten aufzubauen.

So entdecken sie die wahre Stellung unseres Herrn in der Kirche, in der Gesellschaft, die durch Familie, Wirtschaft und Politik bestimmt wird.

Aus diesen Gruppen gehen offensichtlich zahlreiche Berufungen zur Heiligkeit hervor. Möge der Herr aus dieser Jugend Menschen, wie Franz von Assisi, Dominikus, Ignatius, Vinzenz von Paul, Johannes Maria Vianney und Don Bosco hervorgehen lassen.

An uns ist es, durch unser Gebet, unsere Freigebigkeit und unsere Ermutigung dieser Jugend in jeder Weise zu helfen, den christlichen Staat, d.h. den Leib Christi zu errichten und den Menschen in Frieden und Gerechtigkeit das heil ihrer Seelen zu bringen.“