Pädagogikwochenende 2020

Am zweiten Februarwochenende war es so weit: 17 KJBler trafen sich im Stuttgarter Priorat St. Athanasius zum Pädagogikwochenende, dem bisher zweiten seiner Art – exklusiv für die jungen Männer der KJB. Und auch wenn es im Vorfeld wohl den einen oder anderen neidischen Blick von Seiten der Damen gegeben hatte, so war (und ist) ein Pädagogikwochenende für Männer absolut erforderlich. Nicht nur ermöglicht es eine gute Betreuung der Bubenlager, sondern, viel grundlegender, es kann die heutige Krise der Vaterschaft ins Visier nehmen, die epidemische Ausmaße angenommen hat. Von der Heranbildung guter Väter und Patres hängt das Überleben der Tradition ab!

Während Einige bereits am Freitagabend angereist waren und sich im KJB-Raum schon einmal eingestimmt hatten, begann das Treffen offiziell mit einer hl. Messe in der schönen St. Bruno-Kapelle im Keller des Distrikts. Kinder – so predigte H. H. Pater Reiser, der damit ein Wort des hl. Don Bosco aufgriff – seien gleich Edelsteinen; hebe man sie auf, so würden sie zu leuchten beginnen. Während damit natürlich nicht gemeint war, dass Kinder stets mit Samthandschuhen anzufassen seien, stellte dies doch gleich zu Beginn klar: Kinder bedürfen der Erwachsenen (und zwar nicht nur ihrer Mütter!), damit in den Sonnenstrahlen einer christlichen Erziehung ihr Gutes und Schönes zum Vorschein kommen kann. Ihre wahre Schönheit tritt erst vermittels der annehmenden, emporführenden und beschützenden Hand der Eltern zutage – ein bloßes Laissez-faire des ‚natürlich guten Kindes‘, das man einfach schalten und walten lassen müsse, ist dagegen so illusorisch, wie es auch lieblos ist.

Im weiteren Verlauf des Tages wurde deutlich, dass Katholische Pädagogik keine solche Traumtänzerei, sondern realistische Pädagogik; sie orientiert sich also an den Tatsachen. Und zu diesen gehört unter anderem, dass es zwei Geschlechter gibt, für die jeweils ein anderes Verhalten normal und gesund ist, und dass der Erzieher wie auch das Kind von den Folgen der Erbsünde betroffen sind. All dem muss in der Erziehung Rechnung getragen werden! Katholische Pädagogik muss außerdem wissen, was sie will: Sie muss ihr Ziel kennen, um das Kind zu ihm anleiten zu können. Von diesem Ziel leiten sich dann die geeigneten Erziehungsmittel her; und hier braucht es keine  ‚Handbuchpädagogik‘, die in Büchern nachschlägt, was man denn in dieser oder jener Situation tun könne, sondern wenn einmal das Wesentliche verstanden ist, kann dieses im Alltag berücksichtigt und so nach und nach eine erzieherische Kompetenz ausgebildet werden. Und einen Sinn für dieses Wesentliche der christlichen Erziehung zu bekommen sowie gesundes und bedenkliches kindliches Verhalten erkennen zu lernen – das ist der Sinn des KJB-Pädagogikwochenendes.

Mithilfe eines Videobeispiels arbeiteten wir hier zum Beispiel Merkmale gesunden kindlichen Verhaltens von Jungs heraus; der Junge zeigt seine Gefühle; getrauert und gefeiert wird gemeinsam, im Team (Modell Sportverein). Er hat sich dabei soweit im Griff, dass er aus seiner Laune heraus nicht andere angeht, sondern er verfügt über einen inneren Leitfaden und kann im Rückgriff auf ihn bald wieder ‚runterkommen‘. Kinder verwirklichen in aller Regel ein gesundes Streben, das ihnen eigen ist, jedoch sind sie dabei auch anfällig für Krisen und dann hilfsbedürftig. Schnell können sie in einen Modus geraten, in dem sie sich und die Umwelt gewissermaßen durch die graue Brille sehen („Alle sind gegen mich, ich bin blöd, es gibt keine Hilfe mehr; ja, selbst der Betreuer denkt doch bestimmt auch, dass ich blöd bin“). Auch dieses Verhalten ist normal; bedenklich wird es erst, wenn ein Kind längere Zeit und wiederholt darin verbleibt. Das mitunter bockige Verhalten eines Kindes, das in einen solchen pessimistischen Modus geraten ist (oder sich selbst hinein bugsiert hat), lässt sich dabei wunderbar als eine Art Altes Testament im Kleinen lesen: Es zeigt, wie der Mensch der Hilfe des Vaters bedarf, um sich aus misslicher Lage befreien zu lassen; wie er ruft und liebend erhört werden will; und wie er wünscht, von seiner natürlichen Fähigkeit zur Hingabe Gebrauch machen zu können. Es ist wichtig für Väter, es in solchen Fällen nicht an Fürsorge und Güte fehlen zu lassen. Diese positiven väterlichen Eigenschaften sind heute leider oft entstellt und ins Unmännliche gewendet worden, was traditionelle Väter nicht davon abschrecken darf, sie sich im rechten Sinne und Maß anzueignen.

Im Laufe des Tages, der übrigens auch eine Führung durch das ‚Herz‘ des deutschen Distrikts bereithielt, lernten wir ferner einen wichtigen erzieherischen Grundsatz kennen: Wo nichts brennt, gibt es auch nichts zu löschen – ein Appell für weniger Einmischung. Lange hobbypsychologische Gespräche mit Kindern sollen ebenso vermieden werden. Vielmehr braucht das Kind oft nur einen Impuls, um wieder eine ihm gemäße Tätigkeit aufzunehmen; es ist sozusagen aus dem Tritt gekommen und braucht den Erwachsenen nun, um sein Tun zu strukturieren (man interessiert sich z. B. für seine Bastelei und stellt Fragen dazu) oder um eine neue Tätigkeit aufzunehmen, die es dann wieder mit kindlicher Energie verfolgt. Das Kind hat in der Regel keinen ausgetüftelten Plan vor sich, sondern allenfalls vage Ambitionen. So stellen sich dann schnell Mutlosigkeit oder plötzliches Desinteresse ein. Abhilfe schafft man dann durch konkrete (!) Anregungen („Ich schlage dir xyz vor…“). Oft lehnt das Kind diesen Vorschlag ab – und in Opposition zum Vorschlag des Erziehers fällt ihm dann meist ein, was es denn eigentlich tun wollte. Wenn nötig, gibt man dann bei der so neu gefundenen Wunschaktivität gleichsam Starthilfe, indem man das Kind z.B. in die entsprechende neue Gruppe spielender Kinder begleitet und es dort behutsam integriert. Bei einem Film (‚Das Camp‘ von Jacob Roebuck, 2013), der viele Do’s and Dont’s der Erziehung filmisch umsetzt und mit einer rührenden Geschichte verknüpft, klang der Abend aus; und auch wenn es noch vieles zu berichten gibt, will ich damit schließen, das Pädagogikwochenende allen jungen Männer der KJB ans Herz zu legen. Denn ob ihr einmal leibliche oder geistliche Väter sein werdet – so oder so ist es euch aufgetragen, als katholische Männer jene zu ihrem Ziel zu führen, die zu euch aufblicken und euch anvertraut sind, jene, die eurer väterlichen Leitung bedürfen.