Gründungsvortrag der KJB – Teil 2

PFSchmidbergerTeil 1 findest Du hier.

Die heutige Situation ist nicht einfach. Dass muss man sehen und jedem von uns ist klar, dass wir in einer Zeit leben, die man eigentlich nur kennzeichnen kann als eine Zeit des Niedergangs, und zwar, damit wir überhaupt uns einrichten können auf die Erfordernisse der Zeit, müssen wir zunächst einmal ganz kurz die heutige Situation analysieren:

Ich spreche von einem Niedergang und ich denke dabei vor allem zunächst einmal an einen gesellschaftlichen Niedergang.

Der Egoismus ist zu einer Haupttriebfeder des Handelns geworden – wenn überhaupt noch ein Engagement vorliegt, in weiten Teilen so nur zum eigenen Vorteil – die Menschen sind nicht mehr beseelt vom Opfergeist, sie sind nicht mehr bereit, irgendetwas auch umsonst zu tun, sich zu engagieren, sich ganz aufzuopfern, sich an eine Arbeit in der Gemeinschaft hinzugeben.

An zweiter Stelle steht ein Autoritätsverlust in der Kirche und Gesellschaft, wie er vielleicht einmalig ist und der zum Teil seine Wurzeln darin hat, dass sich die Autorität selbst, die Hierarchie oder auch der Staat, ihre eigene Autorität untergraben hat und zwar dadurch, dass sie in weiten Teilen, man muss das klar sagen, einfach unglaubwürdig geworden ist.

Wie kann man z.B. den Gehorsam fordern von seinem Untergebenen, wenn man selbst ungehorsam ist der Tradition und der Kirche von immer? Wie soll das gehen?

Insofern haben diese Leute den Ast – mit Schmerz sagen wir das – abgesägt oder zumindest stark angesägt, auf dem sie selber sitzen.

Der Autoritätsverlust in der Gesellschaft, es kommt natürlich dazu das Generationenproblem, das immer ein Problem gewesen ist, und das in der heutigen Zeit besonders stark hervortritt, weil die heutige Zeit eine schnelllebige Zeit ist. Weil sich in der heutigen Zeit so vieles in schneller Weise ändert und wandelt.

Ich sage, wohlgemerkt, es ändert sich vieles, ich sage keineswegs, es ändert sich alles. Der Mensch als solcher bleibt immer bestehen, und zwar als einer, der der Erlösung bedarf, als ein Sünder, der von Natur aus in seiner Seele christlich ist und der hingeordnet ist auf ein letztes Ziel und seine Erfüllung in Gott suchen sollte und auch nur dort findet.

Der Niedergang betrifft ein zweites Gebiet, dies ist das sittliche Gebiet und hierin spielen eine besondere Rolle in der heutigen Zeit: die Pille, der voreheliche Verkehr, die Drogen, die Abtreibung und die Ehescheidung.

Das sind Punkte, die mit dem katholischen Glauben nicht vereinbar sind, nicht nur nicht mit dem katholischen Glauben, sondern nicht vereinbar mit jeder vernünftigen Sittlichkeit und insofern müssen sie notwendigerweise zum Ruin einer Gesellschaft führen, zum Niedergang ganzer Staaten und Nationen.

Ich habe vor einiger Zeit in einer Zeitung gelesen über die Abtreibepraxis z.B. in Grossbritannien. Es war dort ein Journalistenehepaar, die dort diesen Praktiken nachgehen wollten, um hier etwas klarer zu sehen. Sie haben sich ausgegeben als ein abtreibewilliges Paar, die Frau hat sich vorher untersuchen lassen bei ihrem Arzt, um absolut sicher zu sein, dass sie nicht schwanger ist. Sie sind also zu einem Arzt gegangen, um sich auszugeben als jemand, der abreiben will. Der Arzt hat sich die Sache angesehen und hat sofort, mit völlig scheinheiligen Gründen die Abtreibung freigegeben. – Nun, die Beiden sind in die Abtreibeklinik gegangen, um dort die Praktiken zu sehen und sie haben die schauderhaftesten Dinge erleben und sehen müssen. Wie nämlich Kinder noch im 6.Monat und auch danach abgetrieben werden – die Aborte kommen in eine Verbrennungsanlage, ob die Kinder noch leben oder nicht, spielt keine Rolle, das sind also z.T. die reinsten Krematorien und was zurückbleibt, dient der Kosmetikindustrie. Das ist Tatsache – Sie können das nachlesen in der Zeitung von Prof. Craxy „Das neue Volk“.

Dieser Artikel, der schauderhaft und furchtbar ist, der aber nur die Realitäten wiedergibt, dieser Artikel war für mich ein letzter Anstoss, die Sache nicht mehr weiter schleifen zu lassen, sondern irgendetwas zu unternehmen.

Was ich unternehmen wollte und was ich unternehmen konnte, das wird heute vor aller Augen sichtbar, Sie selbst sind dafür das Zeugnis, dass Sie hierhergekommen sind, um sich an einem Tag der Ruhe und Zurückgezogenheit, an einem Tag, der auch dem Gebet gewidmet sein soll zu überlegen, was wir gemeinsam unternehmen können, und was wir gemeinsam unternehmen sollen.

Die Scheidungen nehmen zu in einem Masse, das furchtbar ist, und Sie wissen, dass auch in den Ländern, die ausgesprochen katholisch sind, die Frage der Scheidungen immer mehr in den Vordergrund rückt, denken Sie z.B. an Italien – und wer die Leidtragenden sind ist vollkommen klar – das sind die Kinder.

Dann, wenn Sie überlegen über die Auswirkungen der Drogen. Ich habe schon vor Jahren eine Übersicht gelesen für die BRD. Dort hat sich ergeben, dass bisher aufgrund der Drogen und des Rauschgiftes, nun ist das mindestens 5 bis 7 Jahre her, ca. 56’000 Frührentner sind, die also ihr Leben lang nicht mehr arbeiten können, Leute, die ihr Leben lang geschädigt sind und dem Staat zur Last fallen, nur auf Grund der Tatsache, weil sie sich auf diesen Bereich begeben haben und nicht mehr davon los kommen.

Der dritte Punkt des gesellschaftlichen Niedergangs ist die Glaubenskrise der heutigen Tage. Auch hier ist nichts Erfreuliches zu berichten. Wenn man überlegt, dass Prof. Rögele vor einem halben Jahr feststellte, dass aufgrund der Liturgieform in der BRD seit dem II. Vatikanum drei Millionen Menschen weniger zur Kirche gehen, dann ist das schlechterdings entsetzlich.

Wenn man nun sieht, was alles geschieht auf diesem Gebiet – Viele von Ihnen haben bereits einen Vortrag darüber gehört (über die Glaubenskrise). Ich will nicht näher darauf eingehen, wenn Sie sich nur die Katechismen anschauen, wo also wirklich elementare Glaubenswahrheiten geleugnet werden, in Abrede gestellt werden, und diese Katechismen sind eben der Ausdruck des heutigen Glaubens, der heutigen Mentalität, der heutigen Auffassung der Hierarchie. Dann muss jedem von uns klar werden, dass das, zumindest für uns, soweit es in unseren Kräften liegt nicht so weitergeht.

Mir hat dieser Tag eine Kindergärtnerin erzählt, sie ist hier in St. Gallen: ihr Pfarrer hat ihr verboten, den Kindern das Vater Unser zu lernen. – Stellen Sie sich vor, was daraus werden wird!

Das ist die Analyse der Situation, und aus dieser Analyse müssen wir natürlich die Konsequenzen ziehen.